Er sammelt Zitate (zum Besticken von Sofakissen)

Immer wieder dieses garstige Wort „Spießer“, auch in meinen Texten oder wie immer man diese Versuche schriftlicher Erörterungen nennen mag, aber was ist das, ein Spießer?

Grundsätzlich sind es auch hier, oder gerade hier, immer die Anderen… Das kennt jeder – jemand kommt in einen überfüllten Laden oder dgl. und seufzt etwas in der Art „Die Leute!“; er selbst sieht sich offenbar gar nicht als Leut, oder wie „Leute“ in der Einzahl heißt, der den Laden noch voller macht, das machen die Anderen; da steckt übrigens auch wieder die Mama dahinter; jeder in seiner Mutterblase, und es möchten gefälligst alle so ticken, wie man es aus dieser Sphäre gewohnt ist usw.

Spießer sind, so scheint mir, Menschen, die über nichts verfügen, das über das Säugetierische hinaus geht, das auf einer geistigen Ebene Entwicklung ermöglicht, die den Kontakt zu etwas über ihre Person hinaus Gehendem, für Andere Wichtigem und Nützlichem verloren oder nie besessen haben usw.

Schon in meiner Schulzeit hatte ich den Gedanken, den ich nie geäußert habe, dass Gorki mit seinem Roman „Die Mutter“  sich in gewissem Sinn und Ausmaß die Mutter „erschrieben“ haben könnte, die er nicht erleben durfte, und nun habe ich einmal bei Wikipedia „Gorki“ eingegeben, um bei einem Eintrag zu seinem Drama „Die Kleinbürger“  folgende Zitate aus diesem Stück zu finden…

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Unheilig-unköniglicher Klugschiss auf dem Marke-Thing*

Handeln, Kaufen, Verkaufen ermöglicht über die gehandelten Produkte, die in gewissem Sinn und Maß dritte Objekte im psychoanalytischem Sinn sein könnten, Abgrenzung, die einfacher, leichter und geregelter möglich zu sein scheint als im täglichem menschlichem Umgang, wo Abgrenzung, und damit immer Identität, kompliziert wird durch Wahrnehmungsmuster, die geprägt sind von bei vielen, wenn nicht den meisten Menschen sich angestaut habenden unerledigten Frustrationen, Kränkungen usw. „Umgekehrt“ könnte damit erklärt werden, dass immer wieder Kunden Verkäufer benutzen, um Frust los zu werden, der ganz woanders herkommt, und „hingehört“, als in den Shop usw.

Verkäufer scheint überhaupt einer der Jobs mit der höchsten Fluktuation zu sein. Weil der Job so anstrengend ist, körperlich und/oder geistig? – Nee, weil da ein oder gar das Kernthema der Gegenwart augenfällig wird, sich zeigen und gesehen werden. Einerseits scheinen es viele Menschen als unangenehm zu empfinden, gesehen zu werden. Ein Extrembeispiel im mehrfachem Sinne sind die Rechten, die regelmäßig die Kameras weg schlagen, weil sie sich in ihrem Versuch nachholender Symbiose behindert fühlen. Andererseits quillt das Netz über von, vorsichtig ausgedrückt, Selbstdarstellungen aller Art; mit einiger Sicherheit dürften das die dialektischen zwei Seiten des Problems sein.

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Unmotivierter Hinweis auf vermeintliche innere Ressourcen

Als Absolvent der DDR habe ich immer dieses „Religion ist Opium für das Volk!“  von Dr. Marx im Hinterkopf; dennoch und trotzdem und erst recht geht immer wieder dieser Gedanke in mir um, dass beim Beten etwas Ähnliches passieren könnte wie beim gleichmäßigen Schlagen einer Eisenstange auf einen harten Gegenstand – die Feldlinien richten sich aus, konkret wird die Stange magnetisch…

Warum schreibe ich das nun auf? – Rasender Geltungsdrang, therapieresistenter Narrzissmus (kein Tipp-Fehler); zudem darf die Spur von meinen Erdentagen nicht in Äonen untergehen  (ich weiß, dass Goethe kann geschrieben hat, aber das ist jetzt auch egal, nachdem Trump gewählt wurde)…

Allerheiligen

Allerheiligen (lateinisch Festum Omnium Sanctorum) ist ein christliches Fest, zu dem aller Heiligen gedacht wird – auch solcher, die nicht heiliggesprochen wurden − sowie der vielen Verstorbenen, um deren Glauben niemand weiß als Gott. (Tante Wiki)

newwelinge
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Dass ich die Einführung eines Welttages der Welttage cool finden würde, hatte ich schon erwähnt (man wiederholt sich im Alter, wie ich wiederholt anmerkte), aber vielleicht könnte zudem die Einführung eines Tages sinnvoll sein, an dem man derer gedenkt, die eigentlich schon tot sind und immer noch herum laufen; ja, das ist auch Selbstkritik, und dass ich dieses Phänomen nicht nur konstruiert habe, zeigt sich daran, unter anderem, dass das Motiv der Zombies und artverwandter Gestalten gerade heftig durch Literatur und Film, was ein Wortspiel, geistert

(… wie müsste eine Welt aussehen, in der Menschen optimal versorgt in die Welt hinein wachsen, und versorgt eben nicht oder nicht nur oder nicht vorrangig im Sinne materieller Versorgung… wie müsste eine Welt aussehen, in der die tatsächlich Besten der Völker letztere leiten und führen usw*…. ja, ich hatte jetzt den Herrn mit der tollen Tolle im Hinterkopf, der über dem Großem Teich kandidiert – es ist irre… und wohin soll man denn emigrieren, wenn der ins Weiße Haus einzieht… vielleicht doch für diese Marsmission ohne Rückfahrkarte melden… das sind ja die dümmsten Menschen aller Zeiten, die Astronauten, die auf dem Mond waren – weil sie zurückgekommen sind**… man kann sich eine solche Welt, siehe eben oben, eigentlich gar nicht vorstellen… deshalb bitte noch mehr super gut gemachte apokalyptische Phantasien, damit unsere kapitalistischen Menschen mental eingestimmt werden… Opa liest gerade zum wiederholtem Mal „Die fünfte Welle“, und – zefix, is‘ das ’ne coole Schreibe… )

PS: Bla.

** Nein, ich meine nicht mich, auch nicht im Unbewussten!
** Der ist nicht von mir, aber der kommt voll gut, Mann…

(… es weiß mal wieder was…)

Mehrfach habe ich versucht, mit Leuten darüber zu reden, von denen anzunehmen, dass sie sich mit so was auskennen  würden, keineswegs unrealistisch erscheinen dürfte, aber… – ach… Bei einem Befragtem wusste ich nicht recht, ob da nun die Persönlichkeitsstörung, die psychotische Störung oder die geflissentliche Einnahme mental illuminierender Substanzen wirkte, oder alles zusammen, denn der Mann verstieg sich dann gar zu Aussagen etwa des Inhalts, Schneerson wäre ein jüdischer Faschist usw., was ich gar nicht vorrangig als Vorwurf anbringe, denn, korrekt, jeder hat die Freunde, die er verdient, und, richtig, deshalb habe ich eher keine, *hüstel*…

Was ich sagen will (ich kann mich nicht so ausdrücken, wir hatten im Osten zu wenig Buchstaben), ist, dass ich immer wieder überrascht bin, von drei Strömungen oder Richtungen oder was auch immer des Judentums zu hören oder zu lesen, orthodox, konservativ und liberal; es gibt aber noch eine vierte Richtung oder Strömung, den Rekonstruktionismus, und dazu findet man dann etwa Folgendes…

Diese kleinste innerjüdische Bewegung wurde in den 20iger Jahren dieses Jahrhunderts von Mordechai Kaplan in den Vereinigten Staaten ins Leben gerufen und als Ergänzung zur konservativen Bewegung gedacht. Seine Philosophie weist die Idee eines übernatürlichen g-ttlichen Wesens zurück. Er versteht G-tt stattdessen als Macht, Energie oder Prozessgeschehen, das die Summe aller positiven Kräfte ist, die Leben ermöglichen und entfalten. (Quelle, die Hervorhebung durch Fettdruck erfolgte koskatöricht)

Das finde ich mindestens sehr interessant, und ist das nicht eine coole Formulierung, „mindestens sehr interessant“, die hat doch voll was Literarisches, nicht wahr, wie ich überhaupt glaube, dass womöglich mit verschiedenen Bezeichnungen wie Chi, Prana, Voodoo, Orgon, Jahwe, Heiliger Geist, morphisches Feld usw. usw. usf. vielleicht dasselbe gemeint sein könnte; und nicht, dass ich mir einbilde, als Erster diesen Gedanken gehabt zu haben, vielmehr wollte ich andeuten, dass er auch mir gekommen wäre, so dass ich für den Fall, dass es dieses Große Klassenbuch  gibt, um den geflissentlichen Eintrag eines transzendenten Bienchens bitten möchte und hiermit auch bitte…

bienchen
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*Hüstel*… – Es besteht kein Grund zur Beunruhigung, ich bin Theoretiker, wie schon ein supercooles Frollein Jugendfreundin 1984 im Hirschkindergarten anmerkte, rote Haare bis unter das Steißbein*, wir berichteten mitteloft; allein, hiermit hätte ich nun etwas aufgeschrieben, das mir auch bereits wieder seit Längerem durch die Gehirngänge schlurft (man schlurft, altersbedingt)…

* „Wozu brauchst Du den Beißstein?“ – „Ich sah ihr auf das Steißbein!“… äh… – sorry!

„Epochen-Verschleppung“

Ein grandioses Wort von Gregor von Rezzori… Manchmal scheint ein Wort zu genügen, um zu zeigen, dass der Wortschöpfer einen Blick  hat, und das gilt natürlich auch für Wortschöpferinnen, etwa Christa Wolf mit „Kindheitsmuster“  (aber dazu ein anderes Mal, ganz vielleicht).

Natürlich ist mir klar, dass man (man, nicht nur ich, Frau Dr. Anna Lyse!), immer „passende“ Details da draußen findet, wenn man erst einmal Wahrnehmungsmuster entwickelt hat, die dazu beizutragen scheinen, in der Welt einigermaßen klar zu kommen, und dennoch und erst recht bin ich immer wieder verblüfft über solche Beobachtungen und Wahrnehmungen.

Dergleichen erlebe ich zudem nicht nur bei Werken, die erklärtermaßen quasi anachronistisch sind, wie etwa „Fanny und Alexander“  oder „Grand Budapest Hotel“*, sondern auch völlig unerwartet, zum Beispiel bei der televisionären Wahrnehmung der Winkelgasse in der Welt von Harry Potter, als ich so schnell und deutlich wie noch nie den Gedanken hatte, da würde nicht nur eine fantastische Welt kreiert, sondern auch oder vor allem eine untergegangene Welt rekonstruiert, und zwar vor allem atmosphärisch, nicht nur, was das „Bühnenbild“ anging usw.

Bei „Syberia“ scheint mir das noch deutlicher, und der irgendwie doch, igitt, dialektische  Witz scheint darin zu bestehen, dass gerade bei bzw. mit aktuellen Hochtechnologien diese Epochen-Verschleppung praktiziert wird; das ganze Game verströmt dieses Flair einer verlorenen Welt.

Ich weiß, dass das resigniert, fatalistisch, vielleicht zynisch usw. klingt, aber diese meine Wahrnehmungen beim Lesen und Filmsehen scheinen mir immer wieder zu bestätigen, dass nach dem Untergang des Bürgerlichen („bürgerlich“ im besten, progressivem Sinne des Wortes!), nach dem „Fallen des Vorhangs“  (Thomas Mann), nichts Ähnliches oder gar Gleichwertiges entstanden ist, oder vielleicht besser gesagt, entwickelt wurde; es gab diese zwei grotesken Großversuche in Braun und in Rot, und jetzt leben wir in einer Patchwork-Kultur, in der in abertausenden Cover-Versionen in Jahrtausenden angesammelte Kulturwerte… äh… verarbeitet werden.

* Übrigens kein Tippfehler – das Teil heißt in der Tat nicht „Grand Hotel Budapest“

Ver-rückt

Wenn ich mich recht entsinne, war es Christa Wolf, bei der ich zum ersten Mal einen Hinweis auf den Wortsinn von „verrückt“  gefunden habe; etwas ist ver-rückt, nicht da, wo man es erwartet, wo man es erwarten kann, der Erfahrung nach und dem gesundem Menschenverstand entsprechend usw.

Nun passiert mir das immer öfter, und möglicherweise nicht nur mir, dass ich Nachrichten aus der Politik, auch als Video-Schnipsel, den werktätigen Bundestag abbildend, fassungslos aufnehme und mich frage, ob ich vor Lachen oder vor Heulen schreien soll; dann aber sehe ich zum Beispiel einen Mitschnitt einer Sendung z. B. mit diesem Pispers und fühle mich danach informiert über Hintergründe, Ursache-Wirkung-Zusammenhänge usw.

Da stimmt was nicht! Da ist was ver-rückt! Im Übrigen, er spricht es selbst an, in einem anderem Beitrag – was ändert sich denn? Haben wir alle mal kraftvoll-dynamisch ab gelacht, und – weiter voran auf bewährtem Kurs, wie die Parteipoeten im realen Sozialismus  getextet hätten…