Die künstlerische Installation besteht in der Abwesenheit des Künstlers

War ja klar! Musste ja kommen! Die Göttin des Traumes (Gott ist tot – es lebe die Göttin!) gewährt mir ein öffentliches Konzert, als Akt symbolischer Wunscherfüllung, einem Nottherapeutikum bei von Störungen des schizoformen Spektrums Betroffenen, damit ich meine Sampleleien einen breiterem Publikum vorstellen kann als nur meinen vier Followern bei YouTube, von denen ich nur drei kenne.

Natürlich bestehe ich die Prüfung nicht; ja, ich gehe erst gar nicht hin. Es sind wirklich sehr realistische Klarträume, die mir seit über dreißig Jahren von wo auch immer gesendet werden, denn so kennen alle den Herrn Koske; der geht nicht auf sein eigenes Konzert und wundert sich trotzdem, dass kein Publikum erscheint. Ich habe das Gefühl, ein Hochstapler zu sein, denke, auch im Traum, denn das denke ich auch im Wachen oft, dass mein Gesample längst noch nicht in der Phase wäre, in der man etwas vorzeigen könnte usw.; die alte Leier, der Typ ist unrockbar.

Wichtiger ist, dass die Atmosphäre nicht das Bedrohliche, von unguter Spannung Geladene usw. hat wie meist in meinen Prüfungsträumen. Das Theater, in dem ich auftreten soll, „hat“, in dieser für Träume typischen Art, etwas vom FriwoThe in E-Stadt, auf dessen Bühne ich tatsächlich schon gestanden bin; einmal hat unsere Klasse mit einem von mir auf dem letzten Drücker geschriebenem Sketch den ersten Platz im stadtweitem Schulvergleich gewonnen, hoho.

Heute ist im Traum wieder Gymnasium-Tag, d. h., es wird versucht, mich in eine Gruppe zu integrieren, in die ich vom emotionalem Alter her passen würde; ich vermute, dass ich für den Rest meines Lebens auf der Schwelle vom Elternhaus nach draußen festgeklemmt bleibe, aber auch das habe nicht nur ich hergestellt, und es gibt Schlimmeres, trallala. Die Atmosphäre bleibt freundlich, und das ist echt neu im Parallel-Universum der Träume oder zumindest äußerst selten, und ich gehe dann doch noch in das Haus, in dem ich auftreten sollte, und dort sitzen drei oder vier etwa achtzehnjährige Mädchen, aber es ist keine rothaarige dabei, und malen abstrakte Bilder auf riesige Papierbögen, DIN A 1 oder dgl. Sie sticheln zwar ein bisschen, als der auftreten sollende Künstler zu spät erscheint, aber das bleibt milde-freundschaftlich; etwa in dieser Tonlage hat die Arbeiterprinzessin meiner Abiturklasse mich immer „Ronaldini“  genannt.

Dann wechselt die Szene, eine Schulklasse, elfte oder zwölfte, steht in einer Reihe rechts neben mir, während der in der Gruppenrolle des Sprechers oder Entertainers agierende Schüler vor dem Eingang eines Hauses gegenüber steht. Es geht um Pferdewetten (?) und es findet dieses Geplänkel statt, das ich aus den Schulhofpausen an der Penne kenne, in denen die Jungs im Kreis standen und sich Wortgruppen zuspielten wie Bälle und ich kein Wort verstand, obwohl die deutsch sprachen, und das fand ich krasser, als wenn ich Klassenkeile  bekommen hätte, per Asperger ad Asterix usw.

Im Traum kommt es auch zu ein paar Wortwechseln, man kann nicht wirklich von Kommunikation sprechen, weil viele meiner Einlassungen nicht beachtet werden; nicht bestanden, aber ein paar Mal gehen zwei, drei Sätze hin und her zwischen den Schülern und mir.

Ich bin gespannt, ob ich in diesem Leben einmal bestehen werde im Traum, um dementsprechend in dem Bereich zu landen, über den man sich geeinigt hat, dass er die Realität wäre; wer immer sich das ausgedacht hat, es ist genial, ich wiederhole das bewusst.

… die Reanimation eines epoché -Menschen zieht sich manchmal sehr, ach…

… Sloterdijks Büchlein habe ich neben meinem Loser-Lotterbette liegen und mitunter sehe ich gar hinein, man hat lichte Momente, in denen Ansätze geistigen Lebens aufscheinen, oder so ähnlich; aber eben habe ich noch etwas Grandioses gefunden, das nun in mir umgeht, oder so ähnlich, weswegen ich es hier posten möchte, und ich möchte das nicht nur, ich tue es auch…

„Seelenleiden zu heilen vermag der Verstand nichts, die Vernunft wenig, die Zeit viel, entschlossene Tätigkeit alles.“ Goethe

Das, schon wieder, geht nun in mir um. Was, wenn eben die Fähigkeit zu entschlossener Tätigkeit hin ist, aber lassen wir das! Den Gedanken hatte ich schon sehr häufig, dass gute Schriftsteller nicht nur gute Psychologen, sondern auch gute Therapeuten wären, tragischer Weise jedoch oft ihre eigene Problematik erkennend, ohne sie lösen zu können. Goethe jedoch hat gelöst, indem er etwa seine Höhenangst in einer Art und Weise anging, dass man nicht umhin kann, von grandioser Vorwegnahme einer der grundlegenden Techniken einer der „Grundrichtungen“ der Psychotherapie, der Verhaltenstherapie, zu sprechen, nämlich der systematischen Desensibilisierung…

In diesem Sinne hier noch was Schönes für Herz und Auge, erlebt am Montag der vergangenen Woche, ach…