(… der Künstler beginnt seine poststupide Periode…)

Auch ein Therapeut, vor etlichen Monden in PAF… Auch dieses Bild hat nichts mit dem Text zu
tun, auch dieses Bild dient nur der Auflockerung, *hüstel*. Jedenfalls ist ohne Kater alles Käse!

Dass in der U-Literatur  manchmal, wenn nicht häufig, tiefere Lebenskenntnis erlebbar wird als in der E-Literatur, ist dermaßen nichts Neues, dass sogar ich schon darauf gekommen bin; dennoch und erst recht war das heute morgen ein grotesk-grandioser Einstieg in den Tag.

Seit einiger Zeit habe ich in meinem SuB, dem Stapel ungelesener Bücher, nicht dem passiven Partner im BDSM, har har, und es sind eigentlich drei Stapelchen, aber das behalte ich für mich, drei Romane von Mankell zu liegen, den ich spätestens für einen weisen Mann halte, seit ich erfahren habe, dass er in Maputo ein Theater gegründet hat, und einer ist „Die falsche Fährte“. Aus Gründen, über die ich gar nicht nachdenken wollte, weil ich sonst heute nachmittag noch nicht gefrühstückt hätte, habe ich dieses Buch aufgeschlagen, eine Taschenbuchausgabe, dtv, 5. Auflage Dezember 2001, und auf Seite 6 fand ich Folgendes…

Vergebens werd ich biegen, werd ich rütteln,
das alte, unerbittlich harte Gitter
– es will sich dehnen nicht, es will nicht brechen
denn in mir selbst geschmiedet und genietet ist das Gitter,
und erst wenn ich zerbrech, zerbricht das Gitter.
Aus „En Ghasel“  von Gustaf Fröling

Es dehnt sich schon – als Gummizaun, aber das am Rande; jedenfalls hat mir diese unvermutete Morgengabe die Kraft gegeben, auch diesen Tag zu beginnen, yippieh! *Hüstel* Sorry! – Natürlich ist das kein Freibrief für lethargische Schicksalsergebenheit, vielmehr es uns nicht gegeben ist, das Werk zu vollenden, aber es ist uns auferlegt, nicht davon abzulassen; das steht im Talmud, was ich von Dr. Feuchtwanger weiß, denn wir hatten zwar im Osten zu wenig Buchstaben, aber lesen kann ich.

Bla.

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Brav das Pensum erfüllt…

Gestern und heute habe ich jeweils weit mehr als die magischen 1000 Wörter täglich  geschrieben, und zwar hier, falls das Jemanden interessiert, wie Herr H. Caulfield gesagt hätte, was sich inzwischen herum gesprochen haben sollte.

Eine weitere der ersten Fassungen, die nach der überaus zutreffenden Aussage eines gestandenen Autors  oft, mit Verlaub, Mist sind; allein, es muss erst einmal und endlich alles raus, dann werde ich sehen können wollen, was sich daraus machen lassen können dürfte. Bla.

***

Gestern habe ich mir nach dem Wirbel um Kevin Spacey, der selbst mich Universal-Marginal-Person erreichte, wieder einmal „American Beauty“ rein gezogen, und ich musste bei diesem Film an die Aussage einer bekannten Kritikerin denken, es gäbe unter Filmleuten diese Redewendung, da wäre Gott über die Leinwand gegangen. Selbst der morbide Zynist  Koske war immer wieder ganz still ganz angerührt; ich pflege die Rezeption von audiovisuellen Kommunikaten  meist mit mürrisch gebrabbelten Selbstgesprächen zu begleiten, damit die mich überwachenden Kameraden Volksschützer*  auch was zu lachen haben.

Beim erstem Ansehen des Films vor etlichen Jahren war ich überzeugt, mich eigentlich mit Lester Burnham identifizieren zu sollen, dessen Grundstimmung ich glaubte nachvollziehen zu müssen auch ohne etwas erreicht zu haben  wie Familie, Haus, Wagen usw., stattdessen ich mich mühelos in den jungen Nachbarn einfühlte; und: nein, ich habe Haschisch weder geraucht noch auch gedealt.

Gestern ging eine ganz andere Frage in mir um, nämlich, wie es nun weitergehen würde mit Jane und Ricky… Würden die es schaffen, durch den gewaltsamen Ausbruch aus den äußeren Umständen ihres Lebens auch innere Veränderungen zu erleben, oder würden sie stattdessen nach einer Weile die seelischen Mechanismen reproduzieren, denen sie zu entkommen suchten? – Man könnte natürlich sagen, dass ich jetzt mein eigenes Erleben nach einer derartigen, allerdings allein vollzogenen Flucht projizieren würde, aber, ach, ist dergleichen nicht vielmehr der berüchtigte Lauf der Dinge? Alles Haschen nach Wind, und das härteste Gefängnis sind die eigenen neurostrukturellen Prägungen.

