… weitere überflüssige Notizen…)

Wie machen die das? Wer macht das? Warum machen die das? – Die Fragen sind sinnlos, ich bekomme ohnehin keine Antwort, aber ich kann nicht anders; meine Bosheit usw., ich bin morbid, nekrophil-destruktiv im Sinne Fromms und überhaupt alles, was ihr wollt. Seit 31 Jahren soll ich davon abgehalten werden, mit dem Schreiben ernst zu machen, weshalb ich immer, wenn ich kurz davor bin, dies tun zu wollen, eine Rückmeldung  erhalte, mit der mir sinngemäß mitgeteilt werden soll, dass ich gar nicht erst anfangen bräuchte, weil es das alles schon gäbe, und besser, als ich es könnte; wenn Einem dergleichen einmal oder wenige Male passiert, ist man gern bereit, auch als von Störungen des schizoformen Spektrums Betroffener, dies als Zufall zu werten, aber ich habe das jetzt etliche Dutzende Male erlebt seit meiner montäglichen persönlichen Singularität… (… merkt nich‘, dissa schwul is‘, merkt nich‘, dissa schwul is‘…)

Sind das Versuche der Reanimation des epoché-Menschen, des im Denken Scheintoten, in Klammern Sloterdijk? Konkret bin ich gerade dabei, alles aufzuschreiben, was mir einfällt zu meinem Lebens-Slalomlauf, und dies versuche ich natürlich mit dem Hintergedanken, durch die Anhäufung von Masse doch noch einen Sprung  zu erleben, indem mir durch Umschlagen von angesammelter Quantität in eine neue Qualität, sehr frei nach Hegel, ein brauchbarer Plot einfällt, mit dem ich diese öden Einzelepisoden tragikomischen Scheiterns auf eine über-persönliche und damit überhaupt literarische Ebene bringen könnte, und nun finde ich das; ich wiederhole mich bewusst, indem ich nochmals erwähne, dass mir ein solcher „Zufall“ zum mindestens dreißigstem Male widerfährt. (… merkt nich‘, dissa eifersüchtig is‘, merkt nich‘, dissa eifersüchtig is‘; der is‘ so was von eifersüchtig…)

Ist der fließende Übergang von Dichtung und Wahrheit, ein charakteristisches Merkmal unserer Zeit, schon so weit fortgeschritten, dass direkt in Wirklichkeit umgesetzt werden kann, was früher Literatur wurde? Das würde allerdings die Frage aufwerfen, warum es dann überhaupt noch Literatur gäbe. – Ich entsinne mich beispielsweise, einmal ein geradezu existentielles Erlebnis zu beschreiben versucht zu haben, die Geschichte mit dem Lampionumzug am Vorabend eines Kindertages, als ich etwa 12 war, an dem teilzunehmen mir im letztem Moment verwehrt wurde, weil meine Eltern irgendwohin mussten; ich halte dieses Erlebnis für den Auslöser meiner inneren Kündigung  in der Manier Oskarchen Matzeraths, die ich eben nicht in Abläufen in Betrieben praktizierte, wo der Begriff von Arbeitspsychologen entwickelt wurde, sondern im Leben allgemein, zunächst im Elternhaus, dann, Generalisierung des Symptoms, in immer mehr Bereichen. Am Tag nach der entsprechenden Niederschrift fand unweit meiner damaligen Wohnung ein Kinderfest statt, und ich lief daran vorbei, als ein Clown mit einem Lampion hantierte und mir dabei geradezu theatralisch intensiv in die Augen sah, als wolle er sicher gehen, dass ich ihn wahrgenommen hätte. Schreiben ist sinnlos – wir lösen das Problem in der so genannten Realität… Nochmals der Hinweis, dass ich so was  – zig Male erlebt habe; natürlich habe ich die meisten derartiger Erlebnisse sofort verdrängt, „Weil, so schließt er messerscharf/nicht sein kann, was nicht sein darf…“  (Christian Morgenstern)

Konservative Psychiater würden hier vom störungsspezifischem Empfinden des gemacht Seins von Realität sprechen, dies als typisch psychotisch werten und den regelmäßigen Verzehr hochwertiger Pharmazeutika empfehlen; ich frage mich immer wieder, ob es vielleicht gar keine Psychosen gibt, vielmehr hier ein Phänomen pathologisiert wurde, und wird, das nicht im adäquatem Kontext gesehen werden konnte, weil die globale Vernetzung des menschlichen Geistes nicht weit genug entwickelt war usw.

Zudem fällt mir zu diesem Thema ein, dass ich gelegentlich immer seltener werdender intensiver Lektüre meiner Viertelbildung hinzufügen konnte, was, wenn ich mich recht entsinne, Freud sinngemäß angemerkt hat, dass nämlich Hysterische, neuerdings Histrionische, häufig Schizophrene nachahmen- oder gar äffen würden, und dies oft gar unbewusst; womöglich handelt es sich bei der Pseudo-Psychose, durch die ich seit über drei Jahrzehnten laviert werde, um eine paradoxe Intervention im eben angedeutetem Sinne. Aber wer sollte so was  versuchen? Wer bin denn ich – eine kleinbürgerliche Marginalperson mit dem erstaunlicherweise nicht abzutötendem Drang nach dem Geistigem, hach! Ich erwarte, wie gesagt, schon längst keine Antworten oder Erklärungen mehr, ich wollte mich nur wieder einmal, mit Verlaub, auskotzen, und immerhin versuche ich diese metaphorische Umkehrung der Transportrichtung der Speiseröhrenperistaltik nicht in der Weise, dass ich meinen Frust etwa durch Randalieren vor Flüchtlingsheimen ausagiere; ich scheine in der Tat ein fortgeschrittener Lumpenproletarier zu sein und ringe als solcher nach wie vor um den Aufstieg in die Unterschicht.

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Bla. – Und nun wieder, apropos Reihern, Würfel husten usw., ein abrupter Übergang; etwas Unterhaltung, über die ich mich gekugelt habe, obgleich sie ein Grundproblem aller Werbung zeigt, indem ich zwar entzückt und begeistert bin, aber trotzdem nicht in den MediaMarkt gehe, weil ich erstens konstitutioneller Spielverderber bin, zweitens als Anhedoniker eh‘ keinen Spaß habe und drittens… – überhaupt! Hähä.

PS: Womöglich bin ich doch abhängiger vom Net, als ich dachte, worauf zum Beispiel die Tatsache verweisen könnte, dass ich gestern einen Googlehupf gebacken habe… (… Mööönsch – Ooopa, du warst echt schon besser…)