Diabologische Dialoge

Zunächst ein PS im Sinne von Prä-Skriptum, das mir notwendig erscheint

„Denn annalüsiernse mir mal, Dockta Freudlos!“*

Mit dem Einsetzen meiner körperlichen Pubertät wurde meine Identitätsproblematik manifest – ein „Hund“, überdurchschnittlich intelligent und überdurchschnittlich begabt, aber ohne eigenen Antrieb, rrrrrrr. „Sieht aus wie ’n Direktor, bloß druff hatta nüscht!“; O-Ton unsere sozialistischen Menschen anlässlich einer der wenigen Disko-Besuche in meinem Leben.

Das ad gredi, von dem Ammon spricht, der angeborene Trieb, los und auf die Welt zu zu gehen usw. (woraus „Aggression“ abgeleitet ist, die in diesem Kontext demnach als etwas durchaus Konstruktives gesehen werden sollte, das „nur“ durch Einschränkung und Unterdrückung im Verlaufe der Erziehung allzu häufig zu etwas Destruktivem wird), wurde früh und stark beschädigt usf. Dies hatte zur Folge, dass ich bereits als Halbwüchsiger, was mir damals natürlich nicht bewusst wurde, immer einmal wieder zu einem Zielobjekt von Übertragungen werden musste, provoziert durch mein unbestimmtes Verhalten, das ich mir auch von meinem Vater abgeguckt hatte.

Das heißt, etwas vereinfacht gesagt, weil viele nichts mit mir anzufangen wussten, nicht zu erkennen vermochten, was dahinter steckte, was ich noch in petto hatte, deuteten sie alles Mögliche, oder eben eher Unmögliche, in mich hinein; den mir mehrfach nahegelegten Problemlösungsversuch jedoch, Psycho-Analytiker zu werden, halte ich für mehr desselben, für Teufel mit dem Beelzebub austreiben; dies nur am Rande und nebenbei als kleiner boshafter Hieb hinter die freudvolle Couch.

Besonders oft „war“ ich schwul, „Schlucki“ oder Stasi. Nun bin ich aber von den Genossen Tschekisten auch nur als IM nicht einmal geworben worden. In der elften Klasse, zur Zeit der regulären Studienbewerbung in der DaDaeR, hatte ich Besuch von diesem Offizier der Bezirksverwaltung des MfS, der sämtlichen Klischees der Stasi widersprach, indem er wie ein Basketball-Trainer aus Upper Manhattan wirkte; der Mann ging unverrichteter Dinge wieder, nachdem ich erklärt hatte, süüüüüß, Regisseur werden zu wollen. Zudem ist mir Jahre später bewusst geworden, dass ich bei meinem erstem Therapieversuch (und ich schreibe „Versuch“, weil ich meine Therapien grundsätzlich für gescheitert halte), den Therapeuten der Gruppe, die sich einmal wöchentlich traf, in gewissem Sinn und Ausmaß als Führungsoffizier missbrauchte, indem ich von der Welt da draußen berichtete, sie kommentierte, sie kritisierte usw., die ich nur als untergeordneten Huschreiz wahrnahm, während dieses wöchentliche Treffen eine Art hohen Gerichtsstand, Stunde der Wahrheit usw. darstellte.

Wenn ich aber dennoch immer einmal wieder für einen Stasi gehalten wurde, obwohl ich es mitnichten war (warum sollte ich in diesem Zusammenhang lügen; ich bin ja kein Politiker und es stehen Wahlen an; ja ja, sehr witzig), dann muss das doch mit, Zitat Dr. Gysi, Psycho-Club zu tun haben (hier sieht sich der Klient neuerlich störungsspezifisch als Fraktionsvorsitzender, verständigen Sie gegebenenfalls die Gemeindeschwester!).

Ich muss mich mit dieser Problematik auseinandersetzen, weil ich Druck habe, Leidensdruck; offenbar Auslöser freiwilliger geistiger Bemühungen nicht nur bei mir; ich habe immer wieder beobachtet, dass ohne einen gewissen Druck von irgendwoher bei kaum einem Menschen Entwicklung und Reifung möglich scheint. Daher nun hier diese Parodien, oder was auch immer, auf die vertrackte Dialog-Situation zwischen hauptamtlichem Stasi und Anscheißer alias Mephisto und Faust („Unser Goethe, hähähä!“, Schnauze, Klapp-Karto-Grafen!)

Ich weiß nicht, ob ich hier sagen sollte have fun (yeah), aber nachdem ich nach dem Wiederfinden dieser Dialoge nach deren jahrelangem „Liegenlassen“ neuerlich diesen unwohl bekannten und erst etwa dreihundert Mal erwähnten Effekt erlebte, feststellen zu müssen, dass diese schriftstellerischen Versuche offenbar nicht völliger Mist wären, sondern den einen oder anderen ganz brauchbaren Gedanken zu enthalten schienen, präsentiere ich diese seltsamen Beiträge hier meiner zahllosen Nichtleserschaft; die Reihenfolge ist auch hier blogtypisch, indem die letzten Beiträge oben stehen.

Äh… – ach so, ja: bla.

* © Die Ursprungsdatei des Bildes ist gemeinfrei.

18. Juli 2015

Bloggen is‘ jesund!

R: Ralf (ratloses Fossil) und U: sein UFO (Unidentifizierter Führungsoffizier)

U: Ach, Sie arme seelische Waise – jetzt ist bald auch Ihr virtuelles Zuhause weg… ts ts ts…

R: Was geht – mach locker! Voll schwul, Alter! Chill bisschen, Mann!

U: Ja, dieses Geblödel als Zumachen kennt man ja!

R: Irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, dass in der Hölle Selbsterfahrungsseminare stattfinden. – Außerdem ist „Zumachen“ seit Jahrtausenden menschliche Bewältigungsstrategie. Nur jetzt, nach 70 Jahren Frieden, rückt bisschen Psychoscheiß ins Blickfeld, nicht immer nur Ölfelderschöpfung und Bankenkrisen und so.

U: Sie entwickeln sich, langsam, aber deutlich! Ich hätte ja jetzt erwartet, dass Sie erklären, Selbsterfahrungsseminare wären die Hölle…

R: Betrachten Sie mich bitte als erheitert, ich bin zu faul zum Grinsen… – Aber wahrscheinlich ist das wieder das Unbewusste! Da ich intuitiefsinnig genug war, die Abwicklung von blog.de zu erwarten, habe ich im voraus eilendem Gehorsam des wild gewordenen Spießers gleich paar Male meine Bloghäuser eingeri… äh – rückgebaut… Chch.

U: Wie sagen Sie immer? – „Meine Erheiterung ist völlig meinerseits!“? Sie sind ein Seher, obwohl kein Dichter! Zufrieden? Fühlen Sie sich jetzt imstande, etwas halbwegs Ernstes zum Thema zu sagen? Har. Har.

R: Habe ich doch schon andauernd. Dazu ist der Blog ja da – dass ich dort anbringe, was ich sonst nirgends ansprechen zu können glaube. Wobei dieser Glaube natürlich was mit meinen Prägungen zu tun hat; neuerdings ist ja dergleichen sogar neurostrukturell gespeichert, gehste krachen, Alter… Aber den wesentlichen Gedanken habe ich mehrfach geäußert! Alle diese virtuellen Übungen wie Bloggen, Twittern, Gesichtsbuchen usw. haben was Therapeutisches. Es wirkt derselbe Effekt wie etwa in den anonymen Gruppen, wo man in den Raum hinein monologisiert, aber mit der Gewissheit, dass Andere da sind und eventuell sogar zuhören. Kurz gesagt, die Grundübung der Epoche – sich zeigen und gesehen werden. Und dass Therapeuten die Letzten sind, die diesen Effekt des bösen einsam und autistisch machenden Internets schnallen, ist wieder irre Dialektik, an die man sich als Insasse des 20. und 21. Jahrhunderts gewöhnt hat. Im Hause des Schusters laufen die Kinder mit kaputten Schuhen herum… Bla.

U: Ah – dieses „Bla“ zeigt mir, dass Sie es ernst meinen! Aber Sie wollen doch nicht behaupten, dass Ihre Bloggerei nur freudvoller Ersatz für Anna Lyse ist?!

R: Nee. Habe ich auch schon gesagt! Ich habe ab etwa 1978 einen laufenden Meter Kladden voll gekrakelt – mit dem Beginn des Bloggens war das nicht mehr nur für die berühmte und berüchtigte Schublade. Allein dieser Effekt würde mich zu öffentlichen Niederschriften- bzw. tippen motivieren. Narzissmus, Geltungsdrang – Sie verstehen! Aber dann kommt noch der Übungseffekt hinzu. Egal, ob das nun richtige Literatur ist oder nicht (ist es bei mir nicht) – ich übe… Besser als nichts! Außerdem bin ich durch Internettigkeiten und vor allem durchs Bloggen darauf gekommen, dass es jetzt Ottilie Normalverbraucherin möglich ist, den Traum des „Bajazzo“ von Thomas Mann zu realisieren. Sich in allen Künsten gleichzeitig ausdrücken, wie der Große Lübecker Wortsetzmeister schreibt, kann in gewissem Sinn und Maß jetzt jeder zu Hause am Computer. Ich habe zumindest bisschen mit MAGIX MUSIC MAKER und Flash herum zu machen begonnen, und wie erst 234 Male erwähnt, werde ich ca. 2025 Blender gelernt haben.

U: Sie haben vergessen, ausdrücklich zu erwähnen, dass Sie jetzt das nur noch selten verwendete Futur 2 verwendet haben. – Little joke, btw! Und wie geht das nun weiter – in der nicht vollendeten Zukunft?

R: Ich weiß gar nicht, ob ich nach der Schließ… – nach der Abwicklung von blog.de noch irgendwo weiter machen werde. Die Luft ist raus, und ich habe das blöde Gefühl, dass das nicht nur mir so geht.

U: Wahnsinn! Ich wollte eben anmerken, dass Sie sich wieder fast nur auf den Sachaspekt konzentrieren und den Beziehungsaspekt fast völlig ausblenden. Wie üblich! Was ist denn mit der Community, mit der Kommentarfunktion, mit den Blogfreunden usw. Aber jetzt kommen Sie immerhin von selbst darauf, dass es noch andere Leute gibt im globalem Blogsdorf. Sie sind echt entwicklungsfähig! Da geht noch was bei Opa!

R: Immer wieder sättigend, wahrgenommen zu werden! Obwohl die frühe Lücke nie gefüllt wird, deshalb der häufige Absturz der zu Ruhm Gekommenen (das am Rande und um die Frauen zu beeindrucken)! Aber das wird Sie jetzt sehr überraschen – da bin ich sehr zwiespältig! Ich glaube, ich bin durch das Bloggen dahinter gekommen, warum, unter anderem, ich schreibe. Ich möchte etwas Eigenes haben, das nur ich gemacht habe, das vorher nicht da war, an das niemand mehr rühren soll und darf und kann, das kanonisch ist wie etwa das Werk z. B. von Thomas Mann usw. Damit bin ich total anachronistisch – das mit dem Fossil ist ja keineswegs nur als Joke gemeint. Das heißt, das „Werk“ soll dann dastehen wie ein Monument – unveränderlich! In gewissem Sinn die Sehnsucht nach Stillstand (über diese Ansage von Herrndorf denke ich seit Monaten nach; das Erstaunliche ist, dass der Mann „Wessi“ war und dieses „Weiter voran auf bewährtem Kurs!“, das, ha ha, dialektischer Weise auf der Stelle treten bedeutete, gar nicht kannte). Die wiederum Ergebnis massenhafter Traumatisierungen ist. Etwas soll bleiben – für immer; in einer Welt, in der nichts ist, wie es scheint usw.! Diese Sehnsucht nach starrer und unantastbarer Größe ist aber einem Grundgedanken des Bloggens konträr entgegengesetzt – es geht ja in den Bloghäuschen um Austausch, Kommentar, Disput, Tratsch, fernschriftlichen Plausch im virtuellen Freundeskreis usw. usw. usf. – Ich bin in der Tat ein wenig ausgestorben…

U: So lange Sie nicht um sich herum müffeln, ist das zu tolerieren!

R: Olfaktorisches Internet wird es mittelfristig auch geben – und das meine ich wieder nicht nur witzig. Man beachte, dass Erinnerungen sehr stark an den Geruchssinn gekoppelt sind. Usw. Da werden sich Dinge entwickeln, für die man jetzt noch keine Begriffe hat.

U: Sie gedenken, nur noch mit Leuten zu bloggen, die Sie im Doppelsinn riechen können?

R: Was machen Sie denn jetzt zu? Und bei Ihnen stinkt es eh‘ nur nach Schwefel! Haha. – Es finden sich ohnehin virtuell die zusammen, die auch in der first reality zusammenfinden würden. Auch oder gerade hier kommt man kaum raus aus der Spur, es ist nur eine Verlagerung dieses Problems ins Medium Internet. Äh… – Bla. Chch.

U: Mit anderen Worten – Sie wollen die Schließ…- die Abwicklung von blog.de als willkommenen Anlass nutzen, gramvoll zu verstummen?

R: In der Tat zeigt sich hier meine persönlichkeits- sowohl als auch störungsspezifische Bosheit, denn ich weiß genau, dass ich mit meinem Verstummen die Weltliteratur empfindlich schädigen werde.

U: Mit noch anderen Worten – es trifft mal wieder „irgendwie“ das Gegenteil zu, indem Bloggen Sie auch davon abhält, richtig zu schreiben… Habe ich hiermit Ihren dinosäuerlichen Dialek-Tic recht erfasst?

R: Voll korrekt, Mann! Das habe ich zwar auch erst ungefähr achtzig Mal erwähnt und ich komme trotzdem und erst recht nicht aus dem Knick, aber drauf geschissen – Geduld, in kleinen Schritten vorwärts usw. Bla.

U: Okay – ich versuche es mal noch anders, sozusagen unteuflisch konstruktiv! Was würden Sie sich denn fürs Bloggen wünschen?

R: Da geht es – Überraschung! – um materiell schwer Erfassbares. Ich hätte gern die Stimmung wieder, die Anmutung, wie es in der Werbung heißt… sorry – in der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation, kurz – das Weltwahrnehmungsgrundmuster von vorher, vor 86, denn da war ich „in Bloggerstimmung“, obwohl es keine Blogs gab. Ich habe diese „Stimmung“ oder was auch immer bei Bloggern gefunden, die davon leben, sich internett zu verlautbaren, und habe mir gestattet, darüber verblüfft zu sein. Denn wer bin denn ich? Eine Universal-Marginalperson mit der leisen Sehnsucht nach dem Geistigem…

U: Ah, jetzt geht das orgastische Gejammer der frustierten Hausfrau wieder los; es scheint dies der geeignete Zeitpunkt, für heute offline zu gehen. – Möchten Sie noch etwas Abschließendes, Abrundendes sagen?

R: Ich möchte der Weltgemeinschaft nicht vorenthalten, dass ich heute morgen guten Stuhlgang hatte!

U: Okay – lassen Sie uns dann an dieser Stelle quasi den Deckel schließen! (klappt seine Klappkarte zusammen)

R: „Er hatte sein halbes Leben verspült!“ Chch. Sorry, ich bin Unterschicht – oder hatte ich das schon erwähnt?! (klappt sich zusammen)

12. Juli 2015

Der im Text erwähnte Jakob Böhme (die Ursprungsdatei ist gemeinfrei).

R: Ralf (ratloses Fossil) und U: sein UFO (Unidentifizierter Führungsoffizier)

R: Ich spüre eine Präsenz – ist das jetzt psychotisch, mystisch oder blödsinnig?

U: Ersteres für Fachpersonal, das zweite für Randfiguren mit Sehnsucht nach dem Höherem und Letzteres bei allen Anderen…

R: Haben Sie nicht noch was vergessen?

U: Äh… Ach so. Ja! – Har. Har.

R: Da geht doch was ab! Und übrigens – Guten Tag, Sie Diabolus sicherheitshalber! Da gibt es eine grandiose… äh – Definition, by the way! Der Mystiker schwimmt im Ozean, der Schizophrene versinkt darin.

U: Sorry, ich hatte wieder vergessen, es bei Ihnen mit dem postmodernem Jakob Böhme zu tun zu haben. Ja, und ich dachte, es könnte sich doch wieder Etliches angesammelt haben, was Sie gerne petzen möchten?

R: Nicht angesammelt – angestaut! In Klammern Maaz. Außerdem liegen Sie schon wieder falsch – ich sehe mich als Chefpsychiater von Oberbayern, im Unbewusstem! Im Augenblick therapiere ich Sendling!

U: Sorry! Ich nehme an, Sie wollten hiermit wieder Rückmeldungen, die Sie mit Sicherheit erwarten, dadurch zuvor kommen, dass Sie sie selbst aussprechen. Ein hochwertiger Kommunikationsakt, echt! *Hüstel* Aber es fällt in der Tat auf, dass Sie selten und ungern über Ereignisse und Leute in Ihrer unmittelbaren Umgebung sprechen…

R: Ich versuche, das zu vermeiden. Aber es klappt nicht immer – es ergibt sich einfach, dass man über Abwesende spricht. Das muss ja nicht im Sinne von schlecht reden erfolgen. Vermutlich steckt in der Angst vor dem „hinter dem Rücken reden“ die Angst davor, überhaupt wahrgenommen zu werden. Und so weiter. Man hat das als Kind nicht anders erlebt – Du hast nicht Scheiße gebaut, Du bist Scheiße. Und das Reflektieren der eigenen Person durch Andere wurde als potentieller Angriff erlebt. Zumal wenn die Eltern Gespräche übers Kind nutzten, um ihre Beziehung zu klären zu versuchen. So was in der Art…

U: Da Sie jetzt nichts hinzugefügt haben wie „Meine Güte, bin ich schlau!“, hier nochmal mein Hinweis, dass ich Sie nicht ohne Weiteres loben werde.

R: Schon okay! Aber ich muss noch hinzufügen, dass ich mich in unregelmäßigen Abständen in soziale Situationen zu begeben pflege, in denen es so was wie Schweigepflicht gibt. Da beschränke ich mich dann auf Fotos etwa von Stiefmütterchen, die durch den Beton hindurch wachsen usw. Wie damals in der Weh-Geh in G., ach…

U: Spüre ich da so eine nichtkosmische Hintergrundstrahlung wie Sehnsucht? – Ist diese Formulierung jetzt geschraubt genug, um von Ihnen wahrgenommen zu werden?

R: Ich bin einfach immer zur falschen Zeit am falschem Ort! 1984, im Hirschkindergarten, war es üblich, die Problematik der Klienten durch Verbalisierung ihrer Rolle in der Gruppe sozusagen zusammenzufassen. Also – der Klassenclown, der ewige Chef, das Mauerblümchen, die Gouvernante, der Notfallhelfer in Dauerbereitschaft, der Dozent, der schweigende Beobachter usw. Kennt jeder, leuchtet ein! Ich war das Kind. Schon damals muss ich die Ausstrahlung gehabt haben, nun aber endlich eine Kindheit und Jugend beginnen zu wollen, nachdem ich den Aufenthalt im Elternhaus pflichtgemäß absolviert hatte. Und dieses „Nachholen“ ist aber ein Kerngedanke des therapeutischen Soziotops, das ich hier in M ab 1999 mit meinem Erscheinen belastete. Usw. Wäre ich doch damals rüber gemacht, 1986 – der Ammon hätte mich hin gekriegt, bla…

U: Äh… ich meinte mit Menschen in Ihrer Umgebung jetzt aber nicht nur Sie, *hüstel*… – Wie würden Sie denn die letzten Monate zusammenfassen, wenn Sie schon auf konkrete Personen nicht eingehen können oder wollen?

R: Nach einigen Monaten im Männerheim frage ich mich einmal mehr, wie es zum Patriarchat kommen konnte. Chchch. Das ist doch der Hammer! Lauter Prinzen, die Ihr Innenreich von Mamas Gnaden mit der Außenwelt verwechseln.

U: Sie sind darüber natürlich erhaben?

R: Ich bin Papas liebes Mädchen und Mamas beste Freundin, genau! – Little joke, by the way! Ich wurde von meiner Mutter bei ihrem Verschwinden, als ich 10 war, mit der unausgesprochenen und damit umso wirksameren Erwartung zurück gelassen, dass sie einmal wiederkommen würde, dann „richtig da“ wäre, also nicht nur körperlich, sondern auch emotional usw., und dass dann meine „richtige“ Kindheit in einer „richtigen“ Familie beginnen würde. Und das strahle ich natürlich aus, siehe oben!

U: Ja… äh… – erwarten Sie jetzt die feierliche Verleihung der „Goldenen Couch“ mit Rückfallschleife erster Klasse? Für hervorragende Ergebnisse bei der Selbsterkenntnis? Oder wie sagen Sie immer?

R: Ich wäre, zumal in meiner Situation, mit dem mutterländischem Zuverdienstorden sehr zufrieden. Harhar.

U: Mittlerweile glaube ich, dass Sie dieses Geblödel als eine Art Erwärmungsübung ansehen…

R: Genau – Gehirnjogging für Geringverdiener! Und wenn ich gewusst hätte, dass man mit dem Teufel dermaßen herum blödeln kann, wäre ich ja schon lange immer einmal wieder zur Hölle gefahren. Alter!

U: Tja, und wie lange dauert es nun noch, bis Sie mit geistiger Werktätigkeit Ernst machen? Zum Beispiel oder vor allem mit dem Schreiben? Was erwarten Sie denn noch? Sie bekommen mittlerweile direkte Energieschübe von Ihren Blog-Freunden usw.?

R: Ich hatte mehrfach erwähnt, dass ich mit Renteneintritt als junger Autor vor eine erstaunte Weltöffentlichkeit treten werde. – Okay, okay, ohne Zynismus! Ich habe keinen Schreibblock, bei mir hat sich ein bedingter Reflex ausgebildet. Ich habe seit etwa 1978 bestimmt hundert Mal etwas angefangen und abgebrochen. Alles Haschen nach Wind! Monate oder Jahre später habe ich dann festgestellt, dass das so übel nicht war, was ich da gekritzelt oder getippselt hatte, um dann aber trotzdem nicht weiter zu kommen. Das hat sich eingeschliffen! Und da ist mit Willenskraft nichts zu machen, „nur“ mit dran bleiben und weiter machen. Mühsam hörnt sich das Eichnährchen.

U: Ach, hören Sie doch auf, mit Ihren Witzchen volkstümlich sein zu wollen! Und – „dran bleiben“ ist doch Ihre Spezialität, muahaha!

R: Har. Har. „In der Tat“, wie Teal’c immer sagt! Ich wundere mich, dass ich schon ein halbes Jahr hier ausgehalten habe! Ich meine – abhauen wollte ich schon hundert Mal. Und ich habe es nicht nur deshalb nicht getan, weil ich nicht mehr wusste, wohin.

U: Ich fürchte, Sie könnten jetzt Trägheit mit Durchhaltevermögen verwechseln…

R: Ja ja – volle Punktzahl für den Kandidaten. Ich habe massig zugenommen und neuerdings auch noch Bluthochdruck. Und jetzt habe ich vorsichtshalber wieder mit Joggen angefangen und Etliche scheinen sich in geradezu klassischer Manier zu fragen – cherchez la femme?! Hä hä – die ist nirgends!

U: Aber das ist doch ’n Fortschritt – etwas tun für sich, nicht, um jemanden zu erreichen, zu beeindrucken usw. Es besteht demnach Hoffnung, dass Sie mit Renteneintritt auch die Pubertät abschließen…

R: Sehr witzig! Aber immer noch bin ich von diesem Gefühl durchdrungen, gar nichts Eigenes zu haben, nicht den geringsten eigenen Antrieb entwickeln zu können usw. Das ad gredi, in Klammern „Ammon hat gesagt!“, wurde frühzeitig demoliert. Das ist übrigens etwas, was ich hier begriffen habe – diejenigen, die ständig bei Anderen sind, über die herziehen, sie angreifen usw., sind genau diejenigen, die sich nicht sinnvoll selbst beschäftigen können, die mehr Struktur von außen fordern usw.

U: Wieder eine Erkenntnis, die nicht nur Sie haben, sondern Sie auch, aber sehr hinterher hinkend…

R: Es ist ein Unterschied, ob ich das in einem der 2345 Bücher gelesen habe, die die Welt erklären, oder ob ich es erlebe, und sogar in ganz „kleinen“ Alltagssituationen. Man darf raten, welcher Lernprozess nachhaltiger ist! Hähä.

U: Man darf feststellen, dass Sie Ihren paradoxen Lebenslauf dergestalt auf die Spitze treiben, dass Sie selbst als wirkliche Marginal-Person tatsächlich „noch was lernen“…

R: Das ist Tatsache der Hammer – ich habe hier sogar Zusammenhänge begriffen, die in therapeutischen Feldern zwar angesprochen wurden, die ich aber gefühlsmäßig eben nicht erfassen konnte. Zum Beispiel ist mir klar geworden, wie sehr mich meine pseudo-autistische Kindheit geprägt hat. Sich Einordnen und Bestehen in einer Geschwisterreihe etwa ist für mich immer noch etwas wie eine unbekannte Fremdsprache, und mit Rivalität und Eifersucht usw. umgehen kann ich immer noch überhaupt nicht. Krass! Alle diese kleinen Zänkereien und Neckereien sind mir von meinem unmittelbar vorgesetztem Vorfahren verächtlich gemacht worden – sie sind aber das Leben! Es gibt keinen Ort ohne Rivalität, ohne Aggression, ohne immer neues Austarieren der Gruppenhierarchie usw. usf.

U: Schier spielerisch ergibt sich die Frage – ich weiß, es gruselt Sie bei der Forderung zu spielen -, woher denn die Sehnsucht nach einem solchem Ort überhaupt käme…

R: Ja, eben – das ist schon wieder Ungnade der späteren Geburt! Alles Langzeitnachwirkungen der massenhaften Traumatisierungen im Umfeld des letzten Großen Krieges. Bla.

U: Ah – „Bla“. Sie sind nun von Andeutungen derart erschöpft, dass Sie lieber erst gar nichts vertiefen wollen. Also belassen wir es bei diesem neuerlichem kleinem Einblick in ein banales Leben am Rande der Gesellschaft… (klappt seine Klappkarte zusammen)

R: Genau – Leben an Oberflächen, in Klammern Sloterdijk. Häff fann! (klappt sich zusammen)

13. April 2015

Passende Winterkleidung – knackige Knospung (oder so)!
Hans-Mielich-Platz in München, letztens im Januar, yeah!

R: Ralf (ratloses Fossil) und U: sein UFO (Unidentifizierter Führungsoffizier)

R: („singt“ nach der Melodie des Freddy-Quinn-Hits) „Junge, komm bald nieder, bald nieder, zu Haus!“

U: Sehr witzig! Wollen Sie nicht vielleicht doch mit der Sprechstundenhilfe von Dr. Bohlen einen Termin ausmachen?

R: Wie jetzt, ist die rothaarig?! – Okay, okay, schon gut: ich kriege jetzt eh‘ wieder Probleme, weil die Budenzauberer das jetzt wieder wörtlich-konkretistisch nehmen, ‚Willa wieda Schlagersänger werden!‘ und so weiter, bla bla…

U: Ach, nee – jetzt grüßt wieder das Murmeltier! Ich kann doch nicht schon jetzt die Klappkarte klappen, wir haben doch noch gar nicht richtig angefangen…

R: Vielleicht sollten wir das mal machen wie beim Tennis!

U: Ich kann leider nicht mit blütenweißen Höschen unter wippenden Röckchen aufwarten! Har har. Mal wieder ’n kleiner Scherz meinerseits, nicht wahr – zur Auflockerung und Durchblutungsförderung…

R: In der Tat – die Suche nach dem weiblichem Penis usw., in Klammern Professor Freud. Aber Sie haben mich echt kalt erwischt – ich meinte natürlich Tischtennis! Da spielt man erst einmal um die Angabe – was Ähnliches könnten wir doch bei der Eröffnung unserer Dialoge versuchen?!

U: Wieder ein Versuch, Ihre tiefe Angst, völlig unschöpferisch zu sein, durch Geblödel und Geplänkel zu überdröhnen?

R: Mann, ich weiß doch, dass Sie mich bis in die verstaubten Seelenkeller durchschaut haben – wem wollen Sie denn jetzt noch beweisen, dass Sie das drauf haben?

U: Ja – Ihrer unüberschaubaren Lesermasse! Noch ’n kleiner Joke – „Haben wir wieder fun!“ oder wie Sie immer sagen…

R: Was geht, Mann?

U: Hä? – Vielleicht doch lieber die Sprechstundenhilfe von Dr. Freudlos anrufen?

R: Schmarrn – ich übe hiermit Gesprächseröffnungen! Wie eben angekündigt!

U: „Schmarrn“? Was ist das – krampfhafte Verbayerungsversuche durch Ranschmeißen im Dialekt?

R: „Geh zum Deifi, Sauluad’r, dreckats!“

U: Das ist mir leider nicht möglich, weil ich selbst der Teufel bin! – Ja ja, schon klar! Permaneder, Hopfenhändler im Zufrühruhestand, „Buddenbrooks“. Nach wenigen Kontakten zu ratlosen Fossilen wird man ja automatisch Thomas-Mann-Kenner…

R: Wir haben immer noch nicht wirklich mit der Übung von Einleitungen unserer Dialoge begonnen!

U: Sie haben immer noch nicht begriffen, dass ich Sie für Ihre adäquate Realitätsprüfung nicht loben werde! Außerdem habe ich kein gutes Gefühl bei dieser Art Trockentraining, und nicht nur deshalb, weil ich es nicht verstehe. – Hiermit gebe ich Ihnen wieder eine Steilvorlage für die Darbietung Ihrer tiefen Selbsterkenntnisse!

R: Har. Har. Na ja – wieder ertappt! Wieder die Ghettomacke!

U: Ach, nee! Wollen Sie jetzt wieder Ihre mentalmasochistischen Bedürfnisse befriedigt haben, indem man Sie des latenten Antisemitismus bezichtigt? – Wie langweilig!

R: Nein, das meinte ich gar nicht! Aber ich hatte noch nie Kontakte außerhalb der durch äußere Umstände wie Familie, Wohnblock, Schulklasse, Betriebsteam usw. zugewiesenen Personenkreise. Vor allem selbst hergestellte Kontakte – überrannt worden von Frollein bin ich schon. Hihi. Hat aber auch nix geholfen! Ebenso wenig wie die Einsicht oder Erkenntnis, dass viele Leute so leben – und dass dieses Muster der Weltwahrnehmung bis vor ca. hundert Jahren normal war…

U: Mit anderen Worten möchten Sie jetzt auf die Piste und paar Weiber aufreißen? Und so weiter?

R: Meine Güte – was für eine zupackend-energisch-prollig-polternde Formulierung! Gibt es in der Unterwelt Stammtische? Und dann lässt dieses „und so weiter“ wieder enormen Raum für Gedankenspiele, ha!

U: Was hindert sie denn nun daran, sich in die Welt zu entwerfen, wie Dr. K. immer sagte, wie Sie erst dreißig Mal sagten?

R: Ja, ist da nicht der Teufel gefordert? Gretchen organisieren usw.? – Sehen Sie, jetzt sage ich auch „und so weiter“… Soll noch Einer behaupten, ich wäre nicht mehr formbar!

U: Das hätten Sie wohl gern – ein frisches Fräulein ins Bett gelegt, rothaarig und mit rosa Höschen! Nein, nicht und so weiter! Har. Har. Auch ich aber passe mich den Zeitläuften an – Mephisto nur noch als therapeutischer Katalysator eigenständigen Denken und Handelns eines mündigen Faust, ha!

R: Therapeutisch, pah! Dann dürfte Ihnen nicht entgangen sein, dass mich mein Unbewusstes in eine Lage balanciert hat, in der ich mich real kaum noch bewegen kann – in einer Einrichtung, fast kein Geld, fast keine Klamotten… „Hast Du kein Auto/und hast Du kein Haus/dann hast Du keine Frau/und so siehts aus!“ Zitat Fanta4 – damals, yeah!

U: Gefallen wir uns wieder in der Rolle des Frührentners? Machen wir wieder in Christian Buddenbrook für die Unterschicht?

R: Cool – pluralis medicinae, letztens erst von mir gefordert! Es geht voran! Ja, natürlich – ich bin das Kind der Gesellschaft; das war ja schon mein Vater, ich habe das „nur“ wieder gruselig vollendet…

U: Aha – also doch Familienroman eher im Sinne Freuds als im Sinne Thomas Manns…

R: Ach, das mit Familienroman geht anders! Wieder mal dieser Aspekt des Budenzaubers, den ich auch schon -zig Male zu beschreiben versucht habe… Man bildet sich ein, etwas Bestimmtes vorzuhaben, einem bestimmten Plan zu folgen, an einen bestimmten Ort zu wollen – und in Wahrheit geht es um etwas ganz Anderes! John Lennon hat das besser formuliert! Du hast das Gefühl, gar nichts Eigenes mehr zu tun, sondern latschst nur noch in inszenierte Szenen. Ja ja – typisches Symptom der Schitzefrenie, bla. Ich bilde mir etwa ein, ich würde zur Wohnungsbaugesellschaft fahren, um nochmals nach einem Besichtigungstermin zu fragen – in Wahrheit kommt es da zu einem Kurzkontakt zu einer Frau mit Kind. Und zwar gemäß dieser Weisheit, dass alles, was wahrhaft getan würde, leicht getan würde. Und die Umwelt, die ganze Atmosphäre signalisiert – das ist jetzt der richtige Weg, hier geht es ins Freie usw.

U: Mit anderen Worten – nichts wie weg?!

R: Har. Har. Nein, sie war nicht rothaarig! Aber der Kontakt ergab sich spielerisch-unverkrampft – und in mir kam der Drang hoch, los zu plärren… ’ne Riesenportion Schmerz und Trauer über die vielen nicht genutzten Kontaktmöglichkeiten in vielen Jahren…

U: Na ja – vielleicht öfter mal Makler- und sonstige Büros aufsuchen?

R: Wie angekündigt, plane ich ganz spontane Büromantik…

U: Nun, ich wittere jetzt schon ein sehr nervöses Murmeltier bei Grußversuchen – lassen Sie uns auch heute unser Geplänkel beenden, wenn es angenehm zu werden droht! (klappt seine Klappkarte zusammen)

R: Fulltime-Frühling sofort! – Ich mache mich aus dem Blütenstaub! (klappt sich zusammen)

03. April 2015 (Karfreitag)

(… diese Version überzeugt mich nach wie vor mehr als die „offizielle“, sorry…)

R: Ralf (ratloses Fossil) und U: sein UFO (Unidentifizierter Führungsoffizier)

R: (singt albern grimassierend) „Always look on the bright side of life – düdümm, düdümm, düdümmdüdümmdüdümm!“

U: Natürlich ist es keineswegs größenwahnsinnig, wenn Sie jetzt mit Jesus kommen. Harhar. Aber um die Sache abzukürzen, komme ich gleich mit Thomas Mann, „Dös is a Kreiz – a Kreiz is!“, Permaneder, „Buddenbrooks“. Passt schon, oder? – Zufrieden?

R: Ich würde ja vor Rührung über das Verständnis des Teufels ein wenig schluchzen, aber da muss ich erst runter zur Pforte, Tempotaschentücher holen, und das ist mir wieder viel zu viel Kontakt…

U: Meine Rührung ist ganz meinerseits! – wie Sie wahrscheinlich sagen würden. Korrekt: ich kenne Sie doch schon ein bisschen, obwohl Sie sich hinter vielen Worten verstecken! Aber wenn Sie den hohen christlichen Feiertag mit Monty Python würdigen, muss ich das cool finden! Hähä! Andererseits bemühen Sie sich überhaupt, den Feiertag wenigstens zur Kenntnis zu nehmen – nicht cool! Für mich!

R: Ich muss an solchen Tagen immer an Professor Mamlock… sorry – an Dr. F. denken, den Vorsteher des Hauses der ewigen Kindheit. Der hat immer wieder versucht, Feiertage als Fixpunkte im Strom des Lebens anzusprechen, als Haltestellen der Besinnung – diese, *hüstel*, hochpoetische Formulierung ist jetzt allerdings von mir…

U: Und was macht Sie daran so sauer? – Sie merken schon, dass Sie sauer sind?

R: Ja, dass der Mann Recht hat! – Sie wissen doch: ich sehe mich, im Unbewusstem, als Chefpsychiater von Oberbayern! Und wie schon mehrfach gesagt, blende ich eigene Empfindungen nicht immer als bedrohlich aus – hin und wieder nehme ich meine Gefühle adäquat wahr!

U: Es spricht für Sie, dass Sie Bayern für therapierbar halten! Oder wie Sie immer sagen – die Bewohner des bajuwarischen Stammesgebietes…

R: Es gibt trotz allem erstaunliche Entwicklungen, z. B. ist Dr. Gauweiler zurückgetreten… – Oh, shit, jetzt habe ich aufgehört zu theoretisieren und zu spintisieren und bin mal konkret geworden! Wieder einmal Abgrenzung von einer Führungs- und damit Vaterfigur versucht – sofort Vernichtungsängste! Herr, hilf mir doch – Du hilfst doch ganz fremden Leuten!

U: „Is‘ nich‘ mein Tisch!“, wie der missvergnügte Kellner im deutschsprachigem Raum sagt. Wenden Sie sich um Hilfe an meinen im mehrfachem Sinne hohen Widersacher! Aber um auch das kurz zu machen – ich habe durchaus wahrgenommen, dass Sie jetzt vom Neuem zum Alten Testament gesprungen sind!

R: Ja, klar, ich war jetzt böse – ich habe gar nichts gegen Gauweiler, ich wäre nur gern Funktionsträger, im Unbewusstem, alles klar! – und muss daher zu den Guten flüchten und die Guten sind die Juden und deshalb dieser grandiose jüdische Witz mit dem „Herr, hilf mir doch…“

U: Sie wollen jetzt wieder gelobt werden für Ihre tiefe Einsicht in Ihr Unbewusstes?

R: Die Einsicht nützt mir ja nichts, sie bleibt in einer virtuellen Welt, während ich in der so genannten Realität in den „kleinsten“ Dingen immer wieder unbeholfen und verwirrt bin. – Und übrigens ist „grandioser jüdischer Witz“ eine Tautologie, wie mir immerhin eben auffällt…

U: Sie erwarten aber jetzt nicht vom Teufel auch noch Lob für Ihren Philosemitismus?

R: Das ist kein Philosemitismus – das ist Faulheit! Für das Verständnis vieler Denksysteme muss ich mich durch viel Text hindurcharbeiten – in vielen jüdischen Witzen ist eine Philosophie in einigen Sätzen zusammengefasst, gebündelt, fokussiert oder wie auch immer! Das ist praktisch und bekömmlich und entspricht den Konsumgewohnheiten von Ottilie Normalverbraucherin – alles in kleinen Appetithäppchen serviert und zwischendurch Werbung…

U: Es kann jetzt gar nicht ausbleiben, dass ganz demnächst eine rothaarige Gymnasiastin jüdisch-orthodoxen Glaubens bei Ihnen klingelt, um Sie umgehend zu ehelichen und so weiter… – Chchch, den find ich selber gut, muahaha!

R: Auch hier schafft dieses „und so weiter“ Spielraum für Hoffnungen und Gedanken, *hüstel*. Aber um dieses blasphemische Geplänkel am Karfreitag mal abzuschließen, bietet sich noch ’n jüdischer Witz an, einer meiner Favoriten des Genres! – Mach Dich nie an jüdische Mädchen ran! Ein christliches Mädchen schreit: „Jessas, Maria und Joseph!“ – und es passiert natürlich nichts. Ein jüdisches Mädchen schreit: „Mamme!“und die kommt! Aua, aua…

U: Okay, Sie haben nun am vielleicht höchstem christlichen Feiertag jüdische Witze erzählt und damit zu Harmonie und Verständnis beigetragen und das gefällt mir sozusagen von Amts wegen gar nicht und wir sollten daher auch für heute schließen, wenn es am schönsten wird… (klappt seine Klappkarte zusammen)

R: Wenn es schön zu werden droht! Harhar. Und: korrekt, Zwerchfelltraumata werden in der Medizin nur stiefmütterlich behandelt – ich muss mich bisschen hinlegen! (klappt sich zusammen)

24. März 2015

Es ist immer noch nicht entschieden, ob das Lübecker besser schmeckt… Dieses Bild
hat nur indirekt mit dem Text zu tun, vielmehr es sich neuerlich um einen arglosen Akt
postsozialistisch-kapitalrestaurativer kultureller Umrahmung handelt – die nach wie vor
nicht vorhandene Redaktion. Die Ursprungsdatei des Bildes ist, wie üblich, gemeinfrei.

R: Ralf (ratloses Fossil) und U: sein UFO (Unidentifizierter Führungsoffizier)

U: Hä-ähm! – In wen sind Sie jetzt wieder verknallt? Chch.

R: Hab‘ ich vergessen… Chchch. Also, zuletzt in Phil Collins bestes Werk, seine Tochter Lily. Da lief so ’ne Schneewittchen-Adaption im TV, letztwochenendlich. Wie gesagt – keine neuen Impulse mehr vom Alten Europa! Nur noch Coverversionen und Coverversionen von Coverversionen und Fragmente von Versatzstücken und Patchwork allüberall, yeah! Aber kam ganz gut, das Teil! Was ein zaubersüßes Schneewittchen! Und des Öfteren kamen auch Lautäußerungen in mir hoch, die man bei so genannten normalen Menschen „Kichern“ genannt hätte. Oder so ähnlich…

U: Also die üblichen eskapistischen Mätzchen – auf Muttis Schoß flüchten anstatt endlich mal ’n abgeschlossenes Werkchen vorlegen?! Und dann auf Weltschmerz des Abgeklärten machen?!

R: Tja – Männchen… Aber ich habe nach nur wenigen Wochen in diesem Hause gelernt, dass manche Menschen sich vermutlich nicht mehr ändern, weshalb man sie nehmen sollte, wie sind, wie es so schön oder unschön heißt. – Und übrigens heißt das mit dem abgeschlossenem Werk auch anders, nämlich „in Gelassenheit etwas Ganzes schmieden“, in Klammern Tonio Kröger.

U: Jetzt bin ich beruhigt! Sie haben Ihre tägliche Dosis Thomas Mann intus – jetzt kann nix mehr passieren…

R: Nee, kein Größenwahn! Ich dachte eher an Goethes Ausspruch, sinngemäß, wer selbst kein Großer zu sein vermag, sollte sich bemühen, einem Großem zu dienen. So in der Art. Hat was!

U: Wie dienen Sie denn Thomas Mann? Schreiben Sie ’ne Dissertation, die paar neue Aspekte bringt nach bereits paar tausend Dissertationen über ihn? Oder wenigstens ’ne Bachelorarbeit? Haben Sie einen Verein gegründet, der sich um den Wiederaufbau der Villa Pringsheim bemüht? Gießen Sie wenigstens regelmäßig die Blumen auf seinem Grab? Oder irgend etwas in dieser Richtung?

R: Ich habe schon daran gedacht, mich im Thomas-Mann-Archiv als Nachtwächter zu bewerben. Har. Har. Aber im Ernst – ich halte an meiner Auffassung fest und werde sie noch mindestens ein paar Dutzend Male bei passender und unpassender Gelegenheit anbringen, dass Mann entgegen weit verbreiteter Meinungen nicht nur nicht altbacken-anachronistisch usw. ist, sondern im Gegenteil der aktuelle Autor! Er hat am Beispiel seiner Familie in künstlerisch kaum zu erreichender, geschweige denn zu überbietender Meisterschaft den Zusammenbruch von Kulturräumen und Lebenswelten dargestellt, bevor der Millionen Menschen betraf. Wie gesagt – wer mir unterstellt, ich wäre von Größenwahn gebeutelt, weil mich als Nachfolger von Thomas Mann sehend, hat zuallererst bewiesen, dass er ihn nicht wirklich gelesen hat, andernfalls er wissen würde, dass und warum es gar keinen Nachfolger geben kann.

U: Reich-Ranicki hat immer wieder durchblicken lassen, dass er insgeheim auf einen neuen Thomas Mann warten würde.

R: Auch ein gleichfalls großer Mann wie R.-R. haut mal daneben. Das hat er meiner natürlich arroganten Meinung nach auch bei Erwin Strittmatter getan, den er sinngemäß als besseren Bauernschriftsteller einzuordnen suchte. – Ja ja, ich bin Antisemit, is‘ jut (und der war jetzt von Woody)…

U: Manchmal frage ich mich, ob Sie mit Ihren abrupten Gedankensprüngen die Kreativität und Originalität vortäuschen wollen, die Sie dreimal täglich schmerzhaft zu vermissen vorgeben…

R: Von Thomas Mann zu Strittmatter zu kommen, wenn Sie das als Sprung sehen, ist in einem eben schon angedeutetem Kontext naheliegend und berechtigt, wie mir scheint. Beide haben, und erklärtermaßen, so genau und gründlich wie möglich ihre Lebenswelten beschrieben, die eben durch diese genaue und gründliche Beschreibung exemplarischen Charakter für viele Menschen erhielten. Nur kann man bei Strittmatter nicht mit der Ausrede anstrengender Lektüre infolge kunstvoll-kompliziert verschachtelter Satzgebäude kommen, hähä! Andererseits hat Mann angemerkt, nur das Gründliche wäre wirklich unterhaltend, und an anderer Stelle hat er erklärt, er wäre immer „nur“ um größtmögliche Genauigkeit und Präzision bemüht gewesen.

U: Okay, wenn „Größenwahn“ zu dick aufgetragen ist, oder ihnen so erscheint – finden Sie es nicht mindestens seltsam, dass ein weit unter seinen Möglichkeiten durch Orte, Einrichtungen, Personenkreise, Jobs usw. vagabundierender Hilfsarbeiter und „Luftmensch“, als den Sie sich offensichtlich selbst sehen, sich als Thomas-Mann-Fan versteht und wohlfühlt?

R: Die Bezeichnung „Thomas-Mann-Fan“ scheint mir ungefähr so passend wie die Anrede „gnädiger Herr“ für den Leadsänger einer Punkband. Harhar. Erstens oder eigentlich nebenbei! Zweitens aber spricht es doch durchaus für die Meisterschaft eines Meisters, wenn er sogar im mehrfachem Sinne verlorene Gesellen erreicht. Chch. Drittens schließlich könnte ich mit zahlreichen Zitaten aus Manns Werk kontern! Zum Beispiel – „Ich bin nichts, ich kann nichts, ich will nichts“, Johannes „Hanno“ Buddenbrook. Oder, noch passender – „… und wenn er irre ging, so geschah es, weil es für etliche einen rechten Weg überhaupt nicht gibt“, immer einmal wieder „Tonio Kröger“. Hihi.

U: Ihnen ist aber schon klar, dass Sie mit Ihrem dauerndem „Hihi“ und „Haha“ nicht wirklich das bieten, was Mann mit dem „Zauber einer höheren Heiterkeit“ meinte, den er altersweise bescheiden als ein Anliegen seiner Arbeit bezeichnete? Harhar.

R: Hallelujah! – Sorry, hihihi! Ich wusste, dass der Teufel seinen Thomas Mann gelesen hat!

U: Ich habe Sie schon mehrfach darauf hingewiesen, dass Sie es durch Schleimscheißen nicht schaffen werden, mich aus dem Konzept zu bringen! Und bevor Sie wieder in Ihrem selbst bereitetem Humoorbad versinken und dabei glauben, einer psychohygienischen Kur höchsten prophylaktischen Wirkungsgrades zu obliegen – ist es nicht schon merkwürdig, dass Sie überhaupt an Thomas Mann gekommen sind? In Ihrem Milieu? Und obwohl Mann nicht behandelt wurde?

R: Na ja – nicht behandelt nun auch nicht! Natürlich war er nicht typisch für unsere sozialistischen Menschen, denn er hatte im Gegensatz zu seinem Bruder Heinrich nicht den Weg zu den fortschrittlichsten Kräften der siegreichen Arbeiterklasse gefunden usw. Seine Schilderung aufrührerischer Arbeiter haben die Genossen dem Herrn Mann mit Sicherheit, immerhin aber nicht mit Staatssicherheit, harhar, schwer übel genommen. „Wir wollen jetzt eine Republik, Herr Senator!“ – „Aber wir haben doch schon eine!“ – „Dann wollen wir noch eine!“ Ich habe das jetzt vorsichtshalber nicht im plattdeutschem Original der „Buddenbrooks“ re-zitiert. Aber „Mario und der Zauberer“ war Unterrichtsstoff und in der Abiturstufe wurde der „… Verfall einer Familie“ zwar nicht durchgenommen, war aber Wahlthema zur Prüfung.

U: Okay, also nicht nicht behandelt! – Aber Sie haben immer noch nicht erklärt, wie Sie an Thomas Mann gekommen sind, Sie haben nur meinen Eindruck bestätigt, dass diese Ihre Entdeckung ungewöhnlich war.

R: Ja, diese Entdeckung erscheint mir selbst des Merkens in hohem Maße würdig, sorry für die dürftige Parodie des Großen Lübecker Wortsetzmeisters, aber aus ganz anderen Gründen als Ihnen. In der sechsten oder siebten Klasse bin ich einmal ohne Auftrag, ohne Aufforderung, kurzum: „ohne Grund“ nach dem Unterricht im Literaturunterrichtsraum geblieben, und habe dort in den Wandschränken herum gefuhrwerkt, was völlig von meinen bis in einzelne Handgriffe ritualisierten Gewohnheiten abwich.

U: Sie haben gefuhrwerkt? – Zumindest rudimentär muss das Proletarisch-Zupackende denn doch auch in Ihnen angelegt sein…

R: Ja, sage ich doch: in mir schlummert ein Arbeiterführer – hoffentlich wacht er nicht auf! Jedenfalls habe ich nach literatlosem Wühlen in diesen Schränken Hilschers monumentale Monografie gefunden – und da ist der Funke übergesprungen. Ich bin einmal aus der Spur gekommen – ja, das ist trotz allem mehrfach in meinem Leben vorgekommen, obwohl meist das Murmeltier grüßte, harharhar – und habe eine wirkliche Entdeckung gemacht…

U: Hm. – Andere Pubertäter haben einen Schatz auf Stevensons „Schatzinsel“ entdeckt, und die Lektüre von Thomas Mann war Ihre altersentsprechende eskapistische Übung? Zumal Sie da endlich Exklusivität mit Alleinvertretungsanspruch erreicht haben?

R: Stevenson habe ich bis heute nicht gelesen… Ich war ja nachher auch in Vollzug einer speziellen Form von Parentifizierung in die Lektüre von Bilanzkrisenprosa für Leser 40+ versunken. Allerdings könnte ich die Zerrissenheit meines Wesens am kürzesten auf den Punkt bringen mit dem Hinweis auf meine intensivsten Leseerlebnisse mit stärkster emotionaler Beteiligung – da steht dann Thomas Mann neben Jack London, und ein schärferer Gegensatz ist wohl in der Weltliteratur schwer zu finden. London hat mich allerdings nicht aus meiner Realität heraus geführt, im Gegenteil kam ich da zu einigen Kontakten und gar sinistren Streichen, da etliche Jungen in meinem Umfeld London lasen.

U: Bleibt erst recht die Frage, was einem pubertierendem Schüler in der DaDaeR Thomas Mann „gebracht“ hat…

R: Oh, ’ne Menge! Kann ich wieder sozusagen „in der Familie bleiben“! Katia Mann beschreibt in ihren grandiosen „Ungeschriebenen Memoiren“ den Versuch Therese Giehses, zwischen Thomas Mann und Bertolt Brecht zu vermitteln, die sich offenbar nicht riechen konnten, was man verstehen kann. Zunächst las Mann ein Stück Brechts und kommentierte gegenüber der Giehse: „Sieh an, das Scheusal hat Talent!“ Brecht konterte, und kurz davor war „Der Zauberberg“ erschienen: „Ich habe seine Kurzgeschichten schon immer gern gelesen!“ Wenn die Wirkung von Literatur sich darauf beschränken würde, Lesern in einer prägenden Phase ihres Lebens derart „kraftvoll“ zu vermitteln, dass es menschlich angemessenere Methoden gibt, persönliche Differenzen auszutragen, als sich männlich-herb die Gesichter einzuschlagen usw. usf., dann wäre Literatur für mich bereits dadurch legitimiert. Aber Thomas Manns Werk lebt von derartigen Lösungsvorschlägen – er begibt sich mit seinem Werk auf eine Reise vom Abseitig-Morbid-Dekadentem zur Bejahung von Leben und Menschsein. Und es ist völlig Wurscht, in welchem Milieu und unter welchen Umständen man einer derartigen Reiseroute zu folgen beginnt.

U:

R: Hallooo? Teilnehmer, nehmen Sie teil! – Sehe mit Null, höre mit Null…

Mehr oder weniger geschätzte mehr oder weniger Abwesende! Leider ist der UFO an dieser Stelle unter den bisher abgesonderten Textmassen schier abrupt zusammengebrochen, befindet sich aber, seiner ausgezeichneten diabolischen Konstitution entsprechend, auf dem Wege der Besserung; wir bitten um Verständnis! – Die nicht vorhandene Redaktion.

21. März 2015

Cool abhängen oder: Ein paar Tage zu früh Geborene erscheinen
oft affig. Die Ursprungsdatei des Bildes ist tierisch gemeinfrei.

R: Ralf (ratloses Fossil) und U: sein UFO (Unidentifizierter Führungsoffizier)

U: Ah, da sind Sie wieder, Sie Zierde der denkenden Gattung! Ich wäre dann auch hier und stehe in gewohnter Manier als seelischer Container zur Verfügung… Oder so ähnlich.

R: Ich würde ja gern lachen, aber ich habe überall Muskelkater! – Das ist jetzt übrigens genau so ein Quasi-Zitat eines Komikers wie Ihre launige Begrüßung! Das wissen Sie schon, oder? Fünfziger Jahre oder so?! „Ich fragte sie, ob sie es wäre, und sie sagte, ja, sie wäre es, und ich sagte, ich wäre es auch, und wir freuten uns beide, dass wir es waren.“ Har har. Und dann gibt es da diesen Gag, ebenfalls aus den Fünfzigern, „Er fragte: ‚Tut Dir was weh?‘ – Ich sagte: ‚Nein, nur wenn ich lache!'“ So in der Art!

U: Fünfziger Jahre, oha! Warum gerade fünfziger Jahre? Das ist ja noch vor Ihrer Geburt!? Nicht, dass ich das nicht wissen würde – ich wollte nur wissen, ob Sie es auch wissen.

R: Harhar. Dafür, dass ich unter chronischer Chamäleonose (morbus zelig) leide, passen Sie sich im Sprachbild hervorragend an. Und „Fünfziger Jahre“ – das ist wieder das Atmosphärische. Sie wissen schon, lässt sich schwer in Worte fassen! Was Archetypisches nach C. G. Jung, trallala. Davon gekommen, überlebt, erste Entspannung, erstes Aufatmen usw. Der blutrote Abendhimmel wird nicht mehr mit Artillerie-Vorbereitung assoziiert, sondern mit dancing in the weekend, yeah! Usw. Nirgends wird diese Stimmung deutlicher als in der populären Musik. Ich höre gerade wieder diese alten Schlager und trällere sie vor mich hin – in der Sanitärzelle, man kennt das; alle Produktionen geraten hier recht flüssig. „Ganz Paris träumt von der Liebe/denn dort ist Sie ja zu Haus!“. Und so! Ich mache mir nur noch die Haare schön, dann komme ich in die Musiktherapie von Dr. Bohlen. Chch.

U: Okay! Dann versuche ich es mit einer anderen Einleitung; ist ja wie beim Schach! – Ich begrüße Sie zum ersten Frühlingstag nach der Sonnenwende und aktuell sogar Sonnenfinsternis!

R: Nee, das geht nun auch wieder anders! „Ich begrüße und beglückwünsche Sie zum 215. Jahrestag der Gründung der Republik der Sieben Inseln! Stehen Sie bequem!“ Muahaha! Passt schon! Durch die Hintertür habe ich sogar was Aktuelles gebracht, indem ich auf Griechenland komme, ha! Was bin ich heute wieder zeitgenössisch fürwahr!

U: Ich brauche kein Psycho-Studium, um neuerlich zu vermuten, dass gerade mal wieder der Clown besonders traurig ist…

R: Wenn ich nicht wüsste, wer Sie sind und dass Sie quasi „den Überblick von unten“ haben, würde ich ja vermuten, Sie wären Züchologe! Äh… – genau: harhar! Und natürlich haben Sie Recht! Ich muss dauernd an eine Szene mit dem ehemaligem Vorsteher des Hauses der ewigen Kindheit denken, der bei meinem Anblick ausrief, und zwar nicht direkt theatralisch, aber schon dick aufgetragen, um deutlich zu werden: „Ah, da ist er ja!“ Dies keineswegs ironisch! Ein ganz frühes Defizit wurde angesprochen – es ging um das in der Welt willkommen geheißen werden. Meine Mutter hat mehrmals die Geschichte meiner Geburt erzählt – sie hätte geschrien wie am Spieß, so fast ihre wörtliche Formulierung, weil ich von Kopf bis Fuß behaart zur Welt gekommen wäre. Diese Anomalie gibt es wirklich, das haarige Vorkommnis ist jedoch völlig harmlos, weil die Haare spätestens nach ein paar Tagen wieder ausfallen. Aber es ist völlig Wurscht, ob die Geschichte ausgedacht oder authentisch ist! Der Grundton ist angeschlagen – ein Monstrum ist erschienen. Man braucht gleichfalls keine Psychoausbildung, um das zu „deuten“. Der erste Eindruck von der Welt: die Mutter wendet sich entsetzt schreiend ab.

R: Verlierer erkennt man am Start…

U: Genau! Wie schon „Noodles“ sagte, den in Vollzug meiner histrionischen Strukturanteile „nach zu spielen“ man mir wohl schon unterstellte, bevor ich Master Leones Haupt- und Leibwerk überhaupt gesehen hatte. Kann alles befohlen werden! – Und der Vorsteher des Hauses der ewigen Kindheit hat das alles und noch viel mehr geschnallt, ohne meine Frühgeschichte zu kennen, und ein bisschen nachholende Ich-Entwicklung zu praktizieren versucht. Wie oft haben Leute versucht, mich zu erreichen – und ich habe es gar nicht bemerkt, ich austherapiertes Symptombündel! Andererseits – wieso hat sich mein Gehirn die Szene gemerkt, sozusagen hinter meinem Rücken?

U: Ich bin mir sicher, dass Sie es voll cool finden, ausnahmsweise wieder einmal zu wissen, warum Sie Schuldgefühle haben! Auch haben Sie sich neuerlich bemüht, vom Dilettanten- bzw. Onkel wegzukommen, indem Sie etwas gründlich zu bearbeiten versuchten. Heute halt das Thema „Einleitung, Begrüßung, Start“ usw. Und das sogar früh nach dem Aufwachen, Wahnsinn! – Habe ich hiermit die therapeutische Variable „Verbalisierung emotionalen Inhalts“ hinreichend realisiert? (kichert infernalisch)

R: Der Teufel macht auf Qualitätsmanagement – ich fall‘ vom Hocker! Haben Sie nicht ’n Fragebogen? Ich liebe es! Item 245: „Manchmal habe ich das Bedürfnis, freudig eine Couch zu vermöbeln“ Usw. Ja ja, da ist viel Wut, das ist was ganz Altes, bringen Sie das in die Gruppe! – Aber wieso „sogar früh nach dem Aufwachen“? Passt doch – Aufwachen ist ein bisschen wie Geburt. Ha, klingt auch beinahe wie ’n Schlagertitel!

U: Okay, okay – damit wäre nun das Thema „Begrüßung“ usw. wohl vorerst abgetan. – Was ist heute Ihr Thema? Muahaha!

R: Sie werden lachen – nur so ’ne Redewendung, nich‘, Sie kichern sich ja eh‘ Einen ab -, aber das Thema entwickelt sich beim Sprechen. Vermutlich auch eine uralte Einsicht…

U: Aber nun hätten auch Sie sie gemacht – nein, ich kichere nicht!

R: Voll korrekt, Mann! Immer wieder habe ich dieses Bedürfnis, „richtig“ an der Menschheit teilnehmen zu wollen, aber kein Schwein sagt Einem, wo es die notwendig auszufüllenden Antragsformulare gibt. Wie gesagt hat Frau Dr. Rosa Luxemburg gesagt, man könne nicht aus der Menschheit aussteigen – aber die kannte mich nicht. Genau – kicher, kicher! Galgenhumor als Überlebensmittel usw. Aber wer maßt sich eigentlich an, anderen Leuten verklickern zu wollen, was die unter „richtigem Leben“ zu verstehen hätten? Huhu, Budenzauberer? Kommt gerade wieder gehäuft per Mental-Funk! ‚Einfacher Arbeiter!‘, ‚Gar nicht mehr schreiben!‘, ‚Wir wollen die Welt verändern!‘ usw.

U: Okay, das waren meine Stichworte – das Murmeltier grüßt wieder! Passt ja auch zu „Begrüßung“! Nun denn – auf ein Altes! (klappt seine Klappkarte zusammen)

R: Tja, dann war das Thema halt „Heranarbeiten an ein Thema“! Ich werde nun die Erfindung des Hackepeters unter Laborbedingungen nachvollziehen – was richtige Männer „Rasieren“ nennen -, sodann ein karges Mahl in meinen Gierschlund praktizieren und schließlich darüber grübeln, was ich mit meiner Restpubertät anfangen soll. Weiter voran auf bewährtem Kurs! (klappt sich zusammen)

20. März 2015

(… Raum für persönliche Visionen und Visualisierungen…)

R: Ralf (ratloses Fossil) und U: sein UFO (Unidentifizierter Führungsoffizier)

R: Ich habe heute überhaupt nichts mitzuteilen – jetzt bitte nicht die super originelle Frage „Heute?“! Mir fehlen die Worte. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Alles banal, alles betongraue Depri-Sauce! – Aber ich möchte als deutscher Bürger, Mensch und Mann meine Pflicht erfüllen! Kein Tag ohne Pinselstrich, ohne Zeile, ohne Wortschwall usw. Bla.

U: Ah – Sie mühen sich immer noch oder jedenfalls wieder einmal am Übergang vom Dilettanten bzw., Zitat Fossil, Dilettonkel zum Profi, der produzieren will und muss und kann unabhängig von Wetter- und Gemütslage?!

R: „In der Tat!“, wie der gute Teal’c immer zu sagen pflegt. – Ach, ich vermisse die Serien auf dem Tablet, ohne Werbung, mit der Möglichkeit, anzuhalten, zurück zu „spulen“ usw. Wird Zeit, dass ich wenigstens wieder im Netz Anschluss finde! Aber da Sie gerade von Übergang reden – heute habe ich einen Riss zwischen den Welten verursacht, indem ich jemandem in meinem so genannt „realem“ Umfeld die URL’s meiner Blogs gegeben habe, noch dazu einem hochschulisch diplomiertem Mitglied des Teams dieser Herberge der vom Leben Gebeutelten. – Nein, sie ist nicht rothaarig, wirkte aber echt interessiert, harhar. Ich weiß nicht, ob das gut geht – ich habe mein Refugium geöffnet, einen Tunnel in die Alternativwelt gegraben usw.

U: Ich fürchte, Sie befürchten, da käme jetzt was wie dieses Gekreische in der Schulpause – etwa in der Art „Krass, der Freak schreibt Gedichte!“ und so…

R: Voll korrekt, Mann! Wie in allen psycho- und sozialtherapeutischen locations, yeah, ist die hiesige Insassenschaft ja leicht regrediert. Aber wieder interessant, dass Sie das gerade jetzt sagen – einer der letzten von mir auf dem Tablet gesehenen Filme war „Ich bin Nr. 4“. In dem Film gibt es eine Stelle, an der ein Freund des Helden resigniert anmerkt, das mit seinem gemobbt Werden wäre halt der Klassiker – Baseballteam gegen „Jugend forscht“. Hab‘ ich gelacht! Also – jetzt nicht laut, was sollen denn die Leute denken, har har. Manche Dinge ändern sich nie – und zwar wieder unabhängig vom so genanntem „gesellschaftlichem System“.

U: Ich müsste mich doch sehr täuschen, wenn Sie sich nicht ein bisschen in Miss Agron verschossen hätten, obwohl die nicht rothaarig ist. Har. Har.

R: Jetzt lenken Sie aber ab mit diesem Erotik-Bullshit! Und lassen Sie dem müdem Fossil doch die kleine Plato-Nische – ich ver- und entknalle mich halt gern und oft und aus sicherer Entfernung! Das schadet ja niemandem, und ohnehin ist die Zeit nicht fern, da Viagra kein Experiment mehr ist, sondern Grundnahrungsmittel. Haben! Wir! Fun! Alter! Also nicht, dass ich jetzt Viagra nähme – ich hätte lieber Hängolin. Harharhar – *Schenkelklopf*, *Bierkrugpolter*, *Kellnerinnengesäßtätschel*!

U: Ich weiß: Männer müssen angeben – auch das merkten Sie erst etwa 27 Mal an!

R: Genau – und ich muss jetzt Arnie kieken! Arnie is‘ cool! „Fick Dich selbst, Arschloch!“ – „Dem kann ich nicht Folge leisten!“ Hach – was ’n Drehbuch! Und dann diese freudigen Geburtsphantasien, nackig aus dem Ei und so – da schmunzelt Dr. Anna Lyse weise in ihr Obere-Mittelschicht-Wohlstandsdoppelkinn! (klappt sich zusammen)

U: (klappt seine Klappkarte zusammen – fassungslos)

19. März 2015

Umsturz (Beispielbild)

R: Ralf (ratloses Fossil) und U: sein UFO (Unidentifizierter Führungsoffizier)

R: Revolution! Revolution!!!

U: Höllische Kalaschnikow! – Haben Sie doch was Verwelktes aus den Blumentöpfen geraucht?

R: Passt schon! Heute früh beim Fegen habe ich erstens einen abgegebenen Löffel und zweitens eine Art Visitenkarte gefunden und beide stadtreinigungsbeflissen entsorgt. Der Löffel wirkte erhitzt und es klebte eine klebrige Substanz dran, und die „Visitenkarte“ war von Blockupy. Gestern war man da doch in Frankfurt feurig zugange, was selbst bis zu mir altersweiser Universalmarginalperson durchgedrungen ist. – Aber wie kommen Sie auf Kalaschnikow? Dass mir die Einnahme angeblich bewusstseinserweiternder Substanzen unterstellt wird – ich bin ja quasi bereits vom faulendem Kapitalismus durchseucht, boah -, ist nicht wirklich neu, der vermutete Besitz einer Zimmer-Flak schon.

U: Ach, wünschen Sie nun Ihren triebhaften Fluchtdrang zu kanalisieren durch Eingliederung in demonstrierende Massen? Das ist ja mal ’ne Sublimierung! – Und die AK 47 ist immer noch eines der meist gehandelten Waffensysteme der Welt. Ich glaubte, sicher sein zu können, dass Sie das wüssten…

R: Ja, der Erfinder ist 94 geworden – leicht makabere Ironie des Schicksals. Aber Krimi-Autoren werden auch häufig sehr alt.

U: Sie springen schon wieder ganz schön bzw. unschön! Jetzt auch noch Gedankenflucht? – Sorry, aber Sie lieben es doch, wenn Ihre harmlos alltäglichen Hand- und Missgriffe pathologisiert und ins DSM oder die ICD eingeordnet werden. Vielleicht doch ein bisschen übertherapiert?

R: Ha! Gewisse universitätlich diplomierte Kräfte sind ja nicht nur der Meinung, sondern äußern diese auch, ich hätte noch gar nicht mit der Therapie angefangen! Alles relativ! Und: nee, ich wollte nur noch ’n dürftiges Bonmot unterbringen. Diese diabolischen Dialoge führe ich ja vorzüglich deshalb, um meine fühlosophischen Betrachtungen etwas aufzulockern. Den Reaktionen engster Kreise der Bevölkerung nach zu urteilen produziere ich dabei aber weder Fisch noch Fleisch – wieder einmal! Nichts Halbes und nichts Ganzes – typisch! Eine ordentliche Abhandlung zum Thema wenigstens in mündlicher Form kommt nicht dabei raus, wirklich unterschichtfernsehfähiger Klamauk aber auch nicht…

U: Ach, ach, ach… – Sie sollten sich etwas hinlegen, erschöpft von der Bürde, die da heißt Welt!

R: Da liegen Sie richtiger, als Sie jetzt wahrscheinlich beim Versuch eines mageren Jokes glauben! Selbst der Riese Atlas musste die Mutter Erde berühren, um seine Kräfte zu aktivieren. Oder so ähnlich. Und auch ich gebe die Hoffnung nicht auf – die Hoffnung stirbt zuletzt, man kennt das! -, dass auch in mein Leben noch einmal eine coole Braut treten wird.

U: Vermutlich die Chefin eines SEK, das Ihre Bude stürmt, wie Sie erst etwa ein Dutzend Mal sagten. Wenn das jetzt ’n Test sein sollte – ich habe auch dieses Ihr, Zitat, „dürftiges Bonmot“ nicht vergessen.

R: Ja, ich habe wohl immer mal wieder diese umstürzlerische Ausstrahlung, obwohl ich eine müde resignierte und nur gelegentlich wild werdende Marginalperson bin…

U: Sie haben jetzt was wie *hüstel* vergessen! – Aber da ich in diesen sinistren Zwiegesprächen eine Art Moderatorrolle zu haben scheine, bin ich begeistert, dass Sie mir die Arbeit abnehmen und zum Anfangsthema zurück mäandern – Revolution!

R: Ach, nirgends bin ich zerrissener als bei Versuchen, derartige Meldungen zu werten wie die von gestern aus Frankfurt! Immer wieder der Gedanke, in den allermeisten Fällen ließe sich so genannte politische Betätigung auf diese grandiosen Verse Gerhard Gundermanns zurückführen: „Ich bin ’n guter Mann/so lasst mich schon ans Ruder ran!“ Har har. – Oder auch nicht „Har. Har.“ Wenn man den Gedanken zu Ende denkt, könnte man zu dem Ergebnis kommen, es gäbe Milliarden „Weltentwürfe“ – nämlich genau so viele, wie es Bewohner dieser Welt gibt. Und der Vorwurf, man könne dementsprechend gar nicht alle diese „Entwürfe“ realisieren, es würden immer Leute übervorteilt, nicht berücksichtigt, gar nicht beachtet usw., zieht heute auch nicht mehr. In spätestens Jahrzehnten wird die Technologie da sein, jedem seine komplette Welt zu ermöglichen, auch, wenn es „nur“ eine virtuelle Welt ist. – „Nur“ möchte ich deshalb in Anführungsstrichen sehen, weil sich schon heute andeutet, dass die (Er-)Lebensqualität in den virtuellen Welten bald höher sein wird als in der so genannten realen. Das ist aber keineswegs nur Eskapismus! Vielmehr scheint damit Gerechtigkeit in einem Maße möglich, wie sie in der Geschichte bisher in den phantastischsten Entwürfen nicht möglich schien. Es ist auch keine technokratische Schreckensvision, sondern in Ansätzen längst Realität! Auch oder gerade deshalb aber könnten Straßenkampfmethoden aus der Zeit Bebels im 21. Jahrhundert mindestens anachronistisch erscheinen.

U: Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie nicht bemerken, wie sehr bei vielen Ihrer Überlegungen der Vorwurf nahe liegt, Sie wollten tatsächlich die Welt retten und vor allem mit „Psycho“…

R: Ich will überhaupt niemanden retten – ich will kapieren, was läuft, und es möglichst halbwegs in Worte fassen können!

U: Sie krögern wieder mannhaft? – „Was ausgesprochen ist, ist erledigt…“?

R: Ach, ich werde gesehen! – Außerdem scheint mir der Vorwurf unzulässiger und gar demagogischer Psychologisierung eine Verdrehung ins Gegenteil, denn fast immer blendet Politik das menschlich Wesentliche aus – die psychische Dynamik. Bis zu Freud konnte das wohl nicht anders sein. Es ist nun einmal einfacher und bequemer, etwa einen „Feind“ im Außen auszumachen und bekämpfen zu wollen. Wenn man das im eigenem Inneren versucht, wird es eng im mehrfachem Sinne. Man begibt sich auf einen schmerzhaften und bitteren Weg der Erkenntnis – Sturm auf die Bastille oder das Winterpalais oder die Stasizentrale scheint befreiender. Leider hält dieser Effekt der Entlastung nicht lange vor…

U: Mit so Entladungen des Gefühlsstaus kennen Sie sich aus?

R: In der Tat, leider. Ich stecke ja selbst in der Materie, die ich zu beschreiben versuche…

U: Das ist die andere Seite Münchhausens – er hat nicht nur wildbunte Geschichten erzählt, sondern sich auch an den eigenen Haaren aus dem Sumpf gezogen!

R: Wenn Sie sich da nicht eben selbst in eine logische Falle gesetzt… – ich verstumme!

U: Ha! Da dieses Verstummen erfahrungsgemäß nicht lange vorhalten wird, lassen Sie uns diese schöne Pause bis zur Hochspannung des nächsten Gedankenstaus nutzen, um voll easy zu relaxen, Mann! – Oder so! (klappt seine Klappkarte zusammen)

R: Korrekt! Wenn das mit dem Umsturz nichts wird, lege ich mich bisschen hin! Chch.(klappt sich zusammen)

17. März 2015

Zum Lachen in den Keller, hier Diehloer Straße 2* in Iron Hut City

R: Ralf (ratloses Fossil) und U: sein UFO (Unidentifizierter Führungsoffizier)

U: Da Sie Ihren Sloterdijk ja intus haben – was üben Sie denn hier und jetzt als das übende Wesen Mensch?

R: Na ja, das, harhar, Übliche! Ich darf anwesend sein, ich muss nicht ständig rotieren, um mich zu beweisen, diese Schuldgefühle sind überflüssig und sinnlos. Usw. Nix Neues in Ralfistan! Im Übrigen habe ich Sloterdijk nicht intus, sondern minimale Textmassen von ihm rezipiert – oder jedenfalls konsumiert. Aber der Hammer war eben, dass ich seit Langem wieder einmal etwas Orientierungshilfe in dieser unserer dynamischen usw. Postmoderne gefunden habe, insbesondere bei der Lektüre von „Scheintod im Denken“. Das Werkchen – ein bisschen ostpreußischer Suffix wieder, harhar – habe ich schon dreimal gelesen und werde es mir sicher noch ein paar Mal geben. Es erinnert mich übrigens dauernd an das kleine rote Buch von Mao, muahaha.

U: Ha! Ist dieser irre Sprung von Sloterdijk zu Mao wieder einer ihrer verkrampften Versuche, Originalität zu erzwingen? Nach dem bewährtem Motto „Ich arbeite an einem Algorithmus für Kreativität“?

R: Okay, von Mao kenne ich gar nichts – aber Männer müssen angeben, steht im Internet! Es würde mich jedoch nicht überraschen, wenn Sloterdijk das absichtlich gemacht hätte – er ist ein hervorragender Fachwirt für Philosophiemarketing! Beispielsweise klingt der Buchtitel „Du musst Dein Leben ändern“ – den Untertitel scheinen Etliche ja schon gar nicht mehr zu lesen! – nach der schier manisch boomenden Ratgeberliteratur, nach „Lebenscoaching“ gewissermaßen und jedenfalls nach der Arbeit eines Life Content Managers, wie man einen Psychologen ja heute vielleicht treffend nennen sollte, hihi. Sorry! Kleena Langzeitarbeitslosa; denkt der denn, wer der is, hattattattatata! Wenn ich aber richtig liege – was hin und wieder der Fall zu sein scheint – geht es eben in diesem Buch gründlich um das im „Scheintod“ nur Angedeutete, nämlich um die jahrtausendelang übergangene Lücke zwischen Betrachtendem und Handelndem, zwischen vita contemplativa und vita activa usw. Da sieht Sloterdijk nun den Menschen als übendes, sich in Form bringendes, sich fit machendes, fortwährend trainierendes usw. Wesen; nicht mehr nur Betrachtender, aber auch noch nicht wirklich Handelnder.

U: Ich hätte nie gedacht, dass ich das jetzt sagen würde – aber können Sie bitte auf sich zurück kommen? Muahaha – ich geh‘ kaputt, Sie müssen ja nicht mitkommen!

R: Sehr witzig immer mal wieder! Na ja – psycho- und sozialtherapeutische Felder sind in gewissem Sinn und Ausmaß Felder, in denen Menschen Leben üben. Das ist allerdings das eine Ende des Spektrums! Am anderen Ende, um in diesem schiefem Bild zu bleiben, sind Äußerungen wie die von Otto Mühl, Therapie wäre „Heilungsversuch außerhalb der Realität“, wörtliches Zitat. Aber da Mühl ja „Kifi“ und „Sektenführer“ war, zählt der nicht wirklich. – Ja ja, ich bin ein Zynist!

U: Immer wieder grandios, Ihre Versuche, anderen Menschen die Vergeudung psychischer Energie ersparen zu wollen, echt! Wie Sie da erwartete Kritik oder auch nur wahrscheinliche Rückmeldungen selbst formulieren, bevor jemand überhaupt den Mund aufmachen konnte, hat durchaus Züge des Virtuosen!

R: Das ist aber nicht die passende Stelle, mir Identifizierung mit dem Angreifer nachzuweisen! Mit der Sektenkeule wird regelmäßig gefuchtelt, wenn Leute was in Gruppen machen – egal, ob alternativer Kindergarten, Ökoladen, Landkommune, therapeutische Gemeinschaft usw. Allerdings scheint diese Tendenz deutlich schwächer geworden. Wieder einmal zeigt sich die Stärke des Kapitalismus, alles, was ihn auch nur gefährden könnte, quasi aufzukaufen und hocheffizient zu optimieren und zu vermarkten. Siehe Punk, Hiphop usw. usf. Jetzt gibt es sogar schon die alternative Kommune als Fernsehformat „Newtopia“. Bisschen gruselig, aber so ist das halt in einer Kultur, die sich in einem Rausch der Coverversionen angehäufter Kulturwerte- und Güter erschöpft, weil sie womöglich tatsächlich keine Impulse mehr zu geben vermag…

U: Und warum, meinen Sie, wird da, oder wurde, „mit der Sektenkeule geschwungen“, wie Sie es – Ihre eigenen Worte! – mit Ihrer Poesie eines Buchhaltungsfeldwebels formulieren?

R: Es scheint, wieder einmal, an frühe Wunden gerührt zu werden. Viele Menschen haben in Ihrer Ursprungsfamilie keine wirkliche Gruppe erlebt, und jetzt wagen da welche, dergleichen trotzdem und erst recht zumindest zu versuchen… Das geht doch gar nicht! Teert und federt sie! – So was in der Art!

U: Ich muss Sie jetzt wieder zwingen, runter zu kommen; geradezu als Selbstschutz, denn in himmlischen Höhen ist ja mein Widersacher zugange, harhar! Ich frage Sie nochmals nach dem übenden Wesen, das Sie hier und jetzt sind…

R: Tja, ich bin jetzt in einer Einrichtung – und hier geht es um „Leben üben“… Hier sind lauter Leute, die Leben nicht gebacken bekommen ohne Trockentraining im Modell. Noch eine narzisstische Kränkung, aber da muss ich halt durch! Und konkret setze ich die Übungen immerhin fort, an denen ich seit Jahren scheitere – lernen, mich selbst zu strukturieren. „Banal“ – jeden Tag zwei Stunden schreiben, zum -zigstem Male versuchen, Blender zu lernen, wozu ich aber erst einmal wieder einen „richtigen“ PC brauche, dreimal die Woche eine Stunde Litauisch lernen, wozu endlich die Lernsoftware eintreffen müsste, als Beispiele. Und so weiter. So weit die Theorie!

U: Da Sie es ja immer freut, wahrgenommen zu werden, hätte ich Sie jetzt ohnehin nicht nach Fort-, sondern nach Rückschritten gefragt… Äh… – ach so: harhar!

R: Es gibt Fortschritte! Zum Beispiel habe ich kapiert, dass mein Aufräum,- Putz- und Waschfimmel nicht nur aus meinen starken hausfraulichen Anteilen resultiert, vielmehr fimmele ich oft in dieser Weise aus Schuldgefühlen heraus. Die entstehen aber schon bei auch nur ansatzweisem eigenem Handeln. Übrigens habe ich hier auch wieder eine anerkannte Autorität im Hintergrund! Von Fallada ist bekannt, dass er seine stilistisch besten Texte schrieb – im Knast. Dort hat er aber zur entzückten Verblüffung des Personals erst immer die Zelle geschrubbt, bevor er zu texten begann. „Das verstehe ich sehr gut!“ Erst die Pflichterfüllung, erst artig sein usw., dann eventuell dieser Literaturquatsch und dergleichen! Außerdem waren ohnehin die chronischen Schuldgefühle etwas gedämpft, denn Fallada war ja real bestraft worden…

U: Sie erwähnten bereits, dass Sie in einem Parallel-Universum in Big Apple Star-Therapeut für Promis und Künstler wären…

R: Alles klar – dann werde ich heute den Schlusspunkt setzen, ich muss nämlich noch bissl was in der Küche machen – ich hab‘ Schuldgefühle, weil ich was Eigenes zumindest versucht habe, nämlich hier wieder getextet und mit Achtelbildung hausiert! (klappt sich zusammen)

U: Har. Har. (klappt seine Klappkarte zusammen)

* Es hat nicht sollen sein, ach…

16. März 2015

Gruppendynamik bei Kobolden (Schaufenster in Iron Hut City)

R: Ralf (ratloses Fossil) und U: sein UFO (Unidentifizierter Führungsoffizier)

U: Möchten Sie sprechen? – Vielleicht sogar über etwas?

R: Es spricht in mir! Ich habe mich schon als Kind gefragt, ob das anderen Leuten auch so geht, dass sie diese inneren Monologe führen. Bzw. – dass die eben quasi von selbst laufen.

U: Eben! Sie haben sich gefragt, nicht die Leute!

R: Kommen Sie jetzt wieder mit der Narzissmuskeule?

U: Das kann ich gar nicht, da ich mir sicher sein muß, dass Sie unter Narzissmus etwas ganz Anderes verstehen als ich…

R: Narzissmus ist, wenn jemand von seinem Desinteresse an anderen Menschen hin und wieder derart beunruhigt ist, dass er sich kurz vor den Spiegel stellen muss, damit es ihm etwas besser geht.

U: Höllische Tippse! Wenn Sie jetzt auch noch so coole Märchen schreiben könnten wie Oscar Wilde und nicht nur seinen Zynismus imitieren…

R: Ein Grundproblem des Schreibens! Kaffeesüchtig wie Balzac, umtriebig wie Jack London, zynisch wie Oscar Wilde, steif wie Thomas Mann, absturzgefährdet wie Fallada usw. usw. usf., allein – ein wenig Talent wäre auch noch gut. Har har.

U: Ach ja – das wollte ich Sie auch schon lange fragen: was soll eigentlich dieses dauernde Kunstlachen, dieses „Har. Har.“ und dergleichen? – Har. Har.

R: Das ist ja interessant: da haben Sie sich also gewissermaßen meinen Vorgaben angepaßt, ohne wirklich zu wissen, was die bedeuten! – Ja ja, ich beantworte Ihre Frage umgehendst; lassen Sie mich doch zwischendurch ein bisschen plätschernd-platt plauschen, pausenfüllenderweise! Ich habe da diese amerikanischen Sitcoms im Hinterkopf, bei denen an Stellen, die der Produzent von Marktforschern als witzig hat eruieren lassen, Gelächter eingespielt wird…

U: Ach so. – Deshalb sind Sie sauer! Sie haben erwartet, dass ich von mir aus drauf komme, derartiges Konservenlachen abzusondern, wenn Sie Ihre Humoor-Klumpen ins virtuelle All schleudern?

R: Schmarrn! Aber jetzt bin ich bisschen sauer – ich habe gerade wieder ’ne geile Geschäftsidee verballert!

U: Wie jetzt? Lachen vom Band bei Facebook oder was?

R: Nicht ganz! Eine App, die den Augenbewegungen des Lesers folgt, um an den richtigen Stellen Lautäußerungen einzuspielen, die es nicht unangebracht erscheinen lassen, auf Erheiterung dieser Lautäußernden zu schließen.

U: Boah! Sollte dieser Satz wieder ’ne virtuelle Verbeugung vor Thomas Mann sein? Auf den haben Sie ja in der Tat schon seit etlichen Minuten nicht mehr angespielt. Äh… – Har. Har.

R: Sehr witzig! Nee, ich dachte an preisliche Abstufungen bei derartigen Einspielungen! Vom Mindestbetrag für verstohlenes Kichern bis zum Höchstpreis bei brüllendem Gelächter einer stadionfüllenden Menschenmenge. – Und weil ich gerade beim Großen Lübecker Wortsetzmeister bin: natürlich läßt mich dieses „innere Sprechen“ an mein mannhaftes Lieblingselbstzitat denken.

U: Ha! Das war jetzt das erste Mal, dass Sie von sich aus auf eine Art Thema zurück gekommen sind!

R: Das ist es nicht allein! Ich wage Gedanken, die ich insgeheim für ganz brauchbar halte, erst zu äußern, wenn ich sie von wie auch immer gearteten Autoritäten bestätigt gefunden habe. Außerdem kann ich mich dann wieder selbst bemitleiden, weil schon vor mir welche drauf gekommen sind. Bleibt die Bestätigung zunächst aus, streue ich quasi klassische Worte so genannter großer Männer ein, um damit von meinen Schuldgefühlen abzulenken, die auch immer dann aufkommen, wenn ich Gefahr laufe, etwas auch nur ansatzweise Eigenes zu denken, zu sagen oder zu tun.

U: Aha. Ein Stück „Untertan“. Zur Abwechslung Heinrich Mann! Sie werden beinahe wieder kreativ, bleiben aber in der Familie!

R: Korrekt, mein hysterischer Familienroman nach Prof. Freud ist teilweise deckungsgleich mit der Familie Mann – bisschen Größenwahn muss sein in dieser unsere dynamischen usw. Postmoderne!

U: Leider haben Sie noch keine Katia gefunden…

R: Alter! Das metaphysische Personal nimmt mich ganzheitlich wahr! Sozialökologie der Höllenfahrt! Das ist die Postmoderne!

U: Um Ihren Eindruck zu verstärken, wahrgenommen zu werden – das Wort „postmodern“ führen Sie gleichfalls derart häufig im Munde, dass der Eindruck entstehen muss, Sie wüssten, wovon Sie reden…

R: Wie mehrfach bemerkt, kenne ich mich mit der Postmoderne ganz gut aus, weil ich mehrere Jahre lang Briefträger war.

U: Bleibt mir nur, Folgendes anzumerken: Har. Har. Und hiermit hätte ich nun auch – ich meine: angemerkt!

R: Und weil Sie so begeistert waren, weil ich von mir aus zu einer Art Thema zurück gekommen wäre, komme ich hier zu einer Art Thema zurück: mein angedrohtes mannhaftes Selbstzitat bezieht sich natürlich auf diesen von mir erst ca. 123mal erwähnten motus animi continuus, von dem Thomas Mann geschrieben hat, dass Gustav von Aschenbach daran gedacht, dass Cicero von ihm gesprochen hätte, als Wesen der Beredsamkeit usw. Neuerdings ist das wohl gar nicht von Cicero, aber da will ich jetzt nicht drauf einsteigen…

U: Es beruhigt Sie, feststellen zu können, dass dieses innere Geschnatter bereits an einem frühem Höhepunkt menschlicher Kultur geläufig war…

R: Und nicht nur das – ich frage mich nach wie vor und immer wieder, ob Schreiben im literarischem Sinne vornehmlich Ausdruck und Ergebnis von Talent wäre oder nicht vielmehr der immer erneute Versuch, ein Defizit oder gar einen Defekt kompensieren zu wollen. Für Letzteres spräche zum Beispiel, dass sehr viele Schriftsteller sinngemäß erklärten, nach einiger Zeit ohne Schreiben depressiv oder phobisch zu reagieren.

U: Man könnte diese Überlegungen aber auch darauf zurückführen, dass Sie einigermaßen talentfrei sind…

R: Ja ja ja: der Junge war ja schon immer so wunderbar unbegabt. Hätte Tante Paula gesagt, wenn es sie gegeben hätte. Wie komme ich denn jetzt auf „Paula“? Vermutlich wünsche ich – im Unbewusstem! – mit Paula Kalenberg nach Kalifornien am Meer durchzubrennen, aua! Oder frei nach Liebermann – der hat sich dit Schreiben ooch bloß so anjewöhnt! Ich habe vorhin schon angefangen zu zweifeln, dass Sie tatsächlich der Fürst der unteren Mächte sind, weil Sie anhuben, mich lobend zu erwähnen! Aber jetzt geht es mir wieder besser, weil Sie in meinen Wunden stochern – es stimmt wieder alles und die Welt ist in Ordnung, ha!

U: Dann lassen Sie uns an dieser Stelle abbrechen und abwarten, bis Sie neuerlich einen Gedankenstau entwickelt haben, den Sie durch Gruppierung von Wortgruppen zu entladen wünschen – ich stehe Ihnen nach wie vor als Container für Ihre Textbrocken zur Verfügung! (klappt seine Klappkarte zusammen)

R: Ach, jetzt werde ich ein wenig gerührt ins Kissen schluchzen – ich habe jetzt nämlich ein Kissen, wenn auch staatlich finanziert! (klappt sich zusammen)

12. März 2015

Durch Trauer zur Blüte… – oder so!*

R: Ralf (ratloses Fossil) und U: sein UFO (Unidentifizierter Führungsoffizier)

R: Ich bin der Ralf und möchte heute über Zwiebeln sprechen.

U: Verstehe! Typisch Mann: wenn es ans Trauern geht, geht er in den Weinladen. Wenn das nicht geht, schält er Zwiebeln. Har. Har. – Das mit dem Lachen vom Band einspielen hat echt was, nebenbei bemerkt; vielleicht sollten Sie doch an so ’ner App schrauben.

R: Ja, ich werde in den nächsten zehn Jahren weitere sieben Male versuchen, Programmieren zu lernen! Per Asperger ad Asterix usw.

U: Doch noch nicht mit Ihrem Latein am Ende!

R: Korrekt, bei Prof. Stroh hätte ich auch gern studiert, hihi, aber nun ist es zu spät! Ich habe nur noch ca. 10 Jahre, in denen ich milde hinweg dämmern werde. Ach.

U: Okay, bevor Sie jetzt wieder abheben: es hatte sich da eben das Thema „Zwiebeln“ heraus geschält – was ein Wortwitz wieder!

R: Das hängt miteinander zusammen – Fühlosophieren und angeblich „banales“ Alltagsdetail! Deswegen habe ich auch damit angefangen. Ich hatte immer mindestens einen Fuß auf der Erde, indem ich irgendwelche Jobs runter gerissen habe. Mitnichten bin ich der klischeemäßige Soziologiestudent im 23. Semester, incl. 2 Taxipraktika, der nach dem zweitem Schoppen Rotwein Nietzsche korrigiert usw.

U: Wollen Sie jetzt gelobt oder bemitleidet werden oder nochmal ’n Studium anfangen?

R: Wie ich eben schon andeutete – ich kann nicht Soziologie studieren, ich habe keinen Führer- und schon gar keinen Taxischein. Har. Har.

U: Klar, es bestünde die Gefahr, dass Sie in vergleichsweise adäquatem Umfeld feststellen müssten, doch nicht der Überflieger Ihrer Heldenträume zu sein! Also bleiben Sie lieber der ungeschickte Hochbegabte unter Tagelöhnern usw. Damit haben Sie nun aber Papa bestraft, Wahnsinn!

R: Ha! Nicht einmal Goethe hat die therapeutischen Anteile des Teufels so klar gesehen – ich bin ja wieder voll von der Rolle, wie Sie mich jetzt reflektiert und mein Unbewusstes verbalisiert haben. Oder so ähnlich. Dabei war Goethe wie viele gute Schriftsteller auch Quasi-Therapeut. Er hat z. B. die schrittweise Desensibilisierung praktiziert, lange bevor es überhaupt den Begriff gab – die Geschichte mit der Selbstbehandlung seiner Höhenangst usw. Und ich habe schon mehrfach angemerkt, dass die therapeutische Variable „Verbalisierung emotionalen Inhalts“ schon seit vielen Jahrhunderten verwendet wird – von Dichtern!

U: Schon wieder Höhenflüge! Sprich über die Zwiebel, tränenarmes Menschenmännchen!

R: Muahaha! Nun, ich versuche – die Betonung liegt auf „versuchen“ – hier im Hause so viel zu lernen wie möglich; wie mehrfach bemerkt, ist es nicht auszuschließen, dass ich noch vor Erreichen des Rentenalters hochwertig zu pubertieren beginne. „Hochwertig“ habe ich von Alex aus „Alles ist erleuchtet“ „geliehen“, muahaha. Ja ja, ich bin Antisemit – is‘ jut! Und da hat mir ein sehr küchenerfahrener Mensch gezeigt, wie man eine Zwiebel in winzige Würfel zerschneiden kann, ohne sich was abzubrechen oder abzuschneiden. Man schneidet das Gemüsestück nicht völlig durch, sondern lässt an einer Seite ein paar Millimeter verbunden, am besten an der Stelle, wo der „Strunk“ war. Und da habe ich mir gesagt, dass so was doch eigentlich ganz einfach wäre – und dass man eigentlich von selbst drauf kommen müsste! Diesen letzten Gedanken hatte ich übrigens schon sehr häufig bei derartigen „kleinen“ Anlässen. Man kommt aber nicht drauf, weil man nicht ganz da ist, wo man ist, nicht ganz im Hier und Jetzt usw. Es gibt ja mittlerweile -zig Bezeichnungen für das, was ich meine, und etliche sind ziemlich durchgekaut.

U: Jetzt bin ich echt gespannt, wie Sie den Bogen vom Zwiebel schneiden zur Weltrettung kriegen! Äh… – Har. Har.

R: Na ja – das ist der Knackpunkt! Darum geht es doch wohl im Leben, oder? So intensiv wie möglich im Sinne von so oft und lange wie möglich ganz da sein im Hier und Jetzt im eben angedeutetem Sinne. Theoretisch ist mir das schon lange klar! In der elften Klasse hat mein Klassenlehrer sinngemäß bemerkt, wer als Toilettenreiniger nicht ganz „da“ wäre, der würde das auch nicht ohne Weiteres als Filmregisseur packen. Als Beispiel. Praktisch habe ich das jetzt erst begriffen… Ich bin halt nicht weise. Kleiner lokaler Insiderwitz, nicht für jedermann! Ich bin der große Theoretiker, wie Stasi-Hasi mit den roten Haaren bis unter den Arsch schon 1984 voll korrekt rückmeldete.

U: Jetzt fangen Sie bitte nicht wieder an, rot zu sehen, sondern bleiben beim Thema! Ist ja krass – immer, wenn Sie kurz davor sind, zumindest ansatzweise diskussionswürdige Gedanken zu entwickeln, flüchten Sie ins Neanderthal, indem Sie befruchtende Begegnungen mit Weibchen Ihrer Gattung suchen!

R: Bei vorwiegend hysterisch Strukturierten wird die Symptomatik meist durch drohenden oder tatsächlichen Partnerverlust ausgelöst; sinngemäß, fast wörtlich Höck und König 1976. Sorry! Ob Dr. Postel dergleichen auch hinkriegen würde, so aus dem Handgelenk? Sorry! In irgend einem Paralleluniversum bin ich ja Chefarzt, Alter! – Ich würde mir die Kugel geben, nebenbei bemerkt! Aber Sie haben nicht unrecht – ich fange jetzt an zu zittern, und zwar nicht vor Kälte, sondern, weil ich mich auch nur ansatzweise Eigenem auch nur anzunähern drohe. Das hatte ich lange nicht, aber ich hatte es früher öfter. Das ist quasi das Zittern des ausgesetzten Säuglings. Har. Har. Lustig (?) Übrigens hatte besagtes Stasi-Hasi dergleichen auch, und sie hat das auch reflektiert! Wenn manche wüssten, was ich mir alles gemerkt habe, ha!

U: Sie haben wieder einmal in einem Symptom-Geschwister die Zielperson von Partnerwahlversuchen gesehen?

R: Schuldig im Sinne der Anklage! Aber das war es nicht nur – es war auch zum Teil „echt“. Das war es bei mir übrigens immer! Ich habe mich nie in Eine verknallt, weil ich mal Eine knallen wollte; ach Gottchen, wie romantisch! Es ging immer um ganz enge Partnerschaft bis zur Symbiose auf Lebenszeit. Damit waren meine „Zielpersoninnen“ – oder wie „Zielperson“ auf weiblich heißt – natürlich heillos überfordert, zumal da wie üblich die „unerledigte“ Mama rein spielte. Usw.

U: Alter Schwede! Wenn es Orden für tiefe Selbsterkenntnis gäbe, würden Sie ja nur noch nach vorn gebeugt herumlaufen! Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich Ihre Integration behindern würde, wenn ich Sie mit schier zärtlicher Milde bitten würde, nochmal zu einer Art Thema zurück zu kommen… Hä-ähm! Ich meine – bevor Ihre Logorrhoe zur Seuchengefahr führt!

R: Ich würde mich echt freuen über die „Freudvolle Couch“ in Gold mit Rückfallschleife erster Klasse; habe ich ja auch erst ungefähr siebzehn Mal angemerkt… – Okay, okay, ich wollte Folgendes sagen – ich kann mich nicht so ausdrücken -: man hat uns doch beigebracht, oder beizubringen versucht, dass Klassen und Schichten usw. in der Gesellschaft durch unterschiedlichen Besitz usw. unterschieden werden könnten. Reiche und Arme eben! Mit scheint nun immer öfter, dass dies nicht das Entscheidende sein könnte. In Wahrheit geht es eben um intensives Leben, um „richtig leben“ im Sinne des eben angedeuteten „ganz da Seins“, ganz im Hier und Jetzt Seins usw. Das wird umso deutlicher, desto mehr materielles abgesichert Sein zum Standard gehört; ich meine, auch ein Hartz-IV-Empfänger muss nicht hungern usw. Und viele Jahrhunderte lang wurde beides „gleich gesetzt“, d. h., das wirkliche Leben war „da oben“, bei den Sklavenhaltern, Adligen, kapitalistischen Großbürgern, wo der materielle Besitz war. Das stimmt ja eben nicht – wie viele Könige waren voll verblödet, wie wenige Fürsten waren wirklich aufgeklärte Fürsten… Und Revolutionen sind eben nicht vorrangig Versuche, Besitz umzuverteilen, sondern gewaltsame Durchbrüche ins Hier und Jetzt. Das wird umso deutlicher mit oder nach der friedlichen Revolution 89, die ja wohl in der Geschichte einzig da steht.

U: Sie sehen sich wieder einmal als therapeutische Euro-Kanzlerin…

R: Als König von Europien, vergleiche Rio Reiser, muahaha…

U: Fühlen Sie sich von mir gesehen, wenn ich jetzt meinen Eindruck äußere, Sie wären nicht zufrieden mit Ihren … äh… – Ausführungen?

R: Ich würde Sie ja zu Boden knutschen, wenn mir nicht längst klar wäre, dass es die wahre Liebe eh‘ nur unter Männern gibt. – Kleiner Scherz; möchte nicht wissen, wer mich jetzt wieder alles für schwul hält. Ich bin aber nicht schwul, ich bin lesbisch. Har. Har.

U: Okay, nach all dem Tränen Lachen in den letzten Minuten muss ich ja nicht nochmal auf die Zwiebel zurück kommen?

R: Das war nur ein kleines Beispiel! Es ging mir eben um dieses „ganz da sein“, das übrigens nicht zuletzt oft misslingt, weil es im Prozess der Erziehung ausgetrieben wurde. Wenn ich bei der „geringsten“ Tätigkeit wirklich „da“ bin, komme ich auf solche Dinge wie die Zwiebelschneidetechnik von selbst. Ich bin schöpferisch im allerweitestem Sinne, nicht unbedingt als irgendein Superstar usw. Irgendwann habe ich dann vielleicht eine Idee, die zur Geschäftsidee werden könnte. Siehe diese Technik in meinem letztem Job, vorbehandelte Wischer in Plaste-Containern zu den Gebäudereinigern zu fahren, so dass die nicht mehr mit Wassereimern und Reinigungsmitteln herum planschen müssen usw. Für unsere kapitalistischen Menschen: Plastik-Container. Da war wer „ganz da“, hatte ’ne Idee, und hat jetzt ’n kleinen Betrieb. Er kann als Unternehmer – etwas unternehmen, so banal das klingt. Eine minimale eigene Einwirkung auf die Realität. Wer nie „ganz da“ ist und demnach keine „Ideen“ hat, muss – Arbeit nehmen. Das heißt, er verdient seinen Lebensunterhalt, indem er den Vorgaben Anderer folgt, kleine Handgriffe bis ganze Arbeitsabläufe übernimmt von denen, die, im Hier und Jetzt angekommen, „Ideen“ hatten. Angefangen eben bei solchen scheinbar winzigen Details wie dem Zwiebeln schneiden. Das Entscheidende ist womöglich eben nicht das Materielle, sondern die Wahrnehmungsmuster, also der Psychoscheiß. – Bla.

U: Was für ein Schlusswort – „bla“! Oder wollten Sie noch etwas anmerken?

R: Ich stehe für den Posten des Generalstabschefs nach wie vor zur Verfügung!

U: Verstehe – während Ihres Vorkommnisses kein Dienst!

R: Har. Har. Wirklich ganz zum Schluss – mein karges Witzchen passt schon zum Thema! In stark strukturierten Gruppen wie militärischen Einheiten wird auch Einiges von dem deutlich, was ich eben ausdrücken wollte. Man spricht etwa von „Regiment Müller“ oder „Division Meyer“ usw. – Ich wollte damit nichts gegen Leute sagen, die „Müller“ oder „Meyer“ heißen, hüstel! Das heißt, der Chef der jeweiligen Gruppe verkörpert das Prinzip der Gruppe am stärksten oder am deutlichsten. Es müsste also der sein, der sozusagen am meisten „im Hier und Jetzt anwesend“ ist. Aber das ist wieder der Idealfall oder der idealtypische Fall. Bla bla.

U: Na dann freue ich mich, Sie demnächst als Flügeladjutant der Marschalleuse von der Leyen begrüßen zu können! (klappt seine Klappkarte zusammen)

R: Gestatten Sie, dass ich nach unten weg trete! (klappt sich zusammen)

* Die Ursprungsdatei des Zwiebelblütenbildes ist gemeinfrei. Nämlich! Alta!

09. März 2015

Konstruktive Symbiose, *hüstel*… (der Baum ist kahl – alles Misteln!)

R: Ralf (ratloses Fossil) und U: sein UFO (Unidentifizierter Führungsoffizier)

R: („singt“ nach der Melodie von „Ich könnte ohne die Liebe nicht leben“ von Wencke Myhre): „Ja, ich kann ohne Symbiose nicht leben“

U: Ich habe schon lange den Verdacht, dass Sie sich für die Musiktherapie bei Dr. Bohlen bewerben möchten.

R: Quatsch – ich hoffe noch vor Rentenbeginn den Stimmenbruch zu erleben…

U: Das ist jetzt kein Dampfblödeln mehr, sondern Plasmablödeln – wollen Sie nicht doch nochmal Dr. Anna Lyse anrufen?

R: Ach was – es gibt Alternativen zur Therapie! Ich gehe entweder in die Medien oder in die Politik. Außerdem – Blödeln hält frisch! Zu viel Tiefsinn ist sozialhygienisch kontraproduktiv! Leben an Oberflächen – in Klammern Sloterdijk!

U: Mit dem Sloterdijk haben Sie es ja! Wieder mal der ungeklärte ödipale Konflikt? Doch Anna Lyse anrufen?

R: Jaha, das ewige Söhnchen sucht immer noch den Über-Papa. Aber ich habe keinen Grund, bei Sloterdijk zu schleimen, denn ich bin zu alt für die Hochschule Karlsruhe und würde dort nur die frischen Frollein vergraulen. Außerdem – dass ich überhaupt noch so was wie Orientierung finden würde, hätte ich nicht gedacht.

U: Sie müssen jetzt nicht anmerken, dass Sie gelegentlich zu denken pflegen – Sie sagten das erst vierhunderteinunddreißig Mal…

R: Har. Har. Aber vielleicht noch folgende Anmerkung: das mit den „Oberflächen“ trifft ja im doppeltem Sinne zu, nämlich auch im Sinne von „Benutzeroberflächen“.

U: Es wird doch noch was mit Karlsruhe – als Dozent.

R: Korrekt, in Momenten, in denen mir mein Größenwahn Wurscht ist, beginne ich sogar, sozusagen von mir selbst unbemerkt, Sloterdijk zu verbessern. Ich darf das, ich bin schizotyp! Zum Beispiel hat es in mir gedacht zu Sloterdijks Anmerkung, dass uns noch längst nicht alle Implikationen des Satzes bewusst wären, der reine Beobachter wäre tot. Darüber schreibt er in „Scheintod im Denken. Von Philosophie und Wissenschaft als Übung.“ – Ich habe nichts gemacht: es hat in mir gedacht!

U: Ha! Sie fauler Sack! Glauben Sie, andere Leute lesen keine Bücher? Das steht in den vier Zeilen auf der vierten Umschlagseite! Ist das Ihr individueller Versuch, „Leben an Oberflächen“ zu praktizieren?

R: Voll korrekt, Mann! Überhaupt ist Sloterdijk nach Freud das erste deutsche Musterbeispiel für die Einheit von Inhalt und Form, die Genosse Lenin immer gefordert hat. Haben! Wir! Wieder! Fun!

U: Möchten Sie jemanden anrufen?

R: Das bringt nichts mehr, ich bin austherapiert! Und womöglich werde ich im Verlauf sich selbst erfüllender Prophezeiung sowieso beobachtet.

U: Ich bin beeindruckt, wie Sie jetzt sowohl dialektisch als auch verspielt zumindest zu einer Art Thema zumindest zurück zu kommen versuchen!

R: Ihr Lob spornt mich dermaßen an, dass ich mich gleich wieder hinlegen muß. Har. Har. Aber mal wieder versuchsweise im Ernst – wer sind denn im Leben die ersten „Beobachter“? Die Eltern! Und immer wieder und immer noch sehen viele Eltern ins Kinderzimmer wie in ein Terrarium voller beunruhigender exotischer Lebewesen! Beunruhigt von dieser Lebendigkeit, deren Abtötung als Grundimpuls aller Erziehung von Generation zu Generation weitergegeben wird, über alle Länder und Zeiten und politischen Systeme hinweg. Und auch dieser Mechanismus könnte sich im 20. Jahrhundert derart zugespitzt haben, dass „der Beobachter“ einfach unerträglich geworden sein dürfte. Alle sollen einbezogen werden, alle sollen „rein geholt“ werden – auch eine Art „Gleichschaltung“. Das mit der Stasi als Elite von „Beobachtern“ in zweifacher Armeestärke wäre dann „nur“ wieder das dialektische Gegenstück dazu.

U:

R: Hallo?

U: Ich warte jetzt wieder auf Ihren Fallrückzieher in der Manier von Woody Allen – „Ich weiß selbst nicht genau, was ich damit gemeint habe!“ oder so was in der Art.

R: Ich weiß selbst nicht genau, ob ich gelegentlich gute Gedanken habe oder völlig abdrehe. – Zufrieden?

U: Wenn der Teufel zufrieden ist, geht die Welt unter! Und was das „Abdrehen“ angeht – denken Sie an Dr. Marx! Hier hilft nicht entfremdete Arbeit!

R: Ich weiß! Ich fege jetzt werktags die Gehsteige vorm und hinterm Wohnheim! ‚Spielta wieda Kuckucksnest!‘ Voll logo, dass die Budenzauberer mich neuerlich in den Arbeitsprozeß reintegrieren wollen, da ich nach wie vor nicht wirklich schöpferisch werde. Dass da ’n Job bei der Stadtreinigung angesagt ist, war mir schon vor Jahren klar…

U: Okay, okay – bevor ich jetzt wieder mit der Floskel „Auf ein Altes!“ schließe, noch einmal zum Ausgangspunkt zurück. Was meinen Sie denn nun mit Ihrer Coverversion des Wencke-Myhre-Hits?

R: Tja. Na ja. – Das ist ganz einfach und deshalb schnell gesagt! Ich werde wahrscheinlich tatsächlich nie ’ne autonome Person, ’ne abgetrennte Einheit, ich brauche immer eine „Leine“, eine Anbindung aus der Distanz usw. – Immerhin hebe ich noch nicht an Stadtbäumen ein Bein oder wedle vor Freude mit dem Schwanz. Har. Har.

U: Ah. Und wen sehen Sie da am anderen Ende der Leine?

R: Nun, ich imaginiere mir zum Beispiel einen Mephistoverschnitt für die Unterschicht in Gestalt eines Meta-Führungsoffiziers, chch…

U: „Ich bin ausgesprochen, ich bin erledigt!“ (klappt seine Klappkarte zusammen)

R: Mann! – Mann! (klappt sich zusammen)

… vor dem 9. März (Datum verschusselt – Mensch, Opa!)

Das Fossil als Pensionist als Moni-Tor (typisches Mädchengesicht ca. 2003)

R: Ralf (ratloses Fossil) und U: sein UFO (Unidentifizierter Führungsoffizier)

U: Was glauben Sie, wer ich bin?

R: Muahaha! Ja, ich möchte nicht wissen, wie viele Leute mich jetzt wieder als Stasi sehen, Wende verpennt und so, weil nicht rüber kommt, dass und wie „Führungsoffizier“ metaphorisch-philosophisch gemeint ist. Dergleichen bin ich jedoch gewohnt und es behagt mir in meinem mentalem Masochismus. Aber komisch, dass Sie gerade jetzt drauf kommen! Oder vielleicht nicht komisch, sondern mystisch-logisch. Oder so was. Ich habe nämlich in den letzten Tagen über genau diese Frage nachgedacht. Ich glaube, das geht in die Richtung des imaginären Freundes, den viele Kinder sich vorstellen. Aber ich kann mich gar nicht erinnern, derart imaginiert zu haben. – Egal!

U: Ah! „Egal“! Sehe ich da eine Entwicklung? Sie legen nicht mehr sofort los mit Bauchnabelpopeln, wenn Sie auch nur in Ansätzen dazu ermuntert werden! Aber ich will das nicht vorschnell als Fortschritt werten, weil Sie ja dann gleich wieder ins Gegenteil flüchten. Mit anderen Worten – mit „das sehen, was in der Nähe ist“, war nicht der eigene Bauchnabel gemeint. Ein bisschen mehr sollten Sie schon fern sehen. Haha. Schwacher Wortwitz, aber dürfte Ihnen gefallen.

R: Ja, übers Fernseh-Programm wollte ich auch noch reden! Har. Har. Noch ’n flacher Wortwitz. Aber gefällt mir nicht. Neuerlich habe ich festgestellt, dass ich durchaus empfänglich für neue Eindrücke und sogar entwicklungsfähig bin. Zum Beispiel hat sich meine Blase nach wenigen Wochen auf den Rhythmus der Werbe-Einblendungen eingestellt. Außerdem wird mein Verlangen immer stärker, alle an einem Abend beworbenem Produkte gleichzeitig zu kaufen – meine innere Hausfrau wird hyperaktiv! Zum Glück habe ich nicht genug Kohle…

U: Das bezieht sich wieder nur auf Konsum! Da dürfte sich ja Ihre These bestätigen, dass Internet vor allem in diesem Kontext etwas Neues ist, indem der User im Net viel mehr aktiv wird.

R: Es gibt Wechselwirkungen! Ich habe dauernd Ideen für neue Fernsehformate! Zum Beispiel live übertragene Fußballspiele mit Mannschaften verfeindeter Geheimdienste. Oder Modenschau mit Politikern. Usw.

U: Mit anderen Worten – die Umschulung zum Programmdirektor ist so gut wie sicher? Harhar.

R: Ja, Lachen ist ansteckend – ich habe das vorm Spiegel ausprobiert!

U: Mir fällt bei Ihrem zwanghaftem Narziss-Mus-Löffeln immer wieder dieses Sprichwort ein, Clowns wären die traurigsten Menschen. Dementsprechend müssten Sie bei Ihrem momentanem Dampfblödeln auf etwas eher Ernstem draufsitzen, das Sie Ihrem nicht vorhandenem Publikum mitteilen möchten?

R: Na ja, ich habe jetzt schon zum zweitem Mal eine Sonntagspredigt im Fernsehen zumindest zu großen Teilen verfolgt. „Nun schon zur Tradition geworden!“ Okay, okay – ich will versuchen, ernst zu bleiben! Mir kam da der Gedanke, dass solche religiösen Übungen unter anderem dazu dienen, Menschen täglich zur Menschlichkeit zu ermuntern. Man muss offensichtlich dazu ermuntert werden, das ist krass!

U: „Ach.“ – Wie sagen Sie immer? „Professor von Bülow“?

R: Ich fand das einfach total lustig, als Loriot mal sinngemäß angemerkt hat, es wäre die einzige richtige Festanstellung seines Lebens gewesen, als er einige Semester an der UdK Dozent war. Hihi.

U: Das ewige Söhnchen wieder – immer mal wieder Suche nach ’nem Vorbild? Saure Trauben? Größenwahn?

R: Nee, aber ich habe doch anläßlich eines Geburtstags von Eichendorff mal den Gedanken geäußert, dass das Thema „Taugenichts“ nahe liegen würde, wenn Kinder deutscher Offiziere was mit Medien machen wollten. Und Loriot ist in gewissem Sinn und Ausmaß das konstruktive Gegenbeispiel – er ist der Sohn eines Polizeioffiziers, aber hat es geschafft. Er ist in einer Lebenswelt angekommen, die von den Konditionierungen seiner Herkunft total abweicht. Trotzdem scheint da ein leises Unbehagen auf, siehe diese Bemerkung über die Festanstellung. Deswegen ist mir das wahrscheinlich aufgefallen. Prägung ist Prägung! Man ist doch eigentlich kein Zigeuner auf dem Wagen, sondern aus gutem Hause, nämlich dem Hause Kröger. Usw.

U: Insgeheim habe ich mir schon Sorgen gemacht, weil Sie lange nicht mehr Thomas Mann zitiert haben, *hüstel*. Sorry!

R: Ach, dieses leise Unbehagen findet man auch an anderen Stellen, sogar im sozialistischem Realismus. Zum Beispiel schon im ersten Absatz von Herrmann Kants „Aula“„Da sitzt einer über seiner Schreibmaschine, raucht zuviel, bläst Staub von den Tasten, beißt in einen Apfel und denkt an Schiller dabei, starrt auf das leere Papier und dann auf die Uhr, kratzt an dem verklebtem kleinem a herum, bis es wieder sauber ist, hat schon wieder eine Zigarette in Brand und nennt das alles Arbeit.“ Als man die Höhen der Kultur erstürmt hatte, stellte man nicht nur fest, dass gar keine Verteidiger existierten – fast wörtlich Brecht, harhar -, sondern hat immer noch und erst recht dieses schlechte Gewissen. Ist das wirklich Arbeit? Wem das zu ostalgisch klingt, der höre den Song „Arbeit“ von „Wir sind Helden“. Scheint wieder etwas Systemübergreifendes zu sein!

U: Wäre Margot noch im Amt, würde sie jetzt zurück treten und Ihnen den Ministerposten überlassen!

R: Harhar. Aber in der Tat werde ich von diesem schlechtem Gewissen seit Jahrzehnten blockiert, jammer jammer. Dabei bin ich jetzt eigentlich alt genug, um hochbegabt sein zu dürfen.

U: Ha! Und ewig grüßt das Murmeltier. Man ist wieder im Bauchnabel – auf ein Altes?

R: Lassen Sie mich noch kurz darauf hinweisen, dass ich ein neues Bild für einen Nichtsnutz gefunden habe. Und zwar bei meinem heimlichen Gott der Kurzgeschichte, Isaac Bashevis Singer. In seiner Mikronovelle „Ihr Sohn“ zitiert der Ich-Erzähler dieses Sprichwort, wenn ein Schlemihl mit Leichentüchern handeln würde, würde keiner sterben. Chch. Ich fühle mich gesehen, ha!

U: Lassen Sie mich mit einem Bild antworten – würde man Ihre mentalmasochistischen Selbstzüchtigungen wörtlich nehmen, wären Sie ständig blutüberströmt. Aber ich registriere das natürlich mit teuflischem Behagen.

R: „Ich bin ausgesprochen, ich bin erledigt…“. „Tonio Kröger“. (klappt sich zusammen)

U: Jetzt paßt es aber – auf ein Altes! (klappt seine Klappkarte zusammen)

22. Februar 2015

Beispielwald (Beispielbild), am Krankenhaus Iron Hut City

R: Ralf (ratloses Fossil) und U: sein UFO (Unidentifizierter Führungsoffizier)

U: Hihi. – Können Sie sich den Teufel als Krankenschwester- oder Bruder vorstellen? „Wie geht es Ihnen heute?“

R: Das geht anders! Pluralis medicinae bitte! Ich verweise nochmals auf den mitteldeutschen Humoorbademeister Kusche, sinngemäß! Es sei zu empfehlen, auf die Frage der Oberschwester, „Wie haben wir denn geschlafen?“, nicht mit launigen Bemerkungen zu antworten wie etwa, man wüßte nicht, dass. Harhar. War nicht alles schlecht, ach. Obwohl – Witze und Märchen gehen in Diktaturen immer. Na ja. Bla.

U: Gut, dann versuche ich es sonntäglich seriös, sozusagen. Mein leibhaftiges Erscheinen ermöglicht Ihnen nun wieder, einem nicht vorhandenem Publikum nichts mitzuteilen, indem Sie viele Worte machen! Chch. – Zufrieden?

R: Meine Realitätsverwendungsfähigkeit ist eingeschränkter, als ich dachte! Nach über vier Wochen Bedienung der Fernbedienung habe ich festgestellt, dass außer durch die Zifferntasten 1 bis 9 noch weitere TV-Sender erreichbar sind, indem man diesen komischen Knopf mit „+/-“ drückt. Diese sich unerwartet auftuenden Möglichkeiten haben auch etwas Dialektisches – einerseits kriege ich ARTE rein, andererseits RTL.

U: Vermutlich kommt jetzt wieder was in der Art, das Alter beinhalte doch noch erstaunliche Entwicklungsmöglichkeiten usw. Äh… – ach so: harhar!

R: Genau! Ach, ich habe dauernd das Gefühl, was zu verpassen, so viel wie möglich „mitnehmen“ zu müssen im unablässigem Informationsstrom usw. Immer derselbe Scheiß – Leben intensivieren, der Mensch ist als das übende Wesen zu denken, in Klammern Sloterdijk usw. Und während ich einerseits meinen Trennungswiderstand bearbeite, indem ich mich dauernd vom abstürzendem Browser verabschiede, ha ha, läuft andererseits die Glotze mit vor allem Dokus und Koch- und Shoppingsendungen, letztere als Background-Sound zur Therapie von Verlassenheitsängsten. Frühgestörte, verkleistert Euch symbiotisch usw.

U: Ah. Aktivieren der weiblichen Anteile, indem Sie sich an Multitasking versuchen! Voll coole Übung, in der Tat!

R: Genau – auf den Sender SIXX bin ich gleich aufmerksam geworden, und der ist vor allem für Frauen, wenn ich das richtig geschnallt habe. Aber bei 3Sat war Thementag oder so ähnlich, und es ging um die Antike.

U: Sie sahen sich wieder als Rhe-Tor vor Senat und Volk von Rom?

R: Nee, da kam was über Arminius und die Schlacht im Teutoburger Wald, die vermutlich gar nicht direkt im Teutoburger Wald stattgefunden hat, wie ich letztens schon mal wo aufgeschnappt habe.

U: Aha! Dann haben Sie sich als Arbeiterführer beim Ossi-Aufstand gesehen?

R: Saukomisch, in der Tat! – Ich musste dauernd an Pispers denken, der bei passender Gelegenheit anmerkelte, der Deutsche wäre halt bisschen schizo. Auch er meinte natürlich wieder „gespalten“ im Sinne von „dissoziativ reagierend“, aber man darf von Künstlern ja nicht zu viel erwarten.

U: Letzteres kennen Sie von sich?!

R: Ach, es ist fast wieder erotisch, wie Sie empathisch mitgehen! – Jedenfalls scheint das mit dem „gespalten“ schon immer so gewesen zu sein! Offensichtlich hat bereits Hermann, der Cherusker, mit dieser Zwiegesichtigkeit vollen Erfolg gehabt. Jedenfalls ist es ihm gelungen, Varus zu täuschen, bis der mit seinen drei Legionen in Unterholz und Schlamm fest steckte und dann erst checkte, dass sein Reiterpräfekt Arminius die Seiten gewechselt hatte. – Schon wieder deutsche Kontinuität, wo sie keiner vermutet hätte!

U: Und was wollen Sie damit nun sagen und bezwecken?

R: Nichts. Ich freue mich nur, dass ich selbst dann nicht sofort verblöde, wenn ich die Glotze anschalte. Außerdem – cooler Plot für eine dieser Alternativweltgeschichten, wie sie wohl gerade in sind – wenn Arminius die Römer nicht geschlagen hätte und so weiter.

U: Und warum schreiben Sie die Geschichte nicht?

R: Ach, ach, ach… „Schreibblock“ scheint ja irgendwie in zu sein, aber selbst der scheint bei mir nichts Akutes, Kompaktes, sondern Ergebnis über lange Zeit erfolgter schleichender seelischer Vergiftung. Jammer, jammer.

U: Ah, ist es wieder so weit – auf ein Altes! (klappt seine Klappkarte zusammen)

R: Ja, ich möchte mich gern wieder ein bisschen in meine Depression zurückziehen! (klappt sich zusammen)

20. Februar 2015

Finale Phantasie oder: Eines der vor meiner Tür wachenden Frollein… – „Schwestaaa!“

R: Ralf (ratloses Fossil) und U: sein UFO (Unidentifizierter Führungsoffizier)

U: Hihi. Chch. Grüß Gott! – Muahaha!

R: Im Fegefeuer regnets Konfetti, ich geh‘ am Stock!

U: Auch ich unterliege sozialen Zwängen, und gegen hohen Gruppendruck gibt es noch keine vernünftigen Medikamente! – Waren Sie da nicht an irgendwas dran?

R: Ich laboriere an einer Salbe gegen Weltschmerz!

U: Das kommt gut! Ich sehe schon die TV-Werbung! „Werden auch Sie ein Gesalbter!“ Und dann sieht man Leute an Fließbändern tanzend und singend Bauteile montieren!

R: Genau! Das hat ein führender Musikwissenschaftler angemerkt, sinngemäß, die Welt wäre nicht durch Revolutionen besser geworden, sondern durch die Popmusik. – Aber was machen wir hier eigentlich? Aschermittwoch, an dem alles vorbei ist, ist doch vorbei!?

U: Sie bestimmen den Gang unserer diabolischen Dialoge, ich bin… – Sie wissen schon! „Diplom-Psychologe John Wolf Goethe“, wie Sie immer sagen. „Der Geist, der stets verneint…“ und so weiter.

R: Das hat durchaus was! Das, was ich „Budenzauber“ nenne, insbesondere die „Halluzinagogik“, ist stets verneinend.

U: Ach, geht das wieder los?!

R: Ja, natürlich! Es scheint tatsächlich etwas mit Eigeninitiative zu tun zu haben, mit ad gredi, also mit auf die Welt zugehen usw. Wie z. B. in extremer, weil u. a. unreifer Art und Weise bei meinem „Aufbruch“ aus Hütte und der „Flucht“ nach München. Sobald ich wieder irgendwie in einen Trott gerate und das Murmeltier ewig zu grüßen beginnt, geht auch der Spuk wieder los. Zwar sind die dauerhaften Kommentare der virtuellen Diensteinheit weniger geworden, und noch leiser, aber das Aufgeschrecktwerden beim Versinken in eigene Traumbilder setzt wieder ein. Usw.

U: Wie Sie sagten, sagte mal ein Therapeut zu Ihnen, Sie könnten Alltag nicht ertragen…

R: Ja, das war der hochdiplomierte Typ, der erklärt hat, ich würde entweder irgendwann ein Unikum werden oder mich irgendwann umbringen. Aber Alltag nicht ertragen können ist nur ein Teil oder nur ein Aspekt des stets Verneinens. Mir fällt dazu vor allem ein, dass viele Menschen es als Kind erlebt haben dürften, dass sie buchstäblich nicht genügten, dass alles, was sie taten, „falsch“ war usw.

U: Wollen Sie jetzt wieder mit Psycho die Welt retten?

R: Logo – ich sehe mich, im Unbewussten, als Eurokanzlerin. Har. Har. Har. Haben wir wieder fun! Aber ganz im Ernst… –

U: Hört! Hört!

R: – … ganz im Ernst hat selbst dieses nie genügen Können einen weiteren und durchaus positiven oder jedenfalls konstruktiven Aspekt. Man könnte zu Höchstleistungen getrieben werden, zum Erreichen oder sogar Überschreiten von Grenzen – immer gewärtig, dass man sich der Vollendung nur annähern kann und sie nie erreichen. Kurzum, es ist uns nicht gegeben, das Werk zu vollenden, aber es ist uns auferlegt, nicht davon abzulassen. Wieder sinngemäß.

U: Das postmoderne Höllenpersonal kennt auch den Talmud!

R: Das weiß ich – ich wollte nur zeigen, dass ich ihn auch kenne! Im Rahmen meiner Achtelbildung, Sie wissen – zum Angeben reicht es!

U: Sie wirken jetzt nach Ihrem Texterbrechen keineswegs erleichtert, sondern immer noch oder schon wieder mit der Gesamtsituation unzufrieden, wenn nicht unwirsch. – Wenn ich mal ’ne Rückmeldung rückmelden dürfte…

R: Scheint mir schon wieder alles so hochgestochen, geschwollen und überspannt, was ich eben der zu Recht abwesenden Weltgemeinschaft präsentiert habe! Da würden doch jetzt garantiert wieder Rückmeldungen etwa des heilsamen Inhalts kommen, ich bräuchte unbedingt ’n guten Fick, andernfalls ich der Gefahr erliegen könnte, genial zu werden…

U: Das scheint jetzt schon wieder Methode Woody Allen! Hatten Sie übrigens selbst schon erwähnt, wie ich mich entsinne. Die gesamte Weltliteratur wäre im Grunde eine Fußnote zu Goethes „Faust“. Das ist genial, wie Sie zuzugeben schon mehrfach bereit waren! Dann aber bekommt der Kleinbürger im Großmeister Angst vor seinen eigenen tiefen Gedanken und macht einen Rückzieher der Art, wie Sie ihn eben vollzogen haben, indem er anmerkt, er wüsste selbst nicht genau, was er damit gemeint hätte. Chch.

R: Har har. Ich bin Kleinbürger ohne Großmeisterei…

U: Hören Sie doch auf, den Biedermann zu spielen, den nimmt Ihnen doch eh‘ keiner mehr ab! Und vielleicht wäre es doch gar nicht verfehlt, wenn eine Frau in Ihr Leben treten würde?!

R: Ja, die Chefin des SEK, das meine Bude stürmt, harhar. – Einer meiner Lieblingsgags aus eigener Feder bzw. Tastatur, ach…

U: Ich denke, wir machen dann für heute Schluß – nach Ihrem Ansatz zum geistigem Höhenflug wünschen Sie sich wieder mentalmasochistisch im Erdenstaub zu wälzen… (klappt seine Klappkarte zusammen)

R: Ja, das ist meine persönlichkeits- und störungsspezifische Dialektik. Har har. (klappt sich zusammen)

16. Februar 2015

… mühsam hörnt sich das Eichnährchen… (oder so)…

R: Ralf (ratloses Fossil) und U: sein UFO (Unidentifizierter Führungsoffizier)

U: Mir fällt keine originelle Begrüßung ein…

R: Es menschelt höllisch! Sehen Sie jetzt auch dauernd TV, dass Sie in diesen Zwang verfallen, unbedingt ungeheuer witzig-spritzig und hip und cool und so sein zu müssen? Ist ja wieder der Oberhammer!

U: Ha, das fällt Ihnen also als erstes ein zum Thema „originelle Begrüßung“ – Fernsehen! Gleichfalls interessant! Wie sagen Sie immer? „Was könnte das zu bedeuten haben – im Unbewusstem“?

R: Sehr witzig, Mann! Das ist meine Art, mich von den Doktores Freudlos und Anna Lyse abgrenzen zu wollen…

U: Warum glauben Sie, das versuchen zu müssen? Doch zu dicht dran, doch wieder symbiotische Verkleisterung?

R: Ja, das ist merkwürdig, obwohl logisch – meine chronische Chamäleonose scheint derart ausgeprägt, dass ich als Klient jedweder medizinischen Einrichtung die Beschwerden entwickeln würde, für deren Behandlung die Einrichtung eingerichtet wurde. Eine Art Meta-Neurose, morbus zelig

U: Sie spielen hier auf den Film „Zelig“ von Woody Allen an?

R: Ja, ich bewundere ihn – der macht Kunst aus seinen Wehwehchen und Weltschmerzen, ich agiere aus; bla bla bla, jammer jammer…

U: Womit wir erstaunlicher Weise beim Thema geblieben wären – Film und Fernsehen…

R: Ja, na ja… Ich habe doch tatsächlich aus Prinzip nie einen Fernseher besessen, bis auf die paar Monate etwa 1997, nach denen ich das Teil wieder zum Trödler gekarrt habe, weil im Seitenflügel Parterre eh‘ nicht mal ’n halbes Dutzend Programme rein kamen. Und jetzt habe ich nach drei Wochen Fernsehen dermaßen die Nase voll von der scheiß Werbung – ich frage mich, wie Ottilie Normalverbraucherin das aushält! Am Anfang habe ich immer an diesen Witz denken müssen, „Ich finde Fernsehwerbung voll okay, aber uncool, dass sie dauernd von Spielfilmsequenzen unterbrochen wird!“ Harhar. Ist nicht von mir, finde ich aber witzig. Jetzt geht mir die Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation mit audiovisuellen Kommunikaten langsam, aber sicher auf den Zeiger! Ich bin verwöhnt vom Film kieken mit Apps auf dem Tablet – ohne Werbung, mit der Möglichkeit, zu stoppen, zurück zu spulen, zwischendurch drei bis siebzehn Liter Kaffee in meinen Gierschlund zu praktizieren usw.

U: Ich weiß ja nicht. Habe ich auch ein komisches Gefühl. Soll das wieder einer dieser Versuche sein, sich an einen Normalfall anzupassen, der nicht genau definiert ist und vielleicht gar nicht genau definiert werden kann? Spießiges Untertauchen wollen in der sogenannten Masse?

R: Is‘ schon voll schwul: eigentlich müsste ich so was wie bilanzieren, Rechenschaft ablegen usw. vor Ihm versuchen – sein Name sei vorsichtshalber gepriesen, falls es ihn doch gibt – und jetzt zelebriere ich das vor Ihnen, dem Großfürsten des Unteren Reiches, und habe ein schlechtes Gewissen dabei usw. Wahrscheinlich ist das auch Dialektik und ich habe wieder gepennt, als das behandelt wurde. Har har.

U: Na, danke für die nobilitierende Titulierung!

R: Wir sind doch im deutschem Sprachraum, wo sich jeder über unverhoffte Beförderung freut – haben wir wieder fun!

U: Kurzum folgen Sie nunmehr, wie sagen Sie immer, „Frau Dr. Hagen“? – „Ich glotz TV!“? Und haben aber, was für eine Überraschung, ein schlechtes Gewissen dabei?

R: Was sollte ich machen, wenn meine Schuldgefühle weg wären? Das dann plötzlich entstehende Vakuum wäre ja noch krasser! Aber im Ernst – ich stelle mir selbst solche Fragen wie die, was das soll! Was mache ich da gerade? Was tue ich mir schon wieder an? Ich wollte mein Leben verändern oder jedenfalls intensivieren! Ja, ich war mir sogar sicher, und eigentlich bin ich es immer noch, das versuchen zu müssen, nachdem sich heraus gestellt hat, dass ich günstigstenfalls noch 10 Jahre und eventuell ’n paar zerquetschte zu leben habe! Und was mache ich? Ich rede mir erfolgreich ein, gesunde Normalisierung zu erleben, indem ich vor der Glotze hocke. Ist doch voll für ’n Arsch, Mann!

U: Ihnen ist schon klar, dass ich nur als Container für wieder einmal angestauten Seelenmüll fungiere und in keiner Weise intervenieren werde? Es klang gerade wieder so, als würden Sie guten Rat erwarten, und auch noch billig. Außerdem bin ich mir sicher, dass Ihnen auch in Ihrer neuen Lebenslage bereits etliche Leute rückgemeldet haben, dass Sie sich enorm unter Druck setzen, der wieder einmal dazu führt, dass Sie nicht nur Ihre hohen und hehren Ziele nicht erreichen, sondern nicht einmal den Durchschnitt…

R: Ja ja ja! Wieder einmal, what a joke, ein Teufelskreis! Und das Zauberwort heißt wieder einmal, noch ’ne Wahnsinnsüberraschung, „Ambivalenz“. Einerseits: ich habe so viel Zeit – ich könnte doch, ich sollte doch, ich müßte doch, bla. Andererseits – „Kommen Sie doch erst einmal an; nehmen Sie doch erst einmal Platz; die Dinge müssen geschehen, indem Sie in Fluß kommen, man kann nichts erzwingen; Sie kommen kaum von der Stelle, wenn Sie das Gaspedal durchtreten im Glauben, Sie wären jetzt kraftvoll-dynamisch, und dabei die Handbremse nicht gelöst bekommen!“ Und so weiter und so weiter und so fort, bla bla bla. „Hüh!“ und „Hott!“ – der alte Trott! Krass – reimt sich schon wieder, obwohl es völlig ungereimt ist!

U: Ich sehe vor meinem geistigem Auge, was Sie vor Ihrem geistigem Auge sehen – Formulierungen führender Kritiker etwa des Inhalts, man hätte es hier mit einem genialischem Sprachzauberer zu tun, quasi einem deutschem Queneau usw.

R: Ja, danke für den sarkastischen Arschtritt – aber auch hier bin ich wieder ambivalent! Einerseits bilde ich mir ein, in dieser Hinsicht gar keinen Ehrgeiz zu haben, andererseits frage ich mich, ob das „normal“ ist.

U: Oha. Das wäre es also in etwa, was Sie sagen würden, würde ich die Standardfrage stellen „Was ist neu?“Sie sehen fern?

R: Nun ja, ich sehe auch mehr in der Nähe – womöglich war der Druck der selbst geschaffenen Lebensumstände an diversen Grenzen doch ein bisschen produktiv. Theoretisch ist mir schon lange klar, dass Interessantes ganz in der Nähe sein könnte und nicht unbedingt immer nur irgendwo da draußen. Aber ganz neuerdings ertappe ich mich dabei, hin und wieder über meine Nachbarn nachzudenken, mich zu fragen, wie sie geworden sind, was sie sind, zum Beispiel übergewichtig. Und so weiter. Aber das bleibt, wie gesagt, alles Theorie und hilft niemandem.

U: Mit 50+ entdecken Sie, dass Ihr Leben immer gerade da stattfindet, wo Sie gerade sind?!

R: Unsere postsozialistischen Menschen, unterdrückt von Befreiung! Aber wie Sie jetzt wieder emotionalen Inhalt verbalisiert haben – höllisch therapeutisch! Carl Rogers würde freudig auf der Couch herum springen, wenn er nicht einer der Ersten gewesen wäre, die keine mehr benutzt haben.

U: Ich hatte schon mehrfach darauf hingewiesen, dass ich Sie keineswegs öfter und intensiver loben werde, wenn Sie mir Honig ums Maul schmieren! Außerdem habe ich einen recht guten Überblick über Ihre Halbbildung, die Sie selbst für derart katastrophal halten, und nicht zu Unrecht, dass Sie sie „Viertel- oder Achtelbildung“ nennen, womit es sich erübrigt, dass sie damit vor mir glänzen wollen.

R: Und das ist jetzt die therapeutische Variable „Selbstkongruenz“, nicht wahr? – Man ist im Bilde, man ist im Bilde, hoho!

U: Okay, bevor Sie sich wieder, an Wortketten entlang girlandierend, in Symptombündeln verheddern – haben Sie außer dem Bedürfnis, viele Worte zu machen, auch noch das, etwas mitzuteilen?

R: Ich bilde mir ein, wieder einmal hinreichend Druck abgelassen zu haben, um es nicht zum Gedankenstau kommen zu lassen…

U: Nun denn – auf ein Altes! (klappt seine Klappkarte zusammen)

R: Weiter voran auf verwehrtem… bewehrtem… äh… – bewährtem Kurs! (klappt sich zusammen)

24. Juni 2014

Auch eine Methode, auf eine andere Ebene zu kommen – Zwillingsschachtschleuse!

R: Ralf (ratloses Fossil) und U: sein UFO (Unidentifizierter Führungsoffizier)

U: Sie bemerken hoffentlich mein echtes Interesse an Ihrer Person, wenn ich Sie jetzt anspreche, obwohl Sie nicht ansprechbar wirken?!

R: Ich weiß nicht, ob man sich über das Interesse des Teufels geschmeichelt fühlen soll.

U: Ein paar Wortgruppen gehen doch aber immer auch bei Gruppen-Unfähigen!

R: Genau – ich sollte öfter darüber sprechen, dass ich nichts zu sagen habe. Harhar. Und im Moment mache ich eh‘ wieder dicht als Dichter. Wahrscheinlich habe ich doch Züge eines Suchtcharakters…

U: Ach – doch die Bonsai-Pflanze inhaliert?

R: Nee, das habe ich irgendwo in diesem Internet gelesen – man kommt ja nicht drumrum! Leute mit Suchtcharakter wären unfähig, emotionale Erfahrungen von einer Lebenswelt in eine andere zu übertragen. Voll korrekt, Mann! Die alte Leier, Klappe, die 333. Und ewig grüßt das Murmeltier. Oder so ähnlich.

U: Das ist nicht ohne Weiteres zu verstehen… Aber wenn Sie so tun, als gäbe es nichts Neues, gibt es meist was Neues – so weit kenne ich Sie doch schon!

R: Na ja – das Neue ist das Alte! Das Fossil hat zum -zigstem Male den großen Sprung nicht geschafft und übt sich nun in der Tat in Integration durch Rückkehr in den Trott. Aber die Weltgeistin überrascht mich immer wieder! Ich hatte nun mit allem Möglichem gerechnet, nur nicht damit, auf dem Weg zum Vorstellungsgespräch an zwei Frauen vorbei zu laufen, die keineswegs nach Feierabend in ihrem Wohnhof hockten und tratschten, sondern ebenfalls zum Vorstellungsgespräch wollten. Wie sich heraus stellte, hatte die eine vier und die andere zwei Kinder und jede hatte je ein süßes Töchterchen dabei. Das eine Mädchen musterte mich verschmitzt, wenn sie merkte, dass ich so tat, als würde ich ihre Musterung nicht bemerken, das andere Mädchen fiel auf dem Schoß der Mutter in tiefen Schlaf, obwohl der uns einweisende Chef diesen kernig dröhnenden Bassbariton hatte, den ich mir schon immer insgeheim gewünscht habe. Wahrscheinlich die Sehnsucht nach einem Papa, die für einige Momente scheinbefriedigt wurde, weshalb das Kind in Schlummer sank.

U: Ach, und in Ihnen erwacht der potentielle Papa? – Das ist in der Tat neu! Muss man sich Sorgen machen? Sollte ich das Jugendamt verständigen?

R: Teils, teils! Einerseits habe ich mir schon immer zynischer Weise gesagt, dass es gut wäre, eine Frau mit Kind zu erringen – man spart sich das Abgerackere im Ehebett. Faulheit ist, wenn der Mann sich auf die Frau legt und auf ein Erdbeben wartet! Aharhar – ist doch wahr! Andererseits habe natürlich auch ich mich schon ganz im Ernst gefragt, wie das wäre, wenn man in seine Wohnung käme und so ein drei Käse hoher Jungmensch käme begeistert dem Papa entgegen getappt. Usw.

U: Mit anderen Worten – da es nichts wird mit Oscar oder Literatur-Nobelpreis, suchen Sie die Wonnen der Gewöhnlichkeit?!

R: Na ja – das stimmt nicht ganz! Ich wäre schon längst etwas ganz Besonderes, wenn Spießer sein nicht so cool wäre! Chchch. Aber auch hier ganz im Ernst – Familie ist doch gerade der große Aktivposten, was natürlich die Werbefritzen als Erste geschnallt haben. Alle totgelaufen, die großen Ziele, die großen Ideale, die großen Entwürfe – das kleine Glück scheint gar nicht mehr kitschig, sondern ein erstrebenswertes Ziel, für viele vielleicht das einzige. Bla. Wahrscheinlich unter anderem deshalb ist Fallada wieder so angesagt!

U: Ja, aber was hat das nun alles mit Suchtcharakter zu tun?

R: Na ja – es geht bei mir nur entweder oder. Entweder bin ich in der Weh-Geh halbwegs integriert – oder ich bin der einsame Reiter in feindlichem Gelände. Entweder gehe ich jobben – oder ich bemühe mich auf einer geistigen Ebene. Tellerwaschen zum Geldverdienen und zu Hause Klavier spielen geht nicht. Also jetzt als Beispiel – mitnichten wünsche ich zu pianieren usw. Bla.

U: Hören Sie doch auf! Versuchen Sie es doch einmal richtig! „Versuch macht klug!“, sagte der Teufel und setzte sich in die heiße Bratpfanne. Harhar.

R: Höllische Selbstironie, Wahnsinn! Natürlich versuche ich es. Es bleibt mir nichts weiter übrig! Die Lage spitzt sich zu! Immer weniger Wahlmöglichkeiten, immer mehr Landezwang. Aber dennoch fände ich es cool, z. B. bei der Schreiberei ebenso hartnäckig an die Grenzen zu gehen wie beim Tellerwaschen oder Zeitungen zustellen. Oder so. Bla.

U: Na, dann guten Landeanflug! (klappt seine Klappkarte zusammen)

R: Genau – Absturz ist auch ’ne Landung! (klappt sich zusammen)

22. Juni 2014

Gesellschaftliche Teilhabe auch für sozial Benachteiligte: die WM in bekömmlichen Häppchen!*

R: Ralf (ratloses Fossil) und U: sein UFO (Unidentifizierter Führungsoffizier)

U: Sie waren heute noch gar nicht ausagieren!?

R: Beim vorletztem Mal bin ich wenige Monate nach dem Auszug aus der WG grauhaarig geworden. Scheint was dran zu sein an der Geschichte mit der Sozialenergie. „Ammon hat gesagt, Ammon hat gesagt, Ammon hat gesagt!“ Jetzt werde ich wahrscheinlich im Herbst anfangen zu sabbern, dann beginnt die Prostata zu stottern und schließlich fallen mir die Ohren ab und das war es dann! Ph!

U: Hä? Meditieren Sie, führen Sie Selbstgespräche oder haben Sie jetzt doch den geschredderten Bonsai-Mammutbaum geraucht?

R: Ausagieren, ausagieren! So ’n Quatsch! Ich muss mich ab und zu bewegen, sonst provoziere ich auch noch ’n Schlaganfall oder so was. Sie wissen doch – Gott ist tot und ich habe auch dauernd diese Schwindelanfälle, aharhar.

U: Gott kann nicht tot sein, sonst wäre ich auch nicht mehr da – Sie wissen doch, das kosmische Gleichgewicht! Das liest man doch heute schon in jedem C-Fantasy-Roman aus dem Drehständer der Bahnhofsbuchhandlung! Aber fahren Sie fort – ich meine: im übertragenem Sinne!

R: Na ja, ich frage mich, woher ich eigentlich noch soziale Energie beziehe! Sind jetzt drei Monate vergangen seit meiner Flucht aus der künstlichen Schutzglocke der Weh-Geh und ich bin wieder so weit, dass ich manchmal Tage lang mit niemandem rede…

U: Sie machen auf mich nicht den Eindruck, dass Sie darüber sonderlich unglücklich wären!

R: Das ist ja das Problem! Ich weiß wieder einmal nicht, ob ich mich beschissen fühle oder ob ich das nur sollen müsste, weil man das erwarten dürfte. Genau so wenig ist mir klar, ob ich denn noch etwas Anderes will. Ich habe ja nun vergleichsweise viele Formen menschlichen Zusammenlebens probiert und bin offenbar nur BRD… Äh – bedingt realitätsdienstfähig!

U: Da Sie ja weder ausreichend gängige Zahlungsmittel noch auch genug ad gredi haben, wirklich aufzubrechen in neue Lebenskreise, könnten Sie es doch mit mit sozusagen „amtlichen“ Integrationsversuchen versuchen…

R: Das tue ich! Morgen habe ich ein Einstellungsgespräch und es besteht eine Wahrscheinlichkeit von mindestens 65,432 %, dass ich eingestellt werde. Wieder ein weiterer Schritt zur Normalität, hurra!

U: So richtig begeistert scheinen Sie jetzt aber auch nicht…

R: Wieder mehr desselben! Das putzige Kerlchen geht putzen. Bzw. fährt. Scheint schon bisschen gemacht für unsereinen, der Job! Ich steige da auf so ein umgerüstetes Fahrrad mit dem Werkzeug und fahre los und mach‘ mein Ding und fertig is‘. Hat schon was! Und ich bin endlich aus der Therapiegruppe von Dr. H. Artz-Vier raus! Na ja. Worauf warte ich denn nun noch – es kommt nix mehr, das ist nun mein Leben und ich habe das so hergestellt und basta. Bla!

U: Mit anderen Worten – Sie befinden sich in Ihrer Lieblingslebenslage, der Ambivalenz?

R: Korrekt, Sie Meister der Hellen und ihrer Spelunck; „Dr. Faustus“, Thomas Mann. Sie wissen ja – Größenwahn gehört zu meinen störungsspezifischen Symptomen, aharhar.

U: Jaha – ich hebe mir meine Anflüge von Erheiterung für den Schluss auf, ich entlade sie dann als Gefühlsstau!

R: Der Teufel liest Maaz – das ist die Postmoderne!

U: Etliche der ihren Gefühlstau entladen Habenden landen zwangsläufig in meinen Fegefeuerstellen, das ist doch voll logo! – Haben Sie sonst noch was mitzuteilen, um Druck abzulassen, Sie immer noch erschreckend formbarer Erdenkloß?

R: Ach, Herr Diabolus – Sie sind mein ein und alles fürwahr: Mama und Papa und Führungsoffizier und Krankenschwester und Vorgesetzter und und und!

U: Ist ja okay, dass Sie mir die Eier kraulen – aber Sie haben meine Frage nicht beantwortet!

R: Nun lassen Sie mir doch den minimalen Spielraum, den ich noch habe! Little joke btw! – Ja! Na ja! Ich traue mich nicht so darüber zu sprechen – „Was ausgesprochen ist, ist erledigt!“ usw.

U: Sie brauchen mich jetzt nicht darauf hinweisen, dass Sie eben aus dem „Tonio Kröger“ zitiert haben – dies ist ja nicht unser erstes Gespräch!

R: Ja, aber in der Tat gehen sofort, wenn ich mich in dieses Gespräch einklinke, die Kommentare der Budenzauberer los! Man will offenbar nicht nur vermeiden, dass ich mich um Schreiben im literarischem Sinne bemühe – ich soll auch nicht mit dem Teufel reden! ‚Spielta wieda das Wundakind, hähähä!‘, ‚Willa wieda ’n Roman schreibn, hähä!‘ usw. Gute Arbeit, von wem auch immer! Huhu?!

U: Ich glaube dennoch immer noch nicht, dass Sie bereits zu senil sind, meine Fragen zu beantworten! Kuckuck?!

R: Äh – ja. Na ja. Also – morgen habe ich dann auch noch ein Gespräch in der Immobilien-Firma betreffs Umzug im Bestand, der hoffentlich so bald wie möglich über die Bühne meiner Welt gehen wird. Auch habe ich nach einem seltsamen Kontaktabbruch, der dieses Mal – Hört! Hört! – nicht von mir ausging, gestern erfahren, dass das Kater-Tier noch immer bei der Katzen-Mama in der Hauptstadt Norditaliens und wohlauf ist. Yippieh! Ich werde den Herrn Kabelbeißer doch noch vor Wintereinbruch nach Iron Hut City holen! So – das muss erst einmal genügen! Können Sie das weiter melden an Ihre vorgesetzten Stellen, ahuahuahu?!

U: Meine Erheiterung ist, wie gesagt, völlig meinerseits! – Ich ziehe mich dann zurück, um mich, wie ebenfalls gesagt, zu entladen! (klappt seine Klappkarte zusammen)

R: Ja – haben Sie einen guten Knall! (klappt sich zusammen)

* Nur 1.99! Boah!

18. Juni 2014

Gedopt mit Narziss-Mus (Sporthallentrakt ehemalige Juri-Gagarin-Oberschule in Hütte)

R: Ralf (ratloses Fossil) und U: sein UFO (Unidentifizierter Führungsoffizier)

U: Ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, warten Sie darauf, dass Ihnen jemand den Rest gibt. Ich versuche es mal – Sie sind selbst schuld!

R: Korrekt, Mann! – Und schon fühlt man sich besser, wenn die Dinge einen Namen haben! Der zutiefst menschliche Zauber der Sprache! Meine Güte, das klingt schon wieder so pathetisch-geschwollen, aber ich kriege jetzt auf die Schnelle keinen sarkastischen Schlenker dazu hin…

U: Komisch – ich habe doch gar nicht gesagt, woran Sie schuld sind?!

R: Das tut nichts zur Sache! Hauptsache, ich bin schuld – das ist okay! Wenn ich an Ihrer Ansage was zu kritisieren hätte, dann das Ausbleiben von Kritik! Ich meine, Sie hätten was sagen können wie, ich solle doch nicht „man“ sagen, sondern „ich“ usw. Wenn Sie denn schon Einen auf therapeutisch machen. Hähä.

U: Okay – Sprechen Sie ohne Hemmungen alles aus, was Ihnen gerade durch Herz und Hirn zieht! Besser?

R: Schon nicht mehr ganz so freudlos! – Ich komme immer näher an den Punkt, an dem ich keine Worte mehr habe, und das ist gefährlich. Außerdem dieses chronische Grundgefühl, das Kater Francis gleich auf der ersten Seite anspricht.

U: Sie meinen den tierischen Helden aus „Felidae“? – Jetzt wird’s hell!

R: Voll korrekt! Es kann jederzeit alles über Einen herein brechen! Sicherheit gibt es nicht! Obgleich es Leute zu geben scheint, denen als Kind vermittelt wurde, diese Welt wäre ein sicherer Ort. In guten Minuten – meine Güte: es reimt sich, obwohl es ungereimt ist! – kann ich ahnen, wie sich das anfühlen könnte! Und übrigens wieder bezeichnend, dass solche existentiellen Grundgefühle in der „U“-Literatur angesprochen werden, nicht in der „E“-Literatur.

U: Sie wissen doch ganz genau – und Sie wissen auch, dass ich weiß, dass Sie es wissen -, dass es diese komische Unterteilung eh‘ nur im deutschem Sprachraum gibt…

R: Ja, ich bin nun mal Raumfahrer in diesem Raum – außerdem liest hier eh‘ kein bescheuerter Literatur-Professor mit!

U: Ha, da berauscht sich wieder Einer an sauren Trauben!

R: Mann, ich bin echt nicht scharf darauf, meinen Hintern auf ’nem Lehrstuhl breit zu sitzen! Chefarzt wäre schon was, muss ich zugeben, vor allem mit den süßen Töchtern, harhar – sorry, little joke btw, ach herrje! Ich bin gerade erst dahinter gekommen, worin immer einer meiner Grundfehler bestanden haben könnte – ich hatte geglaubt, die Leute auf der geistigen Ebene, insbesondere Schriftsteller, später Therapeuten, wären „die Starken im Leben“! Sind sie nicht – deswegen brauchen Sie ja den Schutzraum des Geistigen! Usw.!

U: Das klingt immer noch oder schon wieder säuerlich. Als wünschten Sie sich einerseits einen solchen Schutzraum – und würden ihn gleichzeitig verachten.

R: Hat doch Freud schon gesagt, sinngemäß. Ich habe es auch schon mehrfach gesagt – Sie haben es auch schon mehrfach gehört. Es gibt Leute, für die die Neurose der goldene Kompromiss ist, der sie überhaupt lebensfähig macht. „Neurose“ hier weniger als Symptomatik, sondern als „Weltanschauung“ im ursprünglichem Wortsinn jenseits aller Ideologie, etwa als System von Wahrnehmungsmustern usw. Natürlich bedeutet dieser Kompromiss Einschränkung, natürlich wirkt der Betroffene komisch. Aber – er ist halbwegs lebenstüchtig! Wird diese Schutzhülle zerstört, ist Pumpe und Schicht im Schacht! Und so lebe ich jetzt seit fast drei Jahrzehnten – ich bin gespannt, wie lange noch!

U: Und jetzt wollen Sie gelobt werden? Oder Sie wollen es zumindest jemandem „beweisen“?

R: Genau! Ich will jemandem beweisen, dass ich das jetzt durchstehe! Und dass ich ohne soziale Kontakte zurande oder gar weiter komme. Oder so was.

U: Ach, Sie wollen zu den „Starken“ gehören? Wieder mal alle Blogs löschen und alle Bücher verkaufen? – Krass! Fangen Sie vielleicht auch noch an mit Quetschkartoffeln alá Larsen? Ist ja der Hammer – was ein Reifeprozess! Alter Schwede!

R: Na ja – ganz so destruktiv denn doch nicht! Aber ich habe in letzter Zeit des Öfteren diese Vision – ich war ja beim Arzt, Herr Schmidt, aber der konnte oder wollte mir auch nicht helfen! -, es gäbe etwas wie die Fußball-WM, mit allem Drum und Dran wie -zig Millionen Interessierten, riesigem technischem Aufwand usw., aber nicht mit Fußball, sondern mit Literatur oder Theater oder Musik. – Genau: der hatse doch nich‘ alle, so was gehört inne Einrichtung, höhöhö!

U: Lange nicht so gelacht! – Sie sind doch gegenüber so „Einrichtungen“ auch total ambivalent: einerseits Sehnsucht, andererseits sich eingesperrt fühlen usw.

R: Sagen Sie doch, wie es ist – erstens habe ich langsam alles durch und zweitens nimmt mich goldlockigen Jüngling doch eh‘ niemand mehr! Muahaha!

U: Alles durch haben Sie nicht – Sie bleiben „nur“ wieder auf halber Strecke stecken!

R: Ich glaube, ich bin wieder knapp vor der Zielgeraden umgekippt – oh schöner Schmerz! Wie gesagt: es „drohte“ Landung in der WG! Außerdem – stimmt schon! Ich könnte es mal wirklich versuchen als Einsiedler oder so, mit Kate, Kater und Kalaschnikow, wahlweise am Baikalsee oder am Großen Bärensee – aber da ist die Luft raus, jammer jammer… Die blöde Wende hätte bei mir echt vier Jahre früher kommen müssen! „Dicht daneben ist auch vorbei/mein Reisepass macht mich nicht frei!“, wie Frau Danz vollkommen zutreffend zu schmettern pflegte. Bla. Bla bla – blubb blubb.

U: Okay, lassen Sie uns abtauchen! (klappt seine Klappkarte zusammen)

R: Vom U-Boot überfahren! Höhöhö! (klappt sich zusammen)

10. Juni 2014

Fußball-WM is‘ cool – der Plattfußgänger hat die Stadt für sich…

R: Ralf (ratloses Fossil) und U: sein UFO (Unidentifizierter Führungsoffizier)

U: Über welche Teile der Realität möchten Sie sich heute beschweren?

R: Unser Sensibelchen hat eine krasse Kränkung abgefasst! Beim Abenteuer Eis-Diele!

U: Lassen Sie mich versuchen zu beweisen, dass ich Sie komplex wahrnehme – Sie spielen jetzt auf Ihre zwei Grundformen des Abenteuers an?

R: Korrekt! Entweder man stürzt sich ins Getümmel oder man begrenzt seine Erlebnisse auf das mögliche Minimum und erlebt dann jeden Gang zum Supermarkt als abenteuerlichen Ausflug ins Ungewisse usw….

U: Und? Hat Ihnen die Eiskönigin mit fiesem Grinsen drei Kugeln mit fossilem Schachtelhalm-Aroma angeboten?

R: Nee, sie hat mich halb mamamäßig, halb ordnungsamtlich darauf hingewiesen, dass in der einen von mir bestellten Kugel Alkohol wäre, woraus ich schon wieder schlussfolgern könnte, wo man mich schon wieder einordnen dürfte…

U: Ach. Und – haben Sie wenigstens kraftvoll gerülpst, um die Erwartungen der Bevölkerung zu erfüllen?

R: Nee, ich verstehe das ja!

U: Klar verstehen Sie das! Sie verstehen alles! Wenn Loser nur ’n bisschen intelligent sind, fangen Sie an, Ihre Niederlagen in Theorien zu transformieren. Man nennt das Geistesleben!

R: Im Ernst, Sie Höllenfeuerwerker! Da läuft kein Radio und kein Fernsehen, es ist nie oder selten ’n Licht an, Arbeit hat er nicht, Freunde hat er nicht, die Wohnung ist halb renoviert und viertelmöbliert – is‘ ’n Suffi! Liegt voll breit auf der Matte! Leuchtet ein!

U: Jetzt kommen Sie aber nicht wieder damit, dass Sie im bajuwarischem Gebiet über einer Suchthilfeeinrichtung gewohnt haben!

R: Natürlich komme ich damit! Ich musste nämlich bei der Bewerbung für die neue Wohnung meine Wohnsitze der letzten Jahre angeben, und wenn da wer Immobilien makelnd die Adresse googlet, kommt er sofort auf diese Drogen-Trutz-Burg!

U: Tja, Sie wissen, dass die Mitglieder des Freudes-Kreises Anna Lyse – Ihre Formulierung! – Recht haben mit ihrer Rückmeldung, Sie würden das so herstellen

R: Super! Das hilft mir ungemein, Sie Satansbraten!

U: Ich bin mir sicher, dass es Ihnen geholfen hat, diese Leute jetzt bei mir – wieder Ihre Formulierung! – anzuscheißen!

R: Korrekt! „Anscheißen“ bedeutet, man kann die eigenen Standards nicht durchsetzen, insbesondere im Moralisch-Ethischem, infolge psychischer struktureller Schwäche infolge schwacher oder abwesender oder ambivalenter Väter. Und die sind natürlich nach drei Systemzusammenbrüchen, drei gescheiterten Groß-Philosophien und zwei Weltkriegen abwesend oder schwach oder ambivalent. Die vaterlose Generation wurde auch mit einem flächendeckendem Netz von Führungsoffizieren als immer auch Ersatzväter „therapiert“. Usw.

U: Und Sie möchten jetzt von mir wissen, wann Sie endlich als furchtlos furioser Gesellschaftsanalytiker entdeckt werden und in Washington D. C. ’ne Stelle als Präsidentenberater kriegen?

R: Muahaha! Ich könnte Sie knutschen, Sie Schwefelkoch! Haben wir fun! – Aber Schreiben ist überhaupt und grundsätzlich „anscheißen“. Zudem ist, wer eigene Welten erdichtet, auch immer mit der nicht zufrieden, über die man sich geeinigt hat, dass sie die Realität wäre. Usw.

U: Sie wollten zum zweihundertachtundachtzigstem Male aufhören zu schreiben? Und der Tausendfüßler kommt wieder nicht von der Stelle, weil er darüber nachdenkt, wie er die Füße setzen soll?

R: Korrekt, Herr Pechkesselwart! Aber ich packe es nicht. „Es“ muss raus. Immer wieder rumort er in mir, der motus animii continuus, von dem Thomas Mann schreibt, dass Gustav von Aschenbach daran denkt, dass Cicero von ihm gesprochen hätte. Es tut mir ja leid – muss ja keiner lesen, den Scheiß. Das heißt, es tut mir natürlich nicht leid, das ist nur so ’ne Redewendung!

U: Mit der Benutzung dieser Allerweltsfloskel möchten Sie wieder vom Philosophischen zum Allgemein-Menschlichem-Alltäglichem kommen?!

R: In der Tat, wie Teal’c sagen würde! Und weil ich gerade bei SF-Serien bin – sogar in „Fringe“ beklagt man sich, Sinn gemäß, über das seltsame Phänomen der Jugend von heute, die zum erstem Mal in der Geschichte zufriedener, satter, ängstlicher, sicherheitsorientierter, „statischer“ scheint als „die Alten“. Es gibt natürlich nicht „die Jugend“ und „die Alten“, deshalb müssen Sie sich hier wieder Anführungsstriche denken. Außerdem ist auch dieses Phänomen mehr historisch als histrionisch bedingt.

U: Das ist immer noch eher die philosophische Ebene, wenn ich Sie mal kurz runter holen dürfte…

R: Okay – es ist mir nicht gelungen, mich zu Pfingsten nur vom Heiligen Geist zu ernähren! Nach dem Quasi-Fasten mangels gängiger Zahlungsmittel gestalteten sich nach abrupter Nahrungsaufnahme meine banal-materiell-leiblichen Prozesse recht flüssig. Har. Har. Har.

U: Das können wir so stehen lassen! (Klappt seine Klappkarte zusammen)

R: Drauf geschissen! (Klappt sich zusammen)

08. Juni 2014

Der Himmel über Hütte (nicht nach Wim Wenders)

R: Ralf (ratloses Fossil) und U: sein UFO (Unidentifizierter Führungsoffizier)

U: Sie sehen aus, als würden Sie auf den Heiligen Geist warten…

R: Genau – ich mache mit meiner inneren Gruppe Pfingsttreffen der Jugend. Har. Har. – Haben wir wieder fann!

U: Schon krass, dass Sie als Universal-Marginal-Person – Ihre Formulierung! – über Pfingsten nachdenken.

R: Ich denke nicht darüber nach – es denkt in mir. Ich mache nichts! Ha. Ha. In den letzten Jahren wollte ich drei Mal an Feiertagen einkaufen gehen. Das geht irgendwann nach hinten los! Irgendwann kommen die freundlichen Schwesternschülerinnen – rothaarig angenehm, rosa Höschen super! – und bringen Opa ins Gemeinschaftszimmer. Kekse für alle Gestörten des schizoformen Spektrums hat Oberschwester Gertrud! Oder „Schockokäcksen“, wie Dipl.-Psych. Z. aus dem Stamme der Ammoniten immer sagte. Harhar.

U: Wieso müssen Sie fast jeden Tag einkaufen? Weibliche Anteile wieder an der falschen Stelle ausgelebt? Oder sind Sie dermaßen verpeilt, dass Sie nicht über den übersehenen einen Feiertag klar kommen?

R: Ich habe keinen Kühlschrank, Sie unterirdischer Kesselwart! Heute war zum Beispiel die Milch sauer und damit der Kaffee nicht gesichert. Der ist aber der einzige Luxus, den ich habe. Halt, stimmt nicht – ich habe hier in Iron Hut City auch schon mindestens je zweimal Eis und Döner gegessen. Also – jetzt nicht gleichzeitig, harhar. Ungeheuerlich! Wahrscheinlich kriege ich jetzt ALG II gekürzt! Haben! Wir! Fun!

U: Und außerdem? – Es gibt ein außerdem, auch das sehe ich Ihnen an!

R: Null Punkte, Sie Höllen-Stasi! Sie hätten jetzt etwas sagen müssen wie, ich würde mich wieder einmal am Sachaspekt festbeißen, den Beziehungsaspekt aber außen vor lassen. – Und ich hätte dann etwa gesagt, die Minimal-Kontakte zu beispielsweise Verkäufern wären überhaupt fast meine einzigen Kontakte. Ha!

U: Und Sie wüssten wie immer nicht, ob Sie wirklich darunter leiden oder nicht vielmehr daran, was so Leute so denken und sagen könnten? Und eventuell tun, eisenhüttenstädtisch bürgerwehrhaft?

R: Geht doch – Sie können doch empathisch mitschwingen oder so ähnlich! Ach.

U: Trotzdem alles ganz erstaunlich für den Spießer, für den Sie sich ja immer halten – Sie können mir doch nicht weismachen, dass Sie nicht ernsthaft über Pfingsten nachdenken!

R: Ja, auch das mit dem Spießer haut nicht hin! Zum Beispiel wird „Mei Rua will i ham!“ immer völlig falsch interpretiert! Es könnte „Ruah“ oder „Ruach“ gemeint sein, also, siehe Tante Wiki, „Wind, Geist“, und damit spüren wir termingerecht und zielgruppenspezifisch ’n Hauch von Pfingsten! Haben! Wir! Fun! Ja ja, ich bin Antisemit, is‘ jut!

U: Sie brauchen echt keinen Kühlschrank, Sie haben ’n Ei auf dem Kopf!

R: Voll schwul, wenn auch Sie noch auf Humoorbad machen – unsere Gags sind nicht platt genug für den Massenkonsum!

U: Das ist jetzt wieder ’n gedanklicher Sprung, den ich göttlich nennen würde, wenn ich nicht der Teufel wäre! – War das jetzt ’ne coole Floskel zur Überbrückung! Auch ich weiß zuweilen meine Worte gar zierlich zu setzen fürwahr! Sorry – Ihr Schizosprech is‘ ansteckend! Viral sozusagen! Äh… ach so – harhar.

R: Nee. Nee nee. „Heiliger Geist“ könnte doch auch für etwas wie Massen-Symbiose stehen. Offenbar ein weiteres menschliches Grundbedürfnis – wenigstens hin und wieder in die Massen-Symbiose tauchen. Rockkonzerte, Fußballspiele, unserer führenden Köpfe Bad in der Menge, Mario Barth vor Publikum in mehrfacher Armeestärke – immerhin aber kein Armee-Aufmarsch! Fortschritt – ohne Zynismus! Usw.!

U: Bevor sie jetzt wieder die Knutschflecken vom Spiegel wischen – Ihre Formulierung! – wiederhole ich eine meiner Formulierungen, sinngemäß – mit dergleichen Geistesblitzen können Sie nicht Ihren Lebensunterhalt bestreiten! Das reicht nich‘ mal für die Milch für den Kaffee! Is‘ so! Sorry!

R: Das weiß ich! In die Richtung geht eines meiner Lieblings-Bonmots aus Eigenproduktion – es wäre vielleicht das menschliche Paradox, dass man nicht mit Denken seinen Lebensunterhalt verdienen könne!

U: Grandios! Aus bekannten Gründen vermeide ich zu sagen „himmlisch“! Versuchen Sie sich jetzt bitte nicht selbst zu besteigen – Sie kommen nicht wieder runter! Aber hier ein kläglicher Versuch, ihren Redestrom halbwegs gesellschaftsfähig zu kanalisieren – spätestens beim Wort „Armeestärke“ wurde in meiner zerebralen CPU, harhar, Gefechts-Alarm ausgelöst! Achten Sie auf Godwins Gesetz! Sie sind kurz davor, den Namen des *hüstel* auszusprechen!

R: Das wäre nicht nur das Ende dieser Diskussion, sondern sogar ein angemessenes Ende! Scheint mir. Ich darf das, ich bin schizotyp. Die Erwähnung des *hüstel* passt sehr wohl zum Thema, weil zur Großen Symbiose und damit zum Heiligen Geist und damit zu Pfingsten!

U: Äh… – Nicht, dass ich alter Teufel Ihren Gedankengängen nicht folgen könnte! Aber für den Fall, dass es tatsächlich Leute gibt, die sich geistig stabil genug fühlen, diesem diabolischem Dialog bis hier zu folgen – wie würden Sie denen denn Ihre letzte Ansage erläutern wollen? Diesen Sprung vom *hüstel* zum Heiligen Geist usw. Der ist doch schon krass – ist er nicht?

R: Wie Sie mir richtig unterstellt haben, unterstelle ich mir, ein Spießer zu sein. Nein, ich gehe jetzt nicht drauf ein, was denn ein Spießer wäre – ich will dieses Gespräch heute noch beenden. Grundsätzlich gilt Regel Nummer eins – Spießer sind immer die Anderen. Außer bei mir, denn ich bin was ganz was Spezielles. Harhar. Was aber sind die existentiellen Grundgefühle des Spießers? Korrekt – Neid und Eifersucht! Natürlich bin ich neidisch auf Dr. Mario Barth. Ich bin auch neidisch auf Bestseller-Autoren. Ich bin auf alles Menschliche neidisch, weil ich außerhalb alles Menschlichen stehe! Usw. Und da habe ich mittelkürzlich etwas von einem Bestseller aufgeschnappt, dessen Autor ernsthaft behauptete, der grausige Erfolg des *hüstel* wäre auf seine latente Homosexualität zurückzuführen.

U: Jetzt kommt wieder einer dieser Sätze, die Sie einfach lieben müssen! Ich wäre nicht der, der ich bin, wenn ich nicht behaupten könnte, genug von Ihnen mitbekommen zu haben, um zu vermuten, dass das jetzt noch nicht alles war… – Die Auflösung des Knotens in der nächsten Sendung! Harhar.

R: In der Tat – ich fahre fort, zunächst im übertragenem Sinne! Symbiose hat viele Gesichter (meine Güte, wie poetisch – ’n kleiner Bachmann-Preis zum hier Essen müsste doch jetzt aber drin sein)! An einem Ende des Spektrums – die gruppale Vernetzung auf einer geistigen Ebene. Dafür könnte z. B. der Heilige Geist stehen, als etwas Transzendentes, das Menschen auf einer geistigen oder meinetwegen göttlichen Ebene vereint und für die Niederungen des Materiellen stärkt usw. Am anderen Ende des Spektrums diese unwohl bekannte Verbrüderung auf unterstmöglicher Ebene – „Wir sissn doch alle imselbn Boot, wir müssn doch zsamm haln, hick!“ Dazwischen alle die anderen Formen von Massen-Symbiose – Fußballstadion, Rockkonzert, Barth in der Menge usw.

U: Sie scheinen aber am Fortgang unserer kleinen Diskussion doch interessiert zu sein, sonst hätten Sie es nicht neuerlich vermieden, sie durch Erwähnen von *hüstel* abzuwürgen…

R: Ja, gleichfalls latente Homosexualität! Ich finde das Zusammensein mit Ihnen schier erotisch – Sie sind so höllisch heiß! Kleiner Scherz kurz vor Höllentorschluss quasi.

U: Danke für die Blumen, aber Sie vergessen, dass ich keine Fremdstimulation brauche, weil ich zwei Schwänze habe. Noch ’n Scherz – ist das jetzt schon ’ne Symbiose?

R: Okay! Im Ernst! Nach den existentiellen Zusammenbrüchen nach dem erstem Weltkrieg, nach dem „Fallen des Vorhangs“, Thomas Mann, war diese Sehnsucht nach symbiotischer Verschmelzung enorm stark. Zudem durch dieses Wegbrechen von Lebenswelten und Kulturräumen ohnehin massenhafte Regression eingesetzt hatte. Und dieses Mal nicht nur bis zur Anbetung einer kindlich omnipotent erlebten Vaterfigur, im Außen verkörpert etwa durch einen Kaiser, sondern bis zur frühkindlichen symbiotischen Verschmelzung zurück. Kein Zufall, dass nach dem 2. Weltkrieg frühkindliche Störungen in den Fokus nicht nur psychologischer, sondern auch philosophischer Betrachtungen und Forschungen rückten! Nun, und das „Geheimnis des Erfolgs“ des blonden Athleten Adolf H. scheint mir vielmehr in der Nutzung dieser Sehnsucht nach Symbiose zu liegen…

U: Jetzt müssen wir Schluss machen – auch von allen guten Geistern Verlassene erliegen Godwins Gesetz…

R: Ja, das war das Wort zum Pfingstsonntag! Und Ihnen wünsche ich natürlich alles Gute, wenn ich sage – fahren Sie zur Hölle!

U: Genau, Ihnen ist dergleichen ja leider verwehrt, weil Sie eh‘ wieder beim Schwarzfahren erwischt werden! (klappt seine Klappkarte zusammen – teuflisches Gelächter)

R: (klappt sich zusammen – höllisches Gekicher)

06. Juni 2014

Auch die Umschulung zum Schlemihl hat er abgebrochen…

R: Ralf (ratloses Fossil) und U: sein UFO (Unidentifizierter Führungsoffizier)

U: Sie haben mich imaginiert?

R: Ich habe nichts gemacht – das hat sich so ergeben!

U: Ich vermute, ich soll jetzt raten, was man Ihnen unterstellen könnte, das Sie hiermit nachspielen, hysterischer Weise?

R: Man sagt nicht mehr hysterisch, man sagt histrionisch. – Es geht Einem doch gleich viel besser, wenn das Ding den rechten Namen hat. Har. Har.

U: Und? Was meinen sie, dass ich glaube, das man Ihnen hier unterstellen könnte, dass Sie es nachspielen? – Was für ein Satz, den könnten Sie sich ausgedacht haben!

R: In der Tat! Spätestens bei solchen Wortgruppen schaltet Ottilie Normalverbraucherin ab und den Fernseher ein – Klischee-Alarm! Ja, ich meinte halt „Walk the line“! June Carter zu Cash. Seine schwarzen Klamotten hätten sich einfach so ergeben, das mit seinem Gitarrenstil hätte sich einfach ergeben und jetzt hätte sich ergeben, dass er June geknutscht hätte. Ich habe nichts gemacht! Hat sich so ergeben! Muahaha! Auch beliebt bei Politikern, Spitzensportlern und ähnlichen Winnern und Machern und Leistungsträgern. Huch – ich bin gedopt, hab‘ ich gar nicht bemerkt, wie konnte mir das passieren?!

U: Ihre Systemkritik trifft ins Herz des Systems – das ist die Wende! Tagelang werden sich Dutzende Parlamentsmitglieder schluchzend in die Kissen wühlen! Aber ich werde Sie jetzt nicht loben für Ihre Selbsterkenntnis!

R: Es reicht mir schon, dass Sie mitbekommen haben, dass ich dafür gelobt werden will – die Damen und Herren des Freudes-Kreises Anna Lyse haben das nicht so geschnallt. Milde formuliert! Ach, ich hätte so gerne die Goldene Couch mit Rückfallschleife erster Klasse. Hihihi.

U: Sie scheinen wirklich an dem Laden zu kleben! Ich kann mir nicht verkneifen, jetzt auch Klischee-Alarm auszulösen mit der durchgekauten Bemerkung, man müsse doch mal los lassen.

R: Es fällt schwer, sich aus Gruppen zu trennen, die sich mit der Psyche beschäftigen – man hat schließlich seine Psyche ständig bei sich…

U: Sie haben gestern Abend wieder nach Oscar Wilde gegooglet…

R: Es ist mindestens merkwürdig, dass wir überhaupt ins Gespräch kommen – Sie wissen doch nicht nur alles über mich, sondern auch das, was ich nicht weiß oder nicht wahrhaben will. Der Satz ist auch gut – ich muss schnell die Knutschflecken vom Spiegel wischen.

U: Na ja, okay, an Gründgens‘ Mephisto komme ich nicht ran, aber man tut, was man kann und bemüht sich manchmal sogar, das zu tun, was man nicht kann. Der Mensch ist als der große Übende zu denken – Sloterdijk usw. Sorry, wenn ich mich hier als Menschen bezeichne – es dient der Vereinfachung unseres Gespräches! Aber ich habe das blöde Gefühl, dass das jetzt noch nicht alles war, Psycho und Gruppen usw. betreffend. Sie sitzen doch da auf was drauf, das sehe ich Ihrem genialisch durcharbeitetem Gesicht an…

R: Ja, machen Sie sich ruhig drüber lustig – ich habe das typische Mädchengesicht des typischen Serientäters; ich bin ja so schlau, ich weiß das ja alles…

U: Sie vermuten, unter anderem deshalb könnte man das zelebrieren, was Sie da Budenzauber nennen?

R: Sie sind echt wieder teuflisch gut heute! Little joke, by the way! – Es ist immer derselbe Gedanke. Ein Häftling beispielsweise im Stasi-Knast konnte sich immer noch in seinen seelischen Innenraum zurückziehen – ich nicht, da ist ja der Budenzauber. Würde ich jetzt zum Beispiel den Dialog schreiben, den Sie und ich hier eben sprechen, käme wahrscheinlich früher oder später die „Halluzination“ ‚Huhu!‘ Stellen sie sich bitte „Halluzination“ in Anführungsstrichen vor. Usw. Da haben sich paar Leute was ganz Tolles einfallen lassen! Jemanden mit Genossen Mauser umzulegen, Zitat Majakowski, ist einfach – der ist dann hin und aus die Maus. Ich aber muss in diesem Zustand des nicht Lebens und nicht Sterbens aushalten, da mir der Notausgang verwehrt ist, den Hesse im „Steppenwolf“ erwähnt, dem Beispiel Adalbert Stifters zu folgen und beim Rasieren zu verunglücken. Muahaha! – Und jetzt kommt garantiert wieder die Unterstellung, ich würde Steppenwolf spielen. Und ewig grüßt das Murmeltier!

U: Und jetzt entnehme ich Ihrem Gesichtsausdruck, dass Sie sich fragen, ob Sie mich mit derartigen vermeintlich grenzpsychotischen Erfahrungen zutexten dürfen – Sie dürfen! Stellen Sie sich einfach vor, ich wäre der imaginäre Freund, den Sie nicht mal als Kind hatten!

R: Genau – ich armes, armes Ich! Mir geht es am dreckigsten – niemand wird so geprüft wie ich! Leider muss ich hier wieder jammern – was soll ich denn machen?! Außer natürlich dem, was ich gegessen habe; har har, little joke by the way. Stellen Sie sich bitte „muss“ fett gedruckt vor! Die diplomierten Herrschaften hinter der Couch schnallen ja nichts…

U: Womit wir wieder beim Ausgangspunkt wären – Trennung aus dem therapeutischem Feld. Oder so.

R: Ich habe mich ja zu trennen versucht, indem ich aus der WG abgehauen bin – es drohte „Landung“. Stellen Sie sich „Landung“ bitte in Anführungsstrichen vor!

U: Und vor der Landung haben Sie Angst, weil die „tödlich“ wäre. Stellen Sie sich „tödlich“ bitte in Anführungsstrichen vor! War das nicht diese Geschichte im Ferienhort der dritten Klasse oder so?!

R: Korrekt, Mann! Ich werde gesehen – Waaahnsinn! Dieser Mitschüler, der bei einem Kreisspiel in die Mitte gezogen werden sollte und sich schreiend und beißend und um sich schlagend mit Händen und Füßen dagegen wehrte. Und ich war heilfroh, dass es ihn gab, weil sonst ich an seiner Stelle gewesen wäre. Sozusagen eine Schlüsselsituation meines Lebens. Dass Sie sich daran erinnern können! Manchmal sind Sie für den Teufel recht menschlich!

U: Sie dürfen Ihrer Sozialisation entsprechend auch Genosse Oberstleutnant zu mir sagen – little joke by the way! Ja, und nun sollten Sie in der WG quasi in den Kreis gezogen werden?

R: Ich glaube, das stimmt nicht ganz! Das funktioniert eben nicht mehr, weil man mich ja 1986 zur Landung zu zwingen versuchte, indem man diese Jugendfreundin Montag auf mich ansetzte. Und ich habe es vermasselt – und diese Sprungmarke kommt nicht wieder, alles Weitere stinkt dagegen ab usw. Aber das war eben nicht echt, das war inszeniert!

U: Sie meinen die Frau aus der Prignitzer Prairie, wie Sie immer sagen?!

R: Korrekt, Mann! Das ist übrigens auch wieder lustig – ich habe ja des Öfteren etwas vor mich hin gebrabbelt, diese… – Zeitgenossin betreffend. Beispielsweise des Inhalts, dass ich sie killen wolle. Ich halte es nun nicht für ausgeschlossen, dass da welche annahmen, ich meinte Heidi Montag – von deren Existenz weiß ich aber erst seit paar Monaten, muahaha…

U: Wenn Sie sich selbst für einen potentiellen Serientäter halten, der mit In-vivo-Therapie rund um die Uhr sozialisiert werden soll, dürfte Sie so was doch aber nicht überraschen?!

R: Das ist ja nicht die Pointe! Was mich umhaut, ist, dass es offensichtlich tatsächlich Leute gibt, die reale Personen, Ereignisse usw. gar nicht mehr sozusagen eins zu eins wahrzunehmen vermögen, sondern nur noch durch das Filter aus den Medien entnommener Wahrnehmungsmuster! Das ist dann bloß saukomisch, wenn der Betreffende, in dem Fall ich, diese Muster gar nicht kennt, weil er gar nicht fern sieht usw. Das hat wieder was über meine Person hinaus, glaube ich!

U: Ja, Sie wissen doch aber, dass man mit dem Status eines Sozialcharakters nicht seinen Unterhalt verdienen kann. Harhar. Aber ich schweife ab – weil Sie abschweifen! Ich weiß, dass Sie das wissen, ich weise nur darauf hin, dass es mir auch nicht entgangen ist.

R: Ich wusste bereits nach dem Aufwachen, dass mir die Montag die Tür aufschließen würde, wenn ich eine halbe Stunde später vor dem Gebäude stehen würde, in dem ich als Pförtner arbeitete. Wobei dieses „Wissen“ eher ein zunächst nicht in Worten erfassbares Ahnen war. Etwas in der Art. Post-hypnotischer Auftrag. Harharhar – bildet sich ein, er wird von der Stasi hypnotisiert, harharhar! Ja ja, alles Einbildung! Ein Beispiel. Das war jedenfalls gemacht, das war inszeniert! Man hat versucht, dem Bindungsunfähigem eine Bindung zu verpassen, der er nicht entkommen konnte. Bla.

U: Ja, „bla“ – Sie müssen das gleich wieder bagatellisieren!

R: Wie gesagt – was soll ich machen? Ich habe diversen Mitarbeitern des Freudes-Kreises Anna Lyse mehr Ohren abgekaut, als die hatten usw. Ergebnis – zero. Aber ich muss ab und zu Dampf ablassen – Sie sagten ja ausdrücklich, dass Sie diesbezüglich zur Verfügung ständen?!

U: In der Tat – auch ich bin ein therapeutischer Container für Seelenmüll. Aber ich könnte Leute durchaus verstehen, die Sie für ein bisschen größenwahnsinnig hielten – das klingt doch alles sehr nach „Nabel der Welt“ usw.

R: Ich weiß nicht, was die wollten! Auch das versuche ich ja seit 28 Jahren heraus zu bekommen. Vielleicht tatsächlich ein Versuch, einen absolut loyalen Mitarbeiter zu rekrutieren, indem man ein bisschen Wunscherfüllung für Schizos praktiziert usw. Keine Ahnung! Wie gesagt – Paranoia is‘ nich‘! Ich habe vor der Wende nicht geglaubt, dass die Stasi Telefone abhörte – süüüß, ich weiß! Wenn mir heute wer verklickern will, die Genossen Tschekisten hätten einen Staubsauger für die Mondoberfläche entwickelt, um die NASA zu sabotieren, hielte ich das zumindest für erwägenswert.

U: Nun gut. – Bzw.: ungut! Haben auch Sie das Gefühl, dass in unserem Gespräch ein bisschen die Luft raus ist?

R: Korrekt! Wieder nicht gesprungen, wieder nicht gedichtet, nur berichtet! Die alte Leier – weiter voran auf bewährtem Kurs! Vollkommen unschöpferisch, der Mann – hat sich dit Schreiben ooch bloß so anjewöhnt, frei nach Max Liebermann. Ich bin überzeugt, dass Herr Koske auch bereits per Mental-Funk die entsprechenden Rückmeldungen erhalten hat. ‚Gar nicht mehr schreiben, einfacher Arbeiter!‘, ‚Willa wieder hierbleiben!‘ – Herr Koske sollte wieder irgendwo hin wollen. Usw.

U: Wer ist Herr Koske?

R: Das ist der Typ auf der nächsthöheren Meta-Ebene, der sich den Quatsch ausdenkt, den wir hier abdrücken.

U: Ich hatte mich schon gefragt, wie ich dazu komme, solche gequirlte Scheiße zu labern! – Ich tippe auf schizotype Persönlichkeitsstörung mit Anteilen von Asperger.

R: Bingo, alter Höllen-Stasi! Aber nicht einmal diese Diagnose haben die Typen hinter der Couch korrekt gestellt – alles sehr freudlos, echt!

U: Jetzt kommt doch aber noch ’n kleiner Knüller – sehe ich das richtig?

R: Na ja, weil wir gerade bei Größenwahn usw. sind und hier überhaupt einen auf Faust und Mephisto abkaspern, halt die Sparausgabe für die Unterschicht, – ich habe da eine ganz eigene Interpretation des berühmten „Verweile doch, Du bist so schön!“ usw.

U: Okay, da wir Sparausgaben sind, gehe ich auf einen derart schlappen Wink mit einem derart überdimensionierten Zaunpfahl ein – und wie geht die Interpretation?

R: Dieser berühmte so schöne Augenblick, der doch verweilen möge, verweist auf einen Punkt jenseits des Textes, jenseits von Dichtung überhaupt – und dieser Übergang von Dichtung und Wahrheit ist aber gerade „dran“ in dieser unserer Postmoderne, in der Sparausgabe, um dabei zu bleiben, als Reality-TV…

U: Ihnen ist schon klar, dass man den „Budenzauber“ ebenso als Dichtung bezeichnen könnte?

R: Das ist mir schon lange klar – das wäre auch ’n Plot für ’n Psycho-Thriller oder so was. „Hysterie ist das Zerrbild einer Kunstproduktion!“ – Prof. Freud.

U: Womit wir beim Ausgangspunkt dieses Gesprächs sind – wenn man das Gespräch nennen will…

R: Korrekt – ich würde mich dann gern wieder in meine Depression zurückziehen…

U: Kein Einwand von den unteren Mächten! Da Ihnen Gutes nicht gut tut, wünsche ich Ihnen viel Ungutes!

R: Dieser Koske hat echt ’n Ding an der Waffel! (klappt sich zusammen)

U: (klappt die Klappkarte zusammen)

22. April 2013

Frau Dr. Johanna Faustin (wir sind schließlich im XXI. Jahrhundert!)*

R: Ralf (ratloses Fossil) und U: sein UFO (Unidentifizierter Führungsoffizier)

U: Falls Sie sich nicht sicher sind – ich bin Ihnen hiermit erschienen!

R: Manchmal hätte ich schon gern bisschen Rauch und Schwefeldunst dabei…

U: Ach ja – und vielleicht noch ’n Pferdefuß, oder wie? Das würde sich doch eh‘ nicht lohnen – Sie haben ja kein Parkett, das ich Ihnen zertrampeln könnte! Das heißt: Sie sowieso nicht – Ihre Wohnung! Da haben Sie sich ja nun gerade wieder einmal voll ein Ding gemacht!

R: Daran erkenne ich denn doch Ihren höllischen Ursprung – immer schön auf das Schlimme! Als würde ich nicht ohnehin schon Tage lang über meinen bescheuerten Umzugsversuch knobeln! Und vor allem – Nächte lang! Immer druff – es muss weh tun!

U: Ja, anders entwickeln sich doch Individuen Ihrer Gattung nicht! Wer von Euch Erdenbewohnern kommt denn wirklich aus dem Knick ohne Druck eines Leidens?

R: Eigentlich wäre das meine Definition eines Intellektuellen – der schafft sich diesen Druck selbst, um geistig wach zu bleiben. Das scheint mir das Entscheidende, nicht irgendein feierlicher Wisch von einer Uni, auf dem „Diplom“ oder so was steht.

U: Ach, Du kriegst die Tür nicht zu – was ist das? Bildungskritik unter den sauren Trauben? Wie viele Male haben Sie ein Studium angefangen und wieder hin geschmissen? Und was wollen Sie jetzt von mir hören? Dass Sie schließlich kein Intellektueller wären, sondern ein jeder Hinsicht mittelmäßiger und durchschnittlicher Lumpenprolet und daher für mich repräsentativ für die Spezies?! – Diese mental-masochistischen Selbstzüchtigungen kriegen Sie doch selbst am besten hin und Sie wissen auch, dass ich das weiß!

R: Gerade dieser Durchschnittlichkeit wegen bin ich doch wohl am besten als fern gelenktes Medium zu gebrauchen?! Das ist doch wohl der Sinn des Budenzaubers, oder? Durchaus begabt, durchaus intelligent, aber ohne eigenen Antrieb. Ein Gefäß für den Mittelwert der Masse!

U: Wenn Sie anfangen, derart abzuheben, sieht es vor Ihren Füßen immer nicht so gut aus, wie ich aus Erfahrung weiß. Also – wie sieht es aus?

R: Der Wartesaal-Charakter meines Lebens verstärkt sich – und mit ihm die Ratlosigkeit. Wieder einmal ersuche ich um Aufnahme in eine Gemeinschaft. Wieder einmal bin ich angehalten, mir einen Job weit jenseits aller Talente und Hoffnungen zu suchen. Und wieder einmal habe ich das Gefühl, ständig in die falsche Richtung zu laufen und immer wieder zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Usw. Auf diese Weise erzeuge ich mir selbst das Gefühl, abends rechtschaffen kaputt in mein Lotterbett sinken zu können mit der Entschuldigung, für das Eigentliche ohnehin keine Kraft mehr zu haben.

U: Mit anderen Worten – nichts Neues? Sie möchten gelobt werden, weil Sie sich an den falschen Stellen verausgaben?

R: Nee – aber damit bin ich wohl bisschen Mainstream. Ja ja, das ist zynisch! Aber Zynismus ist der Kitsch für enttäuschte Privatphilosophen. Ich muss dauernd an diesen Kollegen in meinem letztem Job denken! Der erklärte ganz beiläufig, er hätte schon seit Jahren Gelenkschmerzen, würde aber einfach weiter machen. Das scheint aber immer noch verbreitet, das gilt immer noch massenhaft als normal. Burnout is‘ nix für Unterschicht!

U: Ooch! Wenn ich nicht der wäre, der ich bin, hätte ich jetzt vielleicht ’n bissl Mitleid mit Ihnen! Aber ich wäre nicht der, der ich bin, wenn ich in den Worten des Kollegen nicht doch auch einen leisen Appell vermuten würde…

R: Leider ja! Noch immer gelingt es mir nicht wirklich, angenehm in die Bedeutungslosigkeit ab zu tauchen. Noch immer scheint man ein bisschen von mir zu erwarten, dass ich was ändern würde usw. Wie sagte dieser Typ auf einer der wenigen Diskos, bei denen ich rum hing? „Sieht aus wie ’n Direktor, bloß druff hatta nüscht!“ Meine Güte – wie müsste ich mich denn verwandeln, um in und drin und wirklich dabei zu sein?!

U: Das kann ich Ihnen nicht sagen. Verwandlung ist aber etwas Dynamisches – also bleiben Sie weiter in Bewegung!

R: Wenigstens leise sollte ich die Frage stellen dürfen – warum gerade ich?

U: Sie wissen doch ganz genau, dass sich diese Frage von antiken Sagen bis zu PC-Games fast alle Helden gestellt haben!

R: Jahaha! Ha! Helden? – Helden sind doch wohl die Super-Anachronismen!

U: Heute sind Helden nicht mehr Einzelne – nicht mehr einzelne „Lichtgestalten“. Wohin die hin führen, hatte Ihre Gattung ja nun Jahrtausende lang Gelegenheit zu erleben oder wenigstens wahrzunehmen. Jeder sein eigener Held – in seiner Welt! Jeder ganz da, ganz geboren, alles realisierend, was in ihm ist! Usw. Jeder vermag da zu landen, wo er über das Mittelmaß hinaus geht. Das haben Sie doch längst erkannt mit ihrer komischen Theorie von virtuellen Welten – jeder kann alles aus leben, ohne Andere zu behindern usw. Das ist doch alles noch am Anfang.

R: Ja, das ist die Theorie! In der bin ich fit!

U: Meine Aufgabe und vielleicht Pflicht ist es, Sie immer wieder aufzustacheln, wenn Sie sich gemütlich einzurichten beginnen…

R: Ha! Das klappt ja so weit!

U: Dann lassen wir das einmal so stehen! Fahren Sie fort – vor allem im übertragenem Sinne! (klappt seine Klappkarte zusammen)

R: Ja, i donk o scheen! Let’s go! Häff fann! (klappt sich zusammen)

* Die Ursprungsdatei des Bildes ist gemeinfrei.

08. April 2013

3 Epochen auf 300 Metern. Der Standort des Fotografen R. K. ist etwa hier (Blickrichtung Südsüdwest)

R: Ralf (ratloses Fossil) und U: sein UFO (Unidentifizierter Führungsoffizier)

U: Und?

R: Tja.

U: Sie können doch kurz!

R: Das hat was mit dem Dialogpartner zu tun! Sie wissen als Mephisto-Verschnitt doch erstens eh‘ alles über mich und zweitens sowieso alles besser! Aber – Hauptsache Kontakt! Harhar!

U: War das jetzt wieder so ein von hinter der Couch übernommener freudvoller Spruch?

R: Voll korrekt, Mann!

U: Die Psychos sind besonders harte Brocken! Das dauert meist, bis die durch den Wald voller Bäume mal Licht sehen!

R: Ha! Ja, cool! Ich habe eben wieder einmal die Tendenz gezeigt, Leute auf ’nen Sockel zu heben und sofort müssen Sie das relativieren, indem Sie so tun, als wären Sie nicht allwissend! Dabei wissen Sie genau, dass ich auf diese Kommunikationsfallen nicht mehr herein falle! Wenn Sie jetzt erwarten, dass ich über Dr. Anna Lyse & Co. her ziehe, ist diese Erwartung zwar berechtigt, aber womöglich freudlos!

U: Diese lahme Loyalität verstehe ich allerdings manchmal wirklich nicht!

R: Das ist keine Loyalität, das ist weise Resignation! Ist doch eh‘ alles Haschen nach Wind! Die Profis haben ihre Deutungshoheit – die Partei hat immer Recht, harharhar – und ich habe meine Ruhe!

U: Ja, aber hallo – man muss nicht Mitglied des Freudeskreises Anna Lyse sein, um zu merken, dass das nicht stimmt! Das Thema geht doch in Ihnen um bis zur Gesichtsfaltenbildung!

R: Hier heißt der adäquate Textbaustein „Dem Klienten gelingt es nach wie vor nicht, sich aus dem therapeutischem Feld zu lösen“!

U: Sehr witzig! Ich hätte Ihnen einen Vorschlag zu machen. Das heißt, ich hätte nicht nur, sondern mache ihn auch. Hiermit! Damit Sie hinter Ihrer Mauer aus zusammen geklauten Textbausteinen wieder vorkommen! Günstigsten Falles!

R: Sie müssen jetzt nur noch etwas sagen wie „Ich will Ihnen doch nur helfen!“, und dann vielleicht noch, muahaha, „Junger Mann!“, dann texten Sie echt wie ’n Stasi und nicht wie der große Führungsoffizier im metaphorisch-philosophischem Sinne! Oder so ähnlich!

U: So lange Sie es nicht einmal gebacken bekommen, sich eine Wohnung mit Flur an Land zu ziehen, kann ich mich auch nicht über den Flur rollen! Harhar! Aber hier mein Vorschlag! Da Sie ja letztens beim Ansehen von „Ruby Sparks“ echte Ansätze emotionaler Reaktion entwickelt haben, stehe ich als Dr.-Rosenthal-Verschnitt zu Ihrer Verfügung. Das passt ja auch, weil Sie von diesem bis zur Omnipotenz aufgeblähtem Dr. R. nicht weg kommen. Den aus dem „Hirschkindergarten“, wie Sie immer sagen. Und wie sagen Sie auch immer noch? – „Teilzeit-Chassid“?

R: Na ja, der Typ sah nicht nur so aus, sondern gebärdete sich auch häufig wie ein Chassid aus den Geschichten des grandiosen Isaac Singer…

U: Schuldgefühle?

R: Natürlich Schuldgefühle! Ich bin einer dieser vielen „kleinen Eichmänner“, die stumpf und dumpf und stur ihres Weges ziehen, bar jedes schöpferischen Funkens, den sie bei anderen deshalb hassen müssen. „Immer nur Pflicht erfüllt!“ usw. Deshalb machen Sie doch diesen Budenzauber, oder nicht?

R: War ja klar – keine Antwort!

U: Ich habe eher ’ne Frage. Nennen Sie das ruhig Dialektik! Sie sind ja die große Zielscheibe von Übertragungen! Deshalb fange ich gar nicht erst an mit unbestimmtem Verhalten usw. Harhar. Sehen Sie, das finde ich nun wieder witzig! Ich werde als Ersatz-Therapeut eher direktiv arbeiten!

R: Genau! Diese Zielscheibe bin ich! Daher die massiven Übertragungen.

U: Ach, wissen Sie – auf Anflüge von Größenwahn, die Sie so gut versteckt haben, dass Ihre Psychos Sie in einem Dutzend Jahren Therapie nicht bemerkt haben, werde ich nun auch nicht tiefer eingehen. Aber da bin ich bei meiner angekündigten Frage! Was meinen Sie denn mit „Die Partei hat immer Recht!“ im Zusammenhang mit der Therapie?

R: Na ja… – Muahahaha! Eine der ersten von mir geplagten Mitarbeiterinnen des Freudeskreises Anna Lyse ist immer an die Decke gegangen, wenn ich mit diesem „Na ja!“ ankam. Und nun bringe ich diese Floskel auch hier an! Sie sehen also, dass ich durchaus rudimentäre Ansätze zur Emanzipation entwickle! Chchch! Haben wir heute wieder Spaß in meiner faustisch kargen Klause! Sorry! – Das war ein Highlight meiner Laufbahn als Symptom-Bündel im Haus der ewigen Kindheit. Wobei ich gerade wieder feststelle, dass das Wort „Ambivalenz“ für mich erfunden werden müsste, wenn es das noch nicht gäbe.

U: Ihre sprichwörtliche Bescheidenheit plus Ihr tiefer Witz zwingen mich dazu, ernsthaft über einen Vorschlag zum Karl-Valentin-Orden nachzudenken. – Das war jetzt nur ’n Füllsatz meinerseits, damit niemand über Ihrem Monolog ermüdet. Harhar.

R: Sehr witzig! Jetzt steht es wieder unentschieden! – Was soll ich sagen? Einer der wenigen Augenblicke, in denen ich mich wirklich gesehen fühlte. Die erste Sitzung in der Mal-Therapie. Das Thema lautete „Überraschung“. Ich hatte einen Dinosaurier gemalt, der durch ein Fenster in ein Zimmer blickte. Bezeichnender Weise fehlten auch die ordentlich gerafften Übergardinen nicht. Der Kunsttherapeut, der alte Weise nach C. G. Jung, sah einmal auf mein „Werk“ und erklärte, das wäre ein Puppentheater und ich hätte als Kind nicht oder nicht wirklich spielen können und dürfen. – Und ich bin dann sogar in der nächsten Sitzung wieder gekommen!

U: Hm. „Sogar“, weil der gute Mann durch Ihren Panzer hindurch einen Treffer gelandet hatte?

R: Korrekt, Mann! Manche Klienten sind nach derartigen schnell geschossenen Volltreffern Wochen lang nicht mehr erschienen und haben einen erschreckenden Gesichtsausdruck entwickelt, wenn Sie den alten Weisen erblickten. Besonders Frauen, natürlich!

U: Tja, bleibt mir echt nur die Frage, wo denn da nun ein ambivalentes Moment wäre?!

R: Na ja – harhar – derselbe wirklich weise Mann hat auch den größten Scheiß getextet. Zum Beispiel, ich würde DDR in das Therapiesystem hinein projizieren usw. Dabei sind sowohl DaDaeR als auch therapeutisches Feld kleine, geschlossene Räume als Reaktionsbildung auf massenhafte Traumatisierungen usw. Und wie lange war der denn in der DaDaeR? Ich habe ja zumindest 28 Jahre dort gewissermaßen hospitiert! Also doch arrogante Wessis! Und das an der Stelle! Krass!

U: Und was macht Sie da jetzt so wütend? – Sie merken schon, dass Sie wütend sind?!

R: Ja, manchmal kriege ich was von mir mit! Chch! Zum Beispiel fällt mir so was manchmal erst Jahre später auf. Und dann muss ich anscheißen!

U: Wen scheißen Sie bitte wo an?

R: Ja, den alten Herren doch wohl bei Ihnen?! Oder nich‘? Oder was?! Und was ist denn überhaupt „anscheißen“? Jemand ist nicht in der Lage, seine Bedürfnisse anzumelden und vor allem seine moralisch-ethischen Standards durchzusetzen. Die nötige innere Instanz fehlt. Kurzum: wieder mal die vaterlose Generation usw.! Da bedarf es dann des Ersatzvaters im Hintergrund. Zum Beispiel in realer Gestalt des Führungsoffiziers. Oder als imaginierten Leser. Usw. Bla. Wer sich durch Aufschreiben aller Art eine alternative Wirklichkeit schafft, muss zudem in gewissem Sinn und Ausmaß mit der vorhandenen unzufrieden sein! Und durch innere Blockierung gehindert an Versuchen, diesem Missstand abzuhelfen. In diesem Sinne ist Schreiben grundsätzlich „anscheißen“.

U: Erwarten Sie eigentlich von irgendwoher ’ne Prämie oder was, weil Sie sich für diese, wie sagen Sie immer, „Genossen Tschekisten“, den Kopf zerbrechen?

R: Das kommt meinem mentalem Masochismus enorm entgegen! Muahaha! Manchmal habe ich schon überlegt, ob ich ich nicht den Ober-Kader-Stasi suche und mich noch nachträglich eintragen lasse, damit alles seine Unrichtigkeit hat!

U: Außerdem denkt der Tausendfüßler wieder einmal über das Setzen der Füße nach… –

R: … – richtig: und kommt nicht von der Stelle! Aber wie lange habe ich geprobt, mit dem Rauchen aufzuhören, bis ich es gepackt habe?! Okay – negativer Vorsatz! Wie viele Jahre hatte ich so Websites im Kopf, bevor ich tatsächlich welche ins Netz stellte?

R: Wenn ich Sie richtig verstanden habe, wird es also noch ’ne Weile dauern, bis etwas von Ihnen kommt, das Sie selbst als wirklich vorzeigbar empfinden würden?

U: In der Tat, Sie Quasi-Stasi! Etwa 2026 werde ich als junger Autor hervortreten! Ich werde sehr viel Aufmerksamkeit erregen! – Insbesondere bei meinen Gläubigern, aharharhar!

R: Na dann – weiterhin viel Missvergnügen! (klappt seine Klappkarte zusammen)

U: (klappt sich zusammen)