* Franz Fühmann, „Saiäns-Fiktschen“.

(… der Morbide speit wieder Galle…)

Bis ich 18 bin, bleibe ich noch bei Mutti… Nein, das ist nicht nur zynisch usw.; immerhin ist mir aufgefallen, dass ich plötzlich an einer Stelle überdurchschnittlich kreativ-produktiv bin, an der ich selbst das nicht im Mindesten erwartet hätte, und dass das etwas mit der emotionalen Einbettung  zu tun haben könnte, wobei es, ich wiederhole mich, um die Quantität meiner klangmalerischen Bemühungen geht, nicht um die Qualität; mitnichten wünsche ich Oberbayerns Super-Nova zu werden usw., auch nicht im Unbewusstem. Bla.

Apropos nachholende Ich-Entwicklung – in unregelmäßigen Abständen werden immer wieder neue therapeutische Schulen entwickelt, die mehr oder weniger deutlich erklären, die ultimative Synthese wesentlicher therapeutischer Exerzitien anzubieten, und nun bin ich an die Schema-Therapie gekommen und war positiv überrascht.

Was mich aber des Weiteren überraschte, war die Verwendung des Wortes Beelterung, und ich habe mich gefragt, hinterfötziger Nestbescheißer, der ich bin, ob ein Schema-Therapeut jemals davon gehört hat, dass nachholende Ich-Entwicklung  nicht nur von Ammon entwickelt, sondern auch nachweislich erfolgreich umgesetzt wurde (bei mir nicht, aber ich bin halt ein Psychopath, jedoch seit 31 Jahren rund um die Uhr in In-vivo-Therapie bei wem auch immer, das wird schon noch).

Über die Frage aber, ob andererseits Mitarbeiter der dynamischen Psychiatrie etwas von Schema-Therapie gehört hätten, möchte ich das Mäntelchen der Nächstenliebe breiten, und hiermit breite ich. Wenn ich als Universal-Marginal-Person einen dürftigen Überblick über wesentliche Strömungen und Richtungen des Psycho-Clubs  hätte, weil ich Leidensdruck habe, müssten Fachleute erst recht einen solchen Überblick haben; hatte ich gedacht, süüüß. Stattdessen verblüffte mich eine seit Jahrzehnten tätige Therapeutin in Leitungsfunktion mit der offenbar ernst gemeinten Frage, was denn eine schizotype Persönlichkeitsstörung wäre; nur als Beispiel, ich kann mich auch noch an eine Situation erinnern, in der ich einer gleichfalls erfahrenen Fachmännin Unterschiede zwischen schizoider und schizotyper Persönlichkeitsstörung zu erklären versuchte und dabei feststellen musste, dass sie nicht zu wissen schien, dass es diese Unterschiede überhaupt gäbe, und der Fiedler lag aber oben auf dem Schrank (dabei ist das eigentlich einleuchtend für jedermann, indem z. B. oder vor allem der Schizoide nicht unter seiner Isolation leidet).

„Hier sieht sich der Klient Koske als großer Vermittler und Mediator; er wünscht, im Unbewusstem, Staatssekretär für Gesellschaftstherapie zu werden; es scheint ihm nicht gelungen, seine störungsspezifischen Größenphantasien hinreichend analytisch zu bearbeiten.“

In diesem Sinne – alles Haschen nach Wind!

Ich würde mich überwachen lassen

Ein Zeichen der semiotischen Guerilla? Man findet es hier; auch dieses
Bild hat wieder schier nichts mit dem ihm nachgestelltem Text zu tun.

Erst ca. 200. Mal habe ich erwähnt, eine spezielle Art Untertanengeist zu entwickeln, und zwar dergestalt, dass ich immer wieder Gedanken, von denen ich überzeugt bin, dass sie nicht völliger Mist wären, erst zu äußern wage, wenn sie durch die Äußerungen irgendeiner Autorität bestätigt zu werden scheinen. Vor wenigen Tagen, am 25. Oktober, ist mir das bei der Lektüre der „Süddeutschen Zeitung“  passiert; ich lese die „SZ“  recht regelmäßig, wenngleich längst nicht mehr derart intensiv wie in meiner Zeit als Zusteller in Big B, um mir selbst zu suggerieren, dass ich den Kontakt zu einer geistigen Ebene nicht völlig verloren hätte.

Auf Seite 8 befand sich ein Artikel mit dem Titel „Das Ende der Kleinfamilie“, und mein erster Gedanke war ‚Schon wieder?‘, und dann aber habe ich mich gefragt, ob ich richtig lese. Der Beitrag ist, wohlgemerkt, nicht von einer Universal-Marginal-Person wie mir, sondern von einer Professorin für Politikwissenschaft an der Universität New Orleans. – New Orleans? Alles ist vernetzt und Opa kommt nicht mehr mit! Mindestens interessant ist zudem, oder scheint zumindest mir, dass die im Folgenden auszugsweise zitierten Aussagen eben nicht von einer Therapeutin oder Psychologin kommen.

„Kennen Sie das afrikanische Sprichwort ‚Es braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen.‘?  Das führt zwar jeder im Mund, doch niemand lebt so. Zwei Bezugspersonen sind jedoch für ein Kind zu wenig.“

Leider sehe ich mich an dieser Stelle arroganter Weise gezwungen, darauf hinzuweisen, dass jede Wahrnehmung von der Lebenswelt abhängig ist, in der sie geäußert wird; Frau Professor hat gut reden, schön wäre es ja, wenn das jeder im Munde führen würde, dann wäre man endlich bei den Kriterien, die Unterdrückung  und Befreiung  wirklich ausmachen.

„Wieso funktioniert die hierzulande übliche Kleinfamilie Ihrer Meinung nach nicht?“ – „Das Problem ist, dass wir unsere Glückserwartung fast komplett in dieses Lebensmodell verschoben haben. Der Partner und die Kinder sollen uns froh machen, das Zuhause ist der Sehnsuchtsort*, an dem alles stimmen muss. Das ist so überfrachtet, dass es nicht funktionieren kann. Die Familie soll glücklich machen, aber sie tut es nicht.“ – „Warum nicht?“ – „Unsere Definition von Familie ist viel zu eng gefasst. ‚Vater, Mutter, Kinder‘, das sind viel zu wenige Personen, um sich gegenseitig sämtliche Bedürfnisse erfüllen zu können.“

Hier würde ich als arroganter Fatzke hinzufügen (das ist doch ungeheuerlich, was bildet sich dieser kleine Scheißer ein!), dass die eigene Familie zudem nachholen  soll, was man selbst als Kind entbehren musste, und das scheint mir einer der Faktoren, die dafür sorgen, dass in jeder Generation alles von vorn los geht, und dies eben unabhängig von der aktuellen politischen Fassadenfarbe usw.

„Wir glauben, Familie ist ein individuelles und intimes Thema. Das stimmt aber nicht. Es ist hochpolitisch.“**

Um wieder einmal den Ur-Jugendlichen H. Caulfield zu zitieren – „Das hat mich umgehauen.“  Derartige Gedanken kenne ich nur aus alternatiefsinnigen Kontexten wie experimentellen Kommunen usw., die noch einen Schritt weiter gehen, indem sie erklären, Liebe wäre ein politisches Thema, wenn nicht das. Was zutreffend ist – aber wen interessiert das schon? Wenn dergleichen aber nun von einer Professorin an hoher und höchster Stätte des Wissens geäußert wird, und noch dazu in einem Amerika, dem ein Herr mit toller Tolle vorsteht, dann scheint mir das die Ahnung eines Schimmers von Hoffnung.

Abschließend aber noch, therapeutisch schwer erreichbarem Geltungsdrang und Narzissmus geschuldet, meine Vermutungen, was die Doktoren Freudlos und Anna Lyse zu diesen meinen eben oben ausgeführten Ausführungen sagen würden.

„Der Klient K. bedient sich hier des für ihn überaus typischen Abwehrmechanismus‘ ‚Rationalisierung‘, um sich der Verantwortung nicht stellen zu müssen, die Familie und Elternschaft erfordern würden, und er verweigert damit neuerlich emotionale Reifung, indem er weiterhin in der neurotischen Rolle des ewigen Kindes verharrt.“  Usw., ich mache das lieber gleich selbst…

In diesem Sinne – alles Haschen nach Wind!

PS: Trotz allem Ungemach hienieden spielt immer wieder dieser Phantasie in mir, wie eine Welt aussehen würde, in der man  mit demselben Engagement, mit derselben genialen Kreativität, mit der man  die Technik in den letzten Jahrtausenden entwickelte, usw., sich dem „Erforschen“ und Entwickeln usw. von Kontakt, Beziehung, Bindung, Gruppendynamik usw. widmen würde. – Süüüß, uns‘ Ost-Koske wieder, nicht wahr; ts ts ts…

** Auch interessant, dass dieses Wort als Rechtschreibfehler angezeigt wird.
** Ich gehe noch etwas weiter, indem ich behaupte, Familie wäre der Bereich menschlichen Lebens, der am meisten Supervision bräuchte, aber am wenigsten erhält, und meist erst, wenn buchstäblich das Kind in den Brunnen gefallen ist